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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Schäden nach Sprengung im Heger Holz
 
Bombensplitter kracht auf Dach in Eversburg
Zwischenüberschrift:
Einschlag kurz nach Blindgänger-Sprengung / Haus liegt deutlich außerhalb des Evakuierungsgebiets
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Rund sechs Zentimeter breit, neun Zentimeter lang und 300 Gramm schwer ist das Metallstück, dass am Donnerstag scheppernd auf einem Hausdach im Baugebiet In der Marsch″ in Eversburg gelandet ist rund 1, 7 Kilometer entfernt von jenem Ort im Heger Holz, an dem Sprengmeister Michael Crölle einen nicht zu entschärfenden Bombenblindgänger kontrolliert sprengte. Vier Dachpfannen seien bei dem Einschlag zu Bruch gegangen, sagt der betroffene Osnabrücker, der davon ausgeht, dass das Metallteil von der Sprengung stammt. Dies zeige auch, wie wichtig eine entsprechend große Sicherheitszone sei.

Auch bei einigen Gartenhäusern einer nahe liegenden Kleingartenanlage gingen Scheiben zu Bruch. Die Rechtslage ist klar: Auf den Schäden bleiben die Eigentümer sitzen.

Osnabrück Zwar sind Bombenräumungen in Osnabrück mittlerweile schon Routine, und auch kontrollierte Sprengungen gibt es dabei immer wieder. Doch harmlos sind sie auf keinen Fall. Dies zeigt ein Blick auf die Schäden, die durch die Explosion am vergangenen Donnerstag im Heger Holz entstanden sind einer davon deutlich außerhalb des Evakuierungsgebietes.

Der Bombenblindgänger, den Sprengmeister Michael Crölle freilegte, hatte nicht entschärft werden können. Das wäre zu riskant gewesen, oder, wie Crölle es ausdrückte: Da war Gefahr in Verzug.″ Also blieb nur eine kontrollierte Detonation des Sprengkörpers.

Sowohl in deren Vorfeld als auch bei der eigentlichen Sprengung haben der niedersächsische Kampfmittelbeseitigungsdienst (KBD) und die Stadt Osnabrück versucht, den Schaden ebenso wie die Beeinträchtigungen für die betroffenen Anwohner so gering wie möglich zu halten. Dennoch war das Schadensbild nicht ohne″, wie Ordnungsamtsleiter Jürgen Wiethäuper im Rückblick resümiert.

Der bisher ungewöhnlichste gemeldete Schaden befindet sich sogar deutlich außerhalb des Evakuierungsgebietes vom Donnerstag. Er entstand rund 1, 7 Kilometer von der Sprengung entfernt im Baugebiet In der Marsch″ im Stadtteil Eversburg. Eine Mieterin hat es kurz nach der Sprengung ganz fürchterlich auf dem Dach scheppern und knallen hören″, berichtet ein Osnabrücker. Dort hat es vier Dachpfannen erwischt.″

Glück gehabt

Gemeinsam mit einem Dachdecker und einem Feuerwehrmann entdeckte der Hausbesitzer als Ursache für den Schaden ein Metallstück: Das ist rund sechs Zentimeter breit, neun Zentimeter lang und 300 Gramm schwer″, so der Osnabrücker. Sein Fazit: Diesmal ist alles glimpflich abgegangen. Aber hätte das jemand auf der Straße erwischt, wäre der mausetot.″

Der Eversburger ging sofort davon aus, dass das Metallteil von der Sprengung stammt und er sollte recht behalten. Daran sieht man, dass die Evakuierung ihre Berechtigung hat″, sagt der Mann, der auch mit Jürgen Wiethäuper Kontakt aufgenommen hat, der allen Hinweisen zu entstandenen Schäden nachgeht und mittlerweile bestätigen konnte, dass das in Eversburg gelandete Trümmerstück im direkten Zusammenhang mit der Räumung im Heger Holz steht.

Diese Informationen helfen uns beim nächsten Mal. Möglicherweise müssen wir noch etwas mehr Sicherheit schaffen″, stellt Wiethäuper fest. Mit Blick auf die durch die Sprengung verursachten Schäden fügt er hinzu: Damit hat sich auch die Argumentation erledigt, im Wald müsse man nichts tun, dort störe die Bombe ja nicht.″ Denn bei einer durchaus möglichen Selbstdetonation oder einer durch Waldarbeiten ausgelösten Detonation und somit einer Explosion ohne vorherige Schutzmaßnahmen wären die Schäden weitaus schlimmer gewesen.

Der Blindgänger lag im Heger Holz. Das gehört der Heger Laischaft. Der Traditionsverein bat darum, die ökologischen Folgen der Aktion so gering wie möglich zu halten, sprich, so wenig Bäume wie möglich zu fällen. Deshalb wurde ein Weg in den angrenzenden Kleingärten verlängert. Und sowohl der Kleingartenverein als auch die Pächterin einer Parzelle ließen sich auf eine Vereinbarung ein: Wenn sie nicht für die Kosten der Wiederherstellung aufkommen müssten, dürfe der Weg für die Einsatzkräfte und den KBD durch ihren Kleingarten führen. Das war allen anderen die Sache wert: Wir hätten sonst das Drei- bis Vierfache an Bäumen fällen müssen, und der Weg durch den Wald wäre auch länger gewesen″, berichtet Wiethäuper.

Während die Pächterin des Kleingartens, durch den der Weg zum Sprengkörper führte, aufgrund der besonderen Vereinbarungen nicht für den Rückbau des Weges aufkommen muss, gilt für alle anderen: Die, die in solchen Fällen einen Schaden erlitten haben, müssen ebenso wie bei einer Selbstdetonation eines Blindgängers selbst dafür aufkommen″, sagt Wiethäuper. Diese Rechtslage gelte bundesweit. Allerdings hätten neuere Gebäudeversicherungen in der Regel einen Passus, dass sie auch für solche Schäden aufkämen.

Betroffene zahlen selbst

Nicolai Belov geht allerdings davon aus, dass er auf seinem Schaden sitzen bleibt: Er gehört zu einer Reihe von Kleingärtnern, bei denen Fensterscheiben ihrer Gartenhäuser durch die Druckwelle zerborsten sind. Mein Garten liegt circa 100 Meter vom Fundort entfernt, damit habe ich von Anfang an gerechnet″, so Belov: Da kann man nichts machen.″ Er war mit seinen Eltern gekommen, um aufzuräumen. Ein wenig ärgert es ihn schon, dass er den Schaden selbst bezahlen muss: Bei uns war gerade erst eingebrochen worden, und jetzt sind schon wieder die Scheiben dran.″

Um die Wucht der Detonation abzumildern, hatten das Technische Hilfswerk (THW) und die Feuerwehr vor der Bombenräumung unter anderem vier sogenannte Wechselbrücken zum Bombenfundort gebracht. Dort wurden jeweils zwei der Container übereinander und die beiden Paare über Eck zueinander aufgestellt. Vor der Sprengung füllten die Einsatzkräfte darin platzierte Wasserkissen, ein weiteres lag über dem Fundort des Sprengkörpers.

Jedes Container-Paar wog mit den gefüllten Wasserkissen 40 Tonnen. Dennoch wurden sie durch die Sprengung jeweils um ein, zwei Meter versetzt″, beschrieb Wiethäuper die Wucht der Detonation: Danach klaffte eine einen halben Meter große Lücke zwischen den Container-Paaren.″ Außerdem waren diese sehr verbeult und ihre Nähte teilweise aufgeplatzt. Wir haben die Container das erste Mal wirklich als Dämmung genutzt. Sie haben ihren Zweck 100-prozentig erfüllt″, so der Ordnungsamtsleiter. Noch am Abend nach der Sprengung zerschnitt das THW die Container und brachte sie weg. Zudem sicherten die Einsatzkräfte den Krater und seine Umgebung mit einem Bauzaun ab.

Bildtext:
Rund sechs Zentimeter breit, neun Zentimeter lang und 300 Gramm schwer ist der Bombensplitter, der am vergangenen Donnerstag auf ein Dach in Eversburg krachte. Es blieb bei einem Sachschaden.
Fotos:
David Ebener, Claudia Sarrazin, THW Osnabrück/ Michael Schott

Kommentar
Koste es, was es wolle

Möglicherweise müssen wir noch etwas mehr Sicherheit schaffen″, sagt der Osnabrücker Ordnungsamtsleiter im Hinblick auf das scharfkantige Stück Metall, das weit außerhalb des Evakuierungsgebiets mit einem lauten Knall auf einem Dach in Eversburg eingeschlagen ist.

Was das genau heißt, wird sich zeigen. Aber es ist wohl nicht ausgeschlossen, dass bei künftigen Evakuierungen die zu räumenden Gebiete noch einmal größer ausfallen als bisher. Noch mehr Bürger müssten dann ihre Häuser verlassen, noch mehr Unternehmen eine Zwangspause einlegen. Noch häufiger würden auch sensible Einrichtungen wie Krankenhäuser oder Pflegeheime nicht ausgespart werden können. Und noch öfter müssten neuralgische Punkte wie Autobahnen oder überregionale Bahnstrecken gesperrt werden.

Für alle Betroffenen ist eine Evakuierung fraglos eine Zumutung. Aber die Verantwortlichen haben keine Wahl. Nicht einfach darauf zu vertrauen, dass schon nichts passieren wird, hat nichts mit dem bisweilen überspannten Sicherheitsdenken unserer Zeit zu tun. Diese Gefahr ist nicht bloß eine theoretische. Sie ist sehr real. Und jeder Bürger hat einen Anspruch, vor ihr geschützt zu werden und sei es gegen seinen Willen.

Wenn nicht irgendwann eine Selbstdetonation verheerende Schäden anrichten und schlimmstenfalls Menschenleben kosten soll, muss die Stadt weiter nach Blindgängern suchen. Und wenn sie einen entdeckt, muss sie ihn unter größtmöglichen Sicherheitsvorkehrungen unschädlich machen. Koste es, was es wolle: Zeit, Geld und Nerven. a.koehler@ noz.de
Autor:
Claudia Sarrazin


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