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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Streit um neue Schule in der Altstadt
 
Ein Neubau, der die Altstadt verändert
Zwischenüberschrift:
Tauziehen um die Neue Schule / Stadtbaurat: Ich platze bald
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Im Herzen der Osnabrücker City soll eine neue Schule entstehen. Sie ist das Kernstück einer großen Schulreform. Doch nun droht das 20-Millionen-Projekt, das ein Stück der Altstadt verändern wird, ins Stocken zu geraten. Stadtbaurat Frank Otte und die Schulpolitikerinnen von CDU, SPD und Grünen liegen über Kreuz in der Frage, wie der Neubau in das Viertel zwischen Katharinenkirche, Nikolaizentrum und Rolandsmauer eingepasst wird. Otte favorisiert eine Variante, die Raum für zusätzlichen Wohnungsbau lässt. Die Neue Schule soll in diesem Sommer in Provisorien starten. Sie entsteht aus dem Zusammengehen der Möser-Realschule, der Hauptschule Innenstadt und der Förderschule an der Rolandsmauer. Ob der Neubau wie geplant bis Mitte 2024 fertig wird, ist fraglich.

Osnabrück Es ist eine echte Herausforderung: Drei etablierte Schulen zusammenführen, ein gemeinsames Schulgebäude mit Turnhalle und Schulhof errichten und das Ganze auch noch mitten in der City umsetzen. Kein Wunder, dass es Zoff gibt im Rathaus.

Das ist geplant. Im Juni 2019 hat der Rat nach fast zehnjähriger Vorarbeit und Diskussion den Schulentwicklungsplan für die Sekundarstufe I verabschiedet. Mit dem Beschluss verabschiedete sich die Stadt endgültig von der Hauptschule als Schulform und begann, alle Realschulen in Oberschulen umzuwandeln.

Höchste Priorität hat dabei die Gründung einer sogenannten Neuen Schule an der Hakenstraße mit dem Schwerpunkt berufliche Bildung. Drei Schulen gehen in dieser Neuen Schule auf: die Möser-Realschule an der Lotter Straße, die Hauptschule Innenstadt an der Hakenstraße und die Förderschule an der Rolandsmauer. Die Neugründung soll durch einen Neubau zementiert werden. Dazu stehen ausreichend Flächen an der Hakenstraße zur Verfügung. Die Kosten werden grob auf 20 Millionen Euro geschätzt.

Die Stadt will für das Projekt einen Ideen- und Realisierungswettbewerb starten. Betrachtet wird dabei auch das Gebäude des Gesundheitsamtes, das in der Bauphase provisorisch Schulklassen aufnehmen könnte. Das Gesundheitsamt von Stadt und Landkreis zieht in Kürze ins Kreishaus um. Offen ist, ob das Gebäude langfristig der Stadtverwaltung dienen oder dem Wohnungsbau weichen soll. Klar ist: Der Schulneubau wird dieses Viertel in zentraler Lage erheblich verändern.

Darum gibt es Streit. Die Frontlinie zieht sich zwischen Verwaltung und Politik. Anders gesagt: Die Leute vom Bau treffen auf Schulpolitikerinnen.

Stadtbaurat Frank Otte strebt einen einzigen Schulneubau auf dem freien Grundstück zwischen dem Fachgerichtszentrum und der Hauptschule Innenstadt an. Auf der anderen Seite der Hakenstraße (heute Förderschule an der Rolandsmauer und Gesundheitsamt) könnte eine Turnhalle entstehen. Bei diesem Konzept bliebe viel Platz für Wohnungsbau an einer sehr zentralen Stelle in der City, nur wenige Schritte vom Nikolaizentrum entfernt. Einen geteilten Neubau beiderseits der Hakenstraße hält Otte für falsch.

Die Schulpolitikerinnen von CDU, SPD und Grünen pochen darauf, dass die Schule im Zentrum aller Überlegungen stehen muss. Es dürfe beim Bau und beim Raumkonzept keine Kompromisse zugunsten des Wohnungsbaus geben. Die Vorschläge aus dem Bauamt gefährdeten das pädagogische Grundkonzept der Neuen Schule, glauben die Politikerinnen. Zu diesem Konzept gehören getrennte Bereiche für jüngere und ältere Schüler. Also: zwei Gebäude, zwei Schulhöfe.

Das steht zur Entscheidung an. Das Bauamt schlägt vor, einen zweigeteilten Wettbewerb in Gang zu setzen. In einem Realisierungswettbewerb sollen Architekten aufgerufen werden, konkrete und realisierbare Entwürfe für den Schulneubau einzureichen. In einem zusätzlichen Ideenwettbewerb soll es unverbindlich um die Frage gehen, wie auf den Restflächen Wohnungen entstehen könnten.

Otte besteht beim Schulbau auf klare Vorgaben für die Architekten, damit die Jury anschließend die Entwürfe nach gleichen Kriterien beurteilen und eine Entscheidung treffen kann. Die Schulpolitikerinnen fordern Priorität für den Schulbau, ohne die Architekten auf die Realisierung in einem Gebäude festzunageln. Sie wollen die Option offenhalten, die Neue Schule räumlich zu teilen.

Die Eskalation im Ausschuss. Frank Otte konnte in der Sitzung des Schulausschusses nur mühsam Fassung bewahren: Ich platze bald″, entfuhr es ihm, als er mit seinen Erklärungen nicht durchdrang. Er zeigte sich verwundert, dass der Bauverwaltung unterstellt wird, auf dem Niveau der Feuerzangenbowle zu sein″. Dass die Politikerinnen einen Änderungsantrag erst in der Sitzung vortrugen, ohne der Verwaltung zuvor die Möglichkeit zur Einsicht zu geben, sei unverschämt″, so Otte. Er zählte die Vorteile des Ein-Haus-Konzeptes auf: Der künftige Schulhof wäre deutlich größer, die Schüler müssten bei Raumwechseln nicht die Hakenstraße queren, eine hochattraktive Zentrumsfläche könnte für Wohnungsbau gewonnen werden.

CDU, SPD und Grüne hätten sich erst kurz vor der Sitzung auf eine gemeinsame Linie verständigt, sagte Petra Knabenschuh (CDU). Priorität habe für sie alle das pädagogische Konzept, was die drei Schulen erarbeitet haben. Das sehe unter anderem eine räumliche Trennung der Altersgruppen (Klassen 5 bis 7 sowie 8 bis 10) vor.

Und jetzt? Um den Zeitplan einzuhalten, soll der Rat in seiner Sitzung am Dienstag, 11. Februar, eine Entscheidung treffen. Die Fraktionen haben bis dahin Zeit, die Ausschreibungen für den Ideen- und Realisierungswettbewerb zu schärfen″, wie es Schuldezernent Wolfgang Beckermann in der Ausschusssitzung beschrieb. In diesem Sommer soll die Neue Schule starten, zunächst in Provisorien.

Bildtexte:
Auf dieser Fläche an der Hauptschule Innenstadt soll die Neue Schule entstehen.
Das Gesundheitsamt von Stadt und Landkreis zieht bald zum Kreishaus um. Unklar ist, ob das Haus für die Stadtverwaltung erhalten bleibt oder dem Wohnungsbau weicht.
Vorschlag der Verwaltung mit einem Schulgebäude. Der Anbau der Hauptschule soll abgerissen werden, was Platz für einen großen Schulhof schaffen würde.
Fotos:
Gert Westdörp
Grafik:
NOZ

Kommentar
Nicht unter Zeitdruck entscheiden

Eine große Schulreform, eine Neue Schule? Was war das noch gleich? Viele Osnabrücker, deren Kinder das schulpflichtige Alter hinter sich gelassen haben, werden kaum wahrgenommen haben, was die Schulpolitik im vergangenen Jahr Großes geschafft hat. Doch jetzt, wo ein Teil der Reform in Zement gegossen wird, werden die Auswirkungen für jeden Bürger sichtbar: Ein bisher vernachlässigter Teil der Altstadt verändert sein Gesicht.

Die Neue Schule ist für Kinder und Jugendliche, denen nicht alles zufliegt und die einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen. Daher stellt niemand infrage, dass sie ein optimales Lernumfeld vorfinden sollen. Auch das Bauamt nicht. Dessen Aufgabe ist es aber auch, das Gesamtensemble im Blick zu behalten. Wir bewegen uns hier, zwischen Katharinenkirche und Nikolaizentrum, schließlich auf städtebaulich empfindlichem Gebiet. Wenn der Stadtbaurat auch Wohnungsbau in einem Teil des Gebietes in Betracht zieht, ist das vernünftig und nachvollziehbar.

Die Ein-Haus-Variante oder eine zweigeteilte Schule? Angesichts der herausragenden Bedeutung dieses 20-Millionen-Projektes sollte die Stadt sich nicht unter Zeitdruck setzen, sondern beide Modelle gründlich prüfen und zu Ende denken. Der ehrgeizige Zeitplan wäre dann zwar nicht mehr zu halten, aber die Folgen wären gewiss zu verkraften. Die ohnehin geplanten Provisorien müssten dann eben ein oder zwei Jahre länger halten.

w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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