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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Explosion mit enormer Wucht
Zwischenüberschrift:
Warum der Blindgänger in Osnabrück gesprengt werden musste
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Mehr als 2200 Menschen haben am Donnerstag ihre Häuser verlassen müssen: Im Heger Holz legte der Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Niedersachsen (KBD) in rund 2, 50 Meter Tiefe eine britische Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg frei. Da diese einen chemischen Langzeitzünder hatte, war eine Entschärfung zu gefährlich. Der Blindgänger wurde kontrolliert gesprengt.

In einem rund 1000 Meter großen Radius um den Fundort des Blindgängers mussten die Anwohner am Donnerstag ihre Häuser bis 9 Uhr verlassen. Danach kontrollierten 60 bis 70 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW), Polizei und Ordnungsamt, ob auch wirklich alle Anwohner der Anweisung Folge geleistet hatten.

Ab 11 Uhr konnte Sprengmeister Michael Crölle den Sprengkörper freilegen. Zuvor antwortete er auf die Frage, was die größte Herausforderung seiner Arbeit sei: Das ist immer die Bestimmung des Zünders.″ Und Thomas Bleicher, Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes, erklärte: Wenn es sich heute um ein chemisch unterstütztes Zündsystem handelt, ist das Restrisiko sehr hoch.″ In diesem Falle würde der KBD von einer manuellen und auch von einer Fernentschärfung absehen und das Kampfmittel vor Ort sprengen.

Während die Männer vom KBD den Blindgänger freilegten, war Günter Wolff einer der wenigen betroffenen Anwohner, die ins Evakuierungszentrum im Jugendzentrum an der Lerchenstraße gekommen waren: Wir haben zwar mit wenigen Menschen gerechnet, aber mit so wenigen nun auch nicht″, sagte Jürgen Wiethäuper vom städtischen Fachbereich Bürger und Ordnung, der die Evakuierung betreute. Wolff hatte zuvor Einkäufe und Besorgungen erledigt und wollte ursprünglich anschließend in einem Möbelhaus Kaffee trinken und etwas bummeln. Aber da bekomme ich ja nicht mit, wann alles vorbei ist″, erklärt Wolff, warum er sich dann doch umentschieden hatte.

Derweil konnten der Sprengmeister und sein Team trotz Beschädigung eindeutig erkennen, um was für einen Zünder es sich im Heger Holz handelte: einen Säurezünder. So einer ist federvorgespannt und kann bei einer Temperaturveränderung oder einer mechanischen Einwirkung selbst einer leichten selbstständig detonieren″, berichtete Crölle später, und Bleicher fügte hinzu: Aufgrund des Alterungsprozesses und der Auslöse-Situation des Zündsystems wussten wir nicht, in welchem Zustand sich der Zünder befand.″ Mit anderem Worten: Eine Entschärfung wäre zu gefährlich gewesen.

Die Entscheidung, dass gesprengt werden muss, ist gefallen, nachdem wir den Zünder identifiziert hatten. Da haben wir gar nicht lange überlegt. Denn es war Gefahr im Verzug″, so Crölle. Alles, was an Personal vor Ort war, haben wir weggeschickt.″ Von diesem Moment an arbeiteten nur noch der Sprengmeister und zwei seiner Kollegen am Fundort des 250-Kilo-Sprengkörpers.

Um die in der Nähe gelegene Paracelsus-Klinik zu schützen, hatte der KBD gemeinsam mit den Einsatzkräften von Feuerwehr und THW bereits in den Tagen vor der Bombenräumung vier Container aufgebaut. Diese schirmten die Fundstelle in Richtung Krankenhaus ab. Mit jeweils 23 Kubikmeter Wasser gefüllte Kissen in den Containern sowie eines auf dem Schacht des Blindgängers sorgten zusätzlich dafür, dass die Detonation des Blindgängers möglichst gerade nach oben gelenkt und die Druckwelle gedämpft wurde.

Das Team vom KBD war mit dem Ergebnis zufrieden. Die starken Verformungen der Container sowie die durch umherfliegende Splitter entstandenen Schäden an Bäumen im Umfeld sowie die zerborstenen Glasscheiben in den Gartenlauben in der Nähe dokumentierten jedoch die Wucht der Explosion.

Der Gesamteinsatz ist hervorragend gelaufen. Wir haben eine super Unterstützung durch die Feuerwehr, das THW und alle anderen Hilfskräfte erfahren, sodass wir jetzt den Tag mit Sonnenuntergang erfolgreich beenden können″, resümierte Bleicher, der sich nach getaner Arbeit mit Crölle und seinem Team zurück auf den Weg nach Hannover machte. Für 35 Einsatzkräfte von Feuerwehr und THW war jedoch noch lange kein Feierabend. Sie mussten den Ort der kontrollierten Sprengung noch aufräumen und den Explosionskrater sichern.

Bildtexte:
Nach dessen Sprengung erinnern an den Blindgänger nur noch ein relativ kleiner Krater, viel Wasser und Matsch sowie verbeulte Container.
Im Einsatz waren rund 60 bis 70 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW), Polizei und der Stadt.
Kontrolle im Evakuierungsgebiet: Sind die Anwohner raus?
Sprengmeister Michael Crölle (links) und Thomas Bleicher, Leiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes.
Ein Rollstuhlfahrer wird aus dem Evakuierungsbereich gebracht.
Container haben die Wucht der Explosion abgefangen.
Die Einsatzkräfte beobachten.
Die Einsatzkräfte des THW.
Fotos:
Jörn Martens, Sarrazin
Autor:
Claudia Sarrazin


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