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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Kurzer Prozess für dreisten Dieb
 
Dubioser Verkäufer bestiehlt Behinderten
Zwischenüberschrift:
Nach nicht einmal 24 Stunden im beschleunigten Verfahren verurteilt
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Am Dienstagnachmittag kam es in einem Schnellrestaurant in der Großen Straße zu tumultartigen Szenen: Ein Mann hatte zufällig beobachtet, wie der Verkäufer eines dubiosen Straßenmagazins einem geistig behinderten Gast 200 Euro aus dem Portmonnaie riss. Der als Ladendetektiv beschäftigte Mann schaltete blitzschnell, überrumpelte den Täter und legte ihm Handschellen an. Die Begleiter des Diebes versuchten daraufhin ihren Freund zu befreien, doch wenige Augenblicke später verhaftete ihn die Polizei. Offenbar agierte der rumänische Staatsangehörige als Teil einer reisenden Bande, die mit einem billigen Druckerzeugnis an das Geld ihrer Opfer will. Nicht einmal 24 Stunden später wurde dem Mann am Osnabrücker Amtsgericht der Prozess gemacht.

Osnabrück Immer wieder sind in der Innenstadt dubiose Verkäufer unterwegs, die den guten Willen der Osnabrücker ausnutzen wollen: Sie verkaufen vermeintliche Obdachlosenzeitschriften und stellen bewusst das Leid von Wohnungslosen zur Schau. Oft sind die Verkäufer bandenmäßig organisiert, sie ziehen ständig von Stadt zu Stadt. Die Strippenzieher bleiben im Hintergrund, zu sehen sind in der Regel nur die kleinen Fische.

Der Mann, der einem geistig Behinderten am Dienstag mehrere Euroscheine aus der Geldbörse gezogen hatte, gilt als solch ein kleiner Fisch. Ihm wurde in einem beschleunigten Strafverfahren schon am Mittwoch der Prozess gemacht.

Die Hauptverhandlung gegen den 21-jährigen Rumänen wurde kurzfristig anberaumt. Außer dem Beschuldigten waren nur zwei Zeugen geladen, die tags zuvor das Geschehen in der Innenstadt mitverfolgt hatten. Sie schilderten der Richterin, wie mehrere Personen mit vermeintlichen Obdachlosenzeitungen den Schnellimbiss in der Großen Straße betraten und ihre Druckerzeugnisse zum Verkauf anboten. Der 21-jährige Angeklagte habe den geistig behinderten Mann angesprochen, schilderten sie. Als sich der Ladendetektiv der Szene näherte, sah er, wie der Verkäufer mindestens vier 50-Euro-Scheine″ aus dem Portemonnaie des Mannes zog. Einen der Scheine habe er später zurückgesteckt.

Von seiner Tat ließ sich der Mann auch nicht dadurch abbringen, dass sein Opfer laut sein Missfallen bekundete und mehrfach Nein″ sagte. Auf beide Zeugen machte der Bestohlene einen hilf- und wehrlosen Eindruck. Nur der Zivilcourage des Ladendetektivs ist es zu verdanken, dass das Opfer sein Geld nun wiedererlangen wird. Er legte dem Dieb Handschellen an und verständigte die Polizei. Mehrere Personen aus dem Umfeld des Rumänen versuchten in der Zwischenzeit vergeblich, ihren Freund aus der Situation zu befreien. Für mich war das selbstverständlich, und ich würde das jederzeit wieder machen″, sagte der Ladendetektiv im Gespräch mit unserer Redaktion.

Nicht einmal 24 Stunden später fand sich der 21-jährige Rumäne auf der Anklagebank des Osnabrücker Amtsgerichts wieder. In einem beschleunigten Strafverfahren verurteilte ihn das Gericht am Mittwochmittag wegen Diebstahls zu einer Strafe von 900 Euro. Die 150 Euro, die er seinem Opfer gestohlen hatte, werden ebenfalls eingezogen. Mit der Strafe von 90 Tagessätzen zu je zehn Euro gilt der Mann übrigens nicht als vorbestraft. In der Hauptverhandlung versuchte er noch vergeblich, den Diebstahl als freiwillige Herausgabe des Geldes darzustellen. Der Mann habe ihm aus freien Stücken das Geld gegeben, so seine Aussage.

Allerdings ließen die Zeugenaussagen keinen Zweifel daran, dass sich der 21-Jährige gegen den Willen seines Opfers an dessen Portemonnaie bedient hatte. In Anbetracht der Tatsache, dass die Zeitschrift für 1, 50 Euro verkauft wird, stellte die Richterin dem Mann die Frage, ob er den Kaufpreis von 150 Euro als normal erachte. Er habe das Geld in dem Moment einfach genommen und sich bedankt, sagte der Angeklagte.

Seine Aussage gestaltete der Mann eher konfus. Während er lediglich mit seiner Verlobten und seinem Bruder unterwegs gewesen sein wollte, berichteten die Zeugen von mehreren Beteiligten, die durch einen Tumult versucht hätten, ihren Mitstreiter zu befreien. Zu seinen Einkommensverhältnissen konnte der Mann keine exakten Angaben machen. Er will seit seiner Ankunft in Deutschland vor rund drei Wochen insgesamt 200 oder 300 Euro verdient haben. Allein am Dienstag, dem Tag der Tat, sollen 60 Euro dazugekommen sein. Das sei wohl sein Glückstag gewesen, gab er der Dolmetscherin zur Übersetzung.

Keine verwertbaren Angaben machte der Mann zu möglichen Hintermännern. Die Zeitung habe er über einen Freund aus Köln erhalten, eine Reisegewerbekarte besitze er nicht. Ein Exemplar der Zeitschrift Strassenbildung″ liegt unserer Redaktion vor. Die abgedruckten Texte und Karikaturen sind offenbar willkürlich aus dem Internet zusammenkopiert, ein Impressum findet sich nicht und damit auch kein Hinweis auf den Herausgeber. Die Zeitschrift steht damit im krassen Gegensatz zur Osnabrücker Straßenzeitung Abseits″, die seit 25 Jahren so etwas wie eine Institution in der Stadt ist.

Die Richterin hatte nach der Beweisaufnahme keinen Zweifel an der Schuld des Mannes. Für ihn spreche lediglich, dass er in Deutschland noch nicht straffällig geworden sei. Seine Schuld sei dagegen durch die Zeugenaussagen zweifelsfrei bewiesen. Außerdem sei für ihn zu erkennen gewesen, dass sein Opfer aufgrund seiner geistigen Behinderung quasi hilflos sei. Von einem Geständnis sei nichts zu hören gewesen.

Zuvor hatte der Staatsanwalt den Mann eindrücklich gewarnt: Das, was Sie hier verkaufen wollen, erweckt nur den äußeren Anschein einer Zeitschrift. Ich kann Ihnen nur raten: Machen Sie das nicht weiter.″ Er mutmaßte, dass der 21-Jährige als Teil einer reisenden Bande agiert, von Stadt zu Stadt fährt und Straftaten begeht.

Dass Täter binnen weniger Stunden verurteilt werden, ist übrigens keine Seltenheit. Rund 180 Verfahren dieser Art gab es nach Auskunft von Oberstaatsanwalt Alexander Retemeyer in Osnabrück allein im vergangenen Jahr. Allerdings müssen bei diesen beschleunigten Strafverfahren bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. So darf der Beschuldigte über keinen festen Wohnsitz in Deutschland verfügen, der Sachverhalt muss einfach und die Beweislage klar sein. Insbesondere bei reisenden Tätern findet diese Verfahrensform immer öfter Anwendung.

Bildtexte:
Ein 21-Jähriger wurde am Mittwoch am Osnabrücker Amtsgericht im Schnellverfahren wegen Diebstahls verurteilt. Er hatte tags zuvor einen Behinderten in einem Schnellrestaurant bestohlen.
Die Strassenbildung″ hat mit seriösen Zeitungen wie der Abseits″ nichts zu tun. NOZ
Fotos:
Philipp Hülsmann
Autor:
Sebastian Philipp


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