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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Im Alter von vier Jahren ermordet
Zwischenüberschrift:
Ein Stolperstein erinnert an Harald Fritz Fleddermann
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Lungenentzündung so lautete die offizielle Todesursache. Doch die Prognose bei seiner Einlieferung in die Landesheil-und Pflegeanstalt Lüneburg kam einem Todesurteil gleich. Ärzte notierten: nicht günstig, tiefstehender Junge, keine Reaktionen bei Anrede, völlig unselbständig″. Harald Fritz Fleddermann war vier Jahre alt, als er 1945 in der sogenannten Kinderfachabteilung der Anstalt sterben musste. Jetzt erinnert ein Stolperstein an ihn.

Alles deutet auf Mord hin wie in etwa 350 weiteren Fällen, in denen Kinder mit Behinderungen in der damaligen Landesheilanstalt in Lüneburg im Schatten des Zweiten Weltkriegs ums Leben gekommen sind. Harald Fritz Fleddermann wurde 1940 in Osnabrück geboren und lebte bei seiner Mutter Agnes an der damaligen Johannismauer, dem heutigen Johannistorwall 19 an der Ecke zur Kommenderiestraße.
Dort versammelten sich jetzt 15 Schüler der neunten Realschulklasse aus der Thomas-Morus-Schule. Während Gunter Demnig den Stolperstein in den Bürgersteig verlegte, zündeten sie Kerzen an. Sie und ihr Lehrer Felix Trentmann hatten sich im Unterricht mit dem Schicksal von Harald Fritz Fleddermann beschäftigt und trugen nun ihre Gedanken über den kleinen Jungen vor, der von der Mutter getrennt und in eine andere Stadt gebracht wurde. Jeder sprach am Ende seines Vortrags den Satz: Er wurde im Alter von vier Jahren ermordet, nur weil er behindert war.″
Ein Schüler sagte: Für Harald kam das Grundgesetz vier Jahre zu spät.″ Damit meinte er den ersten Artikel, der von der Würde des Menschen handelt. Sie war während des Nationalsozialismus einer Ideologie gewichen, die Leben in wert″ und unwert″ unterschied. Der Mord an Menschen mit Behinderungen wurde als Euthanasie (Sterbehilfe) bezeichnet. Für die Kinder-Aktion″ erteilte ein Reichsausschuss in Berlin den Anstalten in ganz Deutschland eine Behandlungsermächtigung″, damit sie nach eigenem Ermessen über Leben und Tod entscheiden konnten. So beschreibt es der Historiker Dr. Raimond Reiter in seinem Aufsatz Opfer der NS-Psychiatrie aus Osnabrück″ (Osnabrücker Mitteilungen 2010, Band 115). Die Mordinstrumente waren danach Überdosierungen von Medikamenten wie Morphium und Luminal, Entzug von wichtigen Medikamenten und von Nahrung.

Bildtext:
Trennung von der Mutter, Tod in einer Anstalt: Harald Fritz Fleddermann lebte in seinen ersten Lebensjahren am heutigen Johannistorwall. Alles deutet auf Mord hin: Die Behinderung des Vierjährigen war sein Todesurteil.
Fotos:
Egmont Seiler

Stolpersteine
Die in den Gehwegen verlegten Stolpersteine aus Messing erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn-oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts, dem sich bisher etwa 600 Kommunen angeschlossen haben: außer in Deutschland auch in Ländern wie Österreich, Ungarn, Italien, Tschechien, Polen, Belgien, Norwegen, den Niederlanden und in der Ukraine. Demnig kam jetzt nach Osnabrück, um das kleine Denkmal für Harald Fritz Fleddermann am heutigen Johannistorwall zu verlegen. Patin des Stolpersteins für den Jungen ist die Thomas-Morus-Schule. Das Büro für Friedenskultur (Telefon 05 41/ 323-22 87) nimmt für künftige Stolpersteine Hinweise von Zeitzeugen über das Schicksal von Opfern des NS-Regimes entgegen.
Autor:
Jann Weber


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