User Online: 1 | Timeout: 07:40Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Neue Runde im Poker um den Neumarkt
 
Fünf Lügen in einer Antwort?
Zwischenüberschrift:
CDU-Chef fordert Manager des Centerinvestors heraus
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Das Gerangel um den Neumarkt erreicht eine neue, groteske Stufe: Die Stadt wird voraussichtlich noch in diesem Monat der Center-Gesellschaft Neumarkt 14 GmbH die Baugenehmigung für das Einkaufszentrum erteilen dem Einkaufszentrum, das gar nicht gebaut werden soll. Das bestätigte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert auf Anfrage. Die Stadt versucht damit, den Hauptinvestor Unibail Rodamco Westfield unter Zeitdruck zu setzen. Der fanzösische Konzern hatte im Juni den Verzicht auf das Projekt erklärt, den Bauantrag aber aufrechterhalten. Hintergrund dürfte sein, dass sich die Gesellschafter der Neumarkt 14 nicht einig sind. Dass der Ton rauer wird, zeigt auch die Handgiftenrede von CDU-Chef Fritz Brickwedde, der einen Unibail-Manager der mehrfachen Lüge bezichtigt.

Osnabrück Der Ton wird rauer: CDU-Chef Fritz Brickwedde bezichtigt einen Manager von Center-Investor Unibail Rodamco Westfield (URW) der fünffachen Lüge. Und welches Spiel wird da mit der Baugenehmigung gespielt für ein Center, das gar nicht gebaut wird?

Warum der Investor den Bauantrag nicht zurückgezogen hat. Die Situation ist skurril: Der französische Konzern Unibail Rodamaco Westfield (URW) hat im Juni 2019 öffentlich erklärt, auf den Bau eines Einkaufszentrums am Osnabrücker Neumarkt zu verzichten. Der Bauantrag für das 175-Millionen-Projekt wurde aber nicht zurückgezogen. Jetzt ist der Antrag entscheidungsreif: Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) bestätigte auf Anfrage unserer Redaktion, dass die Baugenehmigung voraussichtlich noch in diesem Monat erteilt wird. Der Antragsteller müsse nur noch eine Unterschrift zu einem Detail nachliefern. Das Fehlen der Unterschrift habe die Center-Gesellschaft mit den Feiertagen begründet.

Den Bauantrag gestellt hat die Neumarkt 14 Projekt GmbH & Co. KG. Hauptgesellschafter ist URW, Mitgesellschafter der Osnabrücker Immobilienkaufmann Theodor Bergmann. Die beiden Gesellschafter sind sich über den Kurs nicht einig: Als URW das Aus für das Einkaufszentrum erklärte, empfand Bergmann das wörtlich als Schlag in die Fresse aller, die sich für das Projekt starkgemacht haben″. Inzwischen hat es ein Gespräch zwischen Bergmann und dem Unibail-Management gegeben formell war es eine Gesellschafterversammlung. Über die Inhalte habe man Stillschweigen vereinbart, sagte Bergmann auf Anfrage.

Warum die Stadt ein Interesse hat, die Baugenehmigung zu erteilen. Sobald die Baugenehmigung vorliegt, greifen die Fristen, die im Durchführungsvertrag zwischen der Neumarkt 14 GmbH und der Stadt vereinbart wurden. Der Investor ist verpflichtet, binnen sechs Monaten mit dem Bau des Einkaufszentrums zu beginnen und dieses spätestens nach drei Jahren fertigzustellen. Hält der Investor das nicht ein, kann die Stadt den Durchführungsvertrag entschädigungsfrei aufheben.

Im Hintergrund verhandeln Stadt und URW über einen Verkauf des 1, 7 Hektar großen Center-Areals. Allerdings lagen die Preisvorstellungen zuletzt weit auseinander. URW legt einen Buchwert von angeblich 40 Millionen Euro zugrunde, Immobilienexperten schätzen den Marktwert auf weniger als 20 Millionen Euro.

Und parallel dazu hat die Stadt die Änderung des Bebauungsplans in Gang gesetzt. Der bestehende, vorhabenbezogene B-Plan Nr. 650 sieht den Bau des Centers vor. Der neue B-Plan Nr. 651 zielt auf eine gemischte Nutzung mit Wohnungen, Gewerbe und Kultur ab.

Wie der CDU-Chef dazu kommt, einen Manager der Lüge zu bezichtigen. Große Teile der Osnabrücker Politik haben das Vertrauen zum URW-Management komplett verloren. Sehr deutlich machte das am vergangenen Dienstag CDU-Fraktionschef Fritz Brickwedde in seiner Rede zum Handgiftentag. Vor der versammelten Honoratiorenschaft der Stadt äußerte er seine Vermutung, dass URW-Manager Dirk Hünerbein die Öffentlichkeit über die Situation in Osnabrück belüge.

Brickwedde zitierte aus einem Interview, dass Hünerbein (Directer of Developement Germany) der Zeitschrift German Council Magazin″ (5/ 2019) gegeben hatte. Im Mittelpunkt des Interviews steht das Überseequartier in Hamburg, in das URW mehr als eine Milliarde Euro investiert. Am Ende fragt die Redakteurin der Fachzeitschrift für Handelsimmobilien nach der Lage in Osnabrück.

Hünerbein bescheinigt Osnabrück eine nach wie vor überregionale Strahlkraft″. Weiter antwortet er: Der Einzelhandel hat überaus positiv auf unseren Projektansatz reagiert. Das ist nicht der Grund, warum wir unseren Zeitplan geändert haben. Der einzige Grund sind die hohen Baupreise und die Nichtverfügbarkeit an Baufirmen vor Ort oder in der Region. Wann und in welcher Form wir das Projekt realisieren, werden wir zu einem späteren Zeitpunkt ankündigen.″

Brickwedde sagte in seiner Handgiftenrede: Ich vermute, dass in dieser Aussage bis zu fünf Unwahrheiten enthalten sind. Wir sollten uns deshalb gegenüber URW klar positionieren und bei der nächsten Jahrestagung des Deutschen Städtetages klarmachen: URW ist kein seriöser Partner für deutsche Großstädte. Bei diesem Konzern ist Vorsicht geboten. Es besteht massive Gefahr, mit unwahren Angaben getäuscht und hintergangen zu werden.″ Der Plan B für den Neumarkt müsse 2020 seinen Anfang nehmen, damit der städtebauliche Schandfleck am Neumarkt beseitigt wird und Zukunftsträchtiges entstehen kann mit Wohnungen und Kultur, Dienstleistung und Handel und einer Ausstrahlungskraft″, so Brickwedde weiter.

Wie der Konzern auf den Lügen-Vorwurf reagiert. Die URW-Spitze wollte Brickweddes Attacke auf Nachfrage unserer Redaktion nicht kommentieren. Wir stehen nach wie vor im Austausch mit der Stadt und den beteiligten Akteuren. Sobald es etwas zu verkünden gibt, werden wir uns gerne melden″, teilte Unternehmenssprecher Julian Kalcher mit.

Bildtext:
Nein, es wird nicht großartig, es wird Stand jetzt erst einmal gar nichts mit dem geplanten Kaufhaus.
Foto:
Swaantje Hehmann

Kommentar
Die Rollenverteilung im Neumarkt-Poker

Beim Neumarkt-Poker liegen die ersten Einsätze auf dem Tisch, jetzt wird gezockt, geblufft, geschummelt. Da wir nicht mit am Tisch sitzen und nicht in die Karten schauen können: Spekulieren wir mal, was die Spieler auf der Hand haben.

Bei der Stadt scheinen die Rollen klar verteilt. CDU-Chef Brickwedde übernimmt die Aufgabe des bösen Buben, der mit seinen scharfen Worten den Ruf des URW-Konzern ankratzen und öffentlichen Druck erzeugen will. Die Rolle des Guten hat der Oberbürgermeister: Der muss schließlich mit den URW-Managern konstruktiv verhandeln und möglichst bald eine Einigung erzielen.

Und welche Rolle spielt Theodor Bergmann? Er ist der kleine Mann an der Seite des Weltkonzerns, der sich vom großen Partner übergangen fühlt und sich querstellt. Was führt er im Schilde? Hat er einen anderen Partner in der Hinterhand, der die URW-Anteile an der Neumarkt 14 Projekt GmbH übernehmen und neue Pläne für den Neumarkt entwickeln würde?

Mit der Erteilung der Phantom-Baugenehmigung für ein Center, das (nach aktuellem Stand) niemand bauen will, kann die Stadt nur milden Druck auf URW ausüben. Was soll schon passieren, wenn URW die Fristen verstreichen lässt? Dann ändert die Stadt den Bebauungsplan. Na und? Ohne im Besitz der Grundstücke zu sein, kann die Stadt am Neumarkt wohl nichts bewegen. Und das ist keine Spekulation. w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


Anfang der Liste Ende der Liste