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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Millionen für eine „Mobilitätsgarantie″
 
40 Millionen Euro für die Verkehrswende
Zwischenüberschrift:
Wie das Modellprojekt „Mobilitätsgarantie für alle″ im Osnabrücker Land finanziert werden soll
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Landrätin Anna Kebschull will im Osnabrücker Land die Verkehrswende schaffen und mit unserer Modellregion deutschlandweit Pionierarbeit leisten. Die Kosten für das Projekt Mobilitätsgarantie für alle″ beziffert der Landkreis auf 30 bis 40 Millionen Euro.

Osnabrück Landrätin Anna Kebschull (Grüne) hat ein Konzept vorgestellt, das offenbar das Herzstück ihrer Amtsperiode darstellen wird. Sie nennt das Projekt Modellregion Naturmetropole Osnabrücker Land Mobilitätsgarantie für alle″. Die Gesamtkosten bis zum Jahr 2024 sollen 30 bis 40 Millionen Euro betragen. Wie die Landrätin die Finanzierung des Großprojekts plant.

Erstmals stellte Kebschull ihr Konzept der Kreispolitik in einem nicht öffentlichen Strategieworkshop″ vor. Die Landrätin ließ danach per Pressemitteilung verbreiten, dass Mobilität nachhaltig, flächendeckend, für jedermann zugänglich und dauerhaft verfügbar sein müsse″. In der Mitteilung wird sie zitiert: Wir brauchen eine echte Alternative zum motorisierten Individualverkehr auch im ländlichen Raum.″ Gemeinde- und Kreisgrenzen dürften keine Barriere in der öffentlichen Mobilität darstellen. Dabei stellte sie heraus: Wir wollen das gesamte Osnabrücker Land als Modellregion etablieren und damit auch deutschlandweit Pionierarbeit leisten.″

Wie sollen Städte, Gemeinden, Wirtschaft und Bürger beteiligt werden? Gemeinsam mit den kreisangehörigen Städten und Gemeinden, den örtlichen Verkehrsunternehmen, der Planos, den Wirtschaftsunternehmen und den Bürgern solle dieses Modellprojekt geplant werden. Auch die Stadt Osnabrück soll eingebunden werden. Sobald entsprechende Fördergelder akquiriert sind, soll im ersten Schritt über ein Jahr ein breit angelegter Beteiligungsprozess für eine Bedarfs- und Erwartungsanalyse durchgeführt werden. Die prognostizierten Kosten dafür werden auf 1, 4 Millionen Euro beziffert.

Wie sieht das flächendeckende Mobilitätsangebot aus? Das neue Mobilitätsangebot soll sich aus einem Hauptnetz aus Schnellbussen und dem Schienennahverkehr zusammensetzen, welches um ein Regiobus-Netz ergänzt werde. Um ein flächendeckendes Angebot zu erreichen, soll auf der untersten Ebene ein flexibles Angebot aus Bürgerbussen, Anrufbussen, Carsharing und Fahrrad-Sharing-Angeboten aufgebaut werden. Auch sogenannte On-Demand-Angebote″ sollen geschaffen werden. In der Praxis könnte das bedeuten, dass über Anforderung per App auf dem Smartphone ein Bus bestellt wird. So könnten entlegene Bereiche, in denen kein Linienbus fährt, erschlossen werden. In Köln etwa gibt es zu einem solchen On-Demand-Verkehr″ mit Kleinbussen bereits ein Pilotprojekt. Dabei werden Kleinbusse, die über keine festen Routen und Fahrpläne verfügen, je nach Bedarf eingesetzt. Wie konkret beispielsweise ein nachfrageorientierter Busverkehr im Landkreis aussehen könnte, ist in dem Konzept allerdings noch nicht beschrieben. Insgesamt sollen die Takt- und Fahrzeiten so stark ausgebaut werden, dass von früh bis spät ein Angebot besteht. So stellt sich Kebschull die verlässliche Alternative zum Auto vor.

Wie soll Mobilität für alle garantiert werden? In dem ersten Entwurf zur sogenannten Mobilitätsgarantie für alle″, der unserer Redaktion vorliegt, ist von drei Phasen die Rede. Auf Basis der Bedarfsanalyse (Phase 1) und des Nahverkehrsplans für die Region sollen für die jeweiligen Anforderungen der 34 Kommunen im Landkreis maßgeschneiderte Angebotsformen entwickelt werden. Eine besondere Bedeutung habe dabei die enge Einbindung der Stadt Osnabrück. Gleichzeitig soll ein Konzept für Radverkehr und Mobilstationen mit Abstellmöglichkeiten für Autos und Fahrräder sowie Angeboten wie On-Demand-Verkehr″ geschaffen werden. Für diese Phase 2, die sich bis zum Jahr 2021 erstrecken soll, werden Gesamtkosten von 2, 2 Millionen Euro prognostiziert.

Wann beginnt die erste Ausbaustufe? In Phase 3 soll ab dem Jahr 2022 die erste Ausbaustufe beginnen. Das neue Nahverkehrsangebot soll drei Jahre erprobt werden. Dabei soll der Bus- und Bahnverkehr um flexible Angebote in den Städten, Gemeinden und Samtgemeinden des Landkreises ergänzt werden. Auch Radwege sollen ausgebaut und neue Radschnellwege geschaffen werden.

Bundesweiter Modellversuch im Osnabrücker Land? In dem Konzept zur Modellregion Naturmetropole Osnabrücker Land″ heißt es: Die Erkenntnisse aus dem Modellversuch können zahlreichen Regionen in Deutschland als Beispiel und Ratgeber für den Ausbau der Mobilitätsangebote dienen und so langwierige eigene Versuchsmuster ersparen.″ In dem Modellversuch sollen demnach Erkenntnisse für ganzheitliche Mobilitätsangebote in ganz Deutschland″ gewonnen werden. Geplant ist eine Übertragbarkeit der Bausteine und Erfahrungen aus dem Modellvorhaben. Die prognostizierten Gesamtkosten für Herstellung und den laufenden Betrieb beziffert der Landkreis auf 30 bis 40 Millionen Euro. Die Förderung bis 2024 soll als notwendige Anschubfinanzierung dienen, um die Konzepte zu erarbeiten und erste Maßnahmen einzuleiten. Finanzbedarfe von 2024 bis zum Jahr 2028 sollen aus dem bis dahin entwickelten Tarif- und Finanzierungsmodell″ finanziert werden.

Welchen Anteil tragen der Landkreis und die Kommunen? Auf Nachfrage unserer Redaktion, zu welchen Anteilen der Landkreis und die Kommunen des Landkreises an der Finanzierung beteiligt werden sollen, sagte Landkreis-Sprecher Henning Müller-Detert: Aktuell laufen Gespräche mit den Ministerien. Ziel ist es, entsprechende Fördertöpfe und Förderprogramme in den kommenden Monaten zu nutzen, um einen großen Teil der Finanzierung darstellen zu können.″ Erst auf Basis der aktuellen Projektbeschreibung könnten die Fördermittel überhaupt akquiriert werden.

Bildtext:
Das neue Mobilitätskonzept soll das Herzstück der Amtsperiode von Landrätin Anna Kebschull werden.
Foto:
Archiv/ Jörn Martens

Kommentar
Endlich der richtige Fokus

In den ersten beiden Monaten drohte die Landrätin sich zu verzetteln. Von Idealismus getrieben, legte sie sich unnötigerweise mit der regionalen Wirtschaft an und brachte beim Thema FMO-Finanzierung in der Dezember-Sitzung des Kreistags CDU, SPD, UWG, FDP und CDW gegen sich auf.

Ihr Wunsch, die Ausbauoptionen der Bahn als Alternativzubringer zu den internationalen Drehkreuzen Frankfurt und München zu prüfen″, war ohnehin überflüssig, weil sie als Landrätin darauf schlicht keinen Einfluss hat. Von ihrem Credo, in guten Gesprächen fraktionsübergreifend zu guten Lösungen zu kommen, war bei der hitzigen Kreistagsdebatte auch durch ihre Forderung, dass sich der Landkreis Osnabrück letztmalig an der Finanzierung des FMO beteiligt nicht mehr viel zu spüren. Unnötig war zudem, sich beim Thema A 33-Nord aufzureiben, denn der Lückenschluss zur A 1 ist bereits im Planfeststellungsverfahren und kann nur noch durch eine Klage gestoppt werden.

Nun ist dieses maßgeblich von der Landrätin initiierte Modellprojekt zur Verkehrswende die Chance, die Stimmung wieder zu ihren Gunsten zu drehen. Mit diesem ersten Entwurf für ein Mobilitätskonzept treibt sie die Verkehrswende voran. Wenn sie und ihr Team es wirklich schaffen, in Berlin die dringend benötigten Fördermittel zu akquirieren, wäre das ein großer Schritt für das gesamte Osnabrücker Land.

j.fays@ noz.de
Autor:
Jean-Charles Fays


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