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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Plan B: Neue Bremer Brücke in der Gartlage
Zwischenüberschrift:
Was geht am aktuellen Standort? / Warten auf die Gutachten / Gefahr für den grünen Finger
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Noch ist nicht mal entschieden, dass der VfL Osnabrück die Bremer Brücke aufgeben muss. Doch es gibt bereits Pläne über den Neubau eines Fußballstadions. Dort, wo der Zweitligist noch in diesem Jahr den ersten Spatenstich für ein Trainingszentrum setzen möchte, könnte auch eine neue Arena für die Profis entstehen: Es geht um das Gelände an und hinter der Halle Gartlage.

Die Diskussionen um die Modernisierung der Bremer Brücke und über einen Neubau haben durch den sportlichen Höhenflug bis in die 2. Bundesliga Brisanz und Aktualität bekommen.

Der Druck ist entstanden durch die Vorgaben der Deutschen Fußball-Liga (DFL), die im Auftrag der 36 Vereine der Bundesliga und der 2. Bundesliga den deutschen Ligafußball in den beiden Profiligen organisiert. Alle Bestimmungen und Voraussetzungen sind von denVereinen abgesegnet.

Als sich die Rückkehr des VfL Osnabrück in die 2. Bundesliga nach achtjähriger Abwesenheit abzeichnete, inspizierten die Experten der DFL schon früh die Bremer Brücke. Nach Aufstiegsfeier und Rathausempfang wurde schnell deutlich, welchen Modernisierungsstau es in der Arena aufzulösen gilt.

Mit einer vom Rat beschlossenen Zahlung von 3, 2 Millionen Euro stellte die Stadt die Mittel für die dringendsten Maßnahmen bereit, die bis zum Saisonstart erledigt wurden: Brandschutz, Stromversorgung, Glasfaseranbindung, Sicherheitstechnik, Medienarbeitsplätze 2, 8 Millionen Euro wurden dafür ausgegeben.

Wesentliche andere Vorgaben erfüllt der Aufsteiger nicht und bekam dennoch die Lizenz für die Saison 2019/ 20 in der 2. Bundesliga. Obwohl die vorgeschriebene Vollüberdachung aller Plätze nicht gegeben ist (750 Sitz- und 1000 Stehplätze sind nicht gedeckt), obwohl das Flutlicht nicht die geforderte Leistung hat (800 Lux statt 1200 Lux), und obwohl es keinen äußeren rundum befahrbaren Rettungsweg gibt.

Per Ausnahmegenehmigung erhielt der VfL die Lizenz, weil er der DFL nachwies, dass und wie die Auflagen künftig erfüllt werden können. Mit einer Machbarkeitsstudie sollte zunächst geprüft werden, was am aktuellen Standort möglich ist und parallel dazu musste der VfL alternative Lösungen und seine Planungsbereitschaft in Richtung eines Neubaus aufzeigen.

An der bautechnischen Prüfung wirkte der europaweit anerkannte Stadionarchitekt Dr. Stefan Nixdorf mit; der Osnabrücker arbeitet für die Generalplaner agn (Ibbenbüren), hat mehrere Stadionneubauten (u. a. Köln, Aachen, Mainz) geplant und war auch der Architekt der Nordtribüne.

Das Ergebnis der baulichen Möglichkeiten verkündete Geschäftsführer Jürgen Wehlend im November: Grundsätzlich kann die Bremer Brücke zweitligatauglich gemacht werden.″

Die dazugehörigen Pläne gehen von einem Neubau aller Tribünen mit Ausnahme der 2008 eingeweihten Nordtribüne aus. Es geht um die Erweiterung der Ostkurve (errichtet 1980/ 81) inklusive des Baues eines Fan-Treffs, den Umbau der Westkurve mit Sitzplätzen und Logen, den Neubau der Südtribüne (von 1974) und die Erneuerung des Gästebereichs.

Bis hierher: Alles möglich, wenngleich es auf der engen Fläche ohne Erweiterung durch Grundstückskäufe eine planerische und bauliche Herausforderung wäre. Die Probleme begännen mit dem zu erwartenden Wegfall des Bestandsschutzes, der einmal errichtete Gebäude nur so lange vor der Einhaltung neuer (meist verschärfter) gesetzlicher Vorgaben schützt, bis sie umgebaut oder neu errichtet werden.

Offen ist zudem, welche Ergebnisse die von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachten ergeben. Dabei wird geprüft, welche Folgen ein Umbau hätte für Verkehr, Sicherheit und Immission, also die Beeinträchtigung durch Licht und Lärm auf Anlieger sowie den Straßen- und Schienenverkehr. Laut Wehlend sollen die Erkenntnisse, die entscheidend sind für die weitere Entwicklung, bis Ende Januar 2020 vorliegen.

Erst dann kann Klarheit herrschen über den Weg, den der VfL und die Stadt einschlagen: Wenn ein Umbau der alten Bremer Brücke nicht möglich ist, muss ein neues Stadion her. Mit dieser Alternative hat der VfL gegenüber der DFL argumentieren müssen.

Ich wäre ein schlechter Präsident, wenn ich mich erst dann um Plan B kümmern würde, nachdem Plan A endgültig ausgeschlossen ist″, hatte Präsident Manfred Hülsmann im Sommer nach dem Aufstieg betont, als die Diskussionen aufkamen.

Der gut vernetzte Hülsmann machte sich auf die Suche nach möglichen Standorten und kam bald auf das Gelände auf der anderen Seite der Bahnstrecke nach Bremen, der das VfL-Stadion seinen Namen verdankt.

Nach Informationen unserer Redaktion handelt es sich um das Gelände nordwestlich des Bahndamms, das sich zwischen dem KME-Werk und dem Haster Weg erstreckt. Der größere Teil wird als Grünland, Acker oder Kleingarten genutzt. Etwa ein Drittel der Fläche ist bewaldet. Durch das Gebiet fließt der aufwendig revitalisierte Sandbach.

Das Areal gehört zum grünen Finger Gartlage, der wegen seiner Erholungsfunktion als schutzwürdig gilt und im Klimagutachten der Stadt von 2017 eine besondere Bedeutung zugeschrieben bekommen hat.

Der wesentliche Teil des Plangebiets befindet sich in den Händen einer Eigentümergemeinschaft. Die Eigentümer sind möglicherweise zum Verkauf bereit, wenn ihnen die Stadt eine Bedingung erfüllt: Die Freigabe der ebenfalls in ihrem Besitz befindlichen Eiswiesen östlich des Haster Weges zur Bebauung mit mehreren Hundert Wohnungen. Diese Pläne, die einen wichtigen Teil des grünen Fingers Gartlage zerstören würden, hatten schon vor Jahren für Kontroversen im Rat gesorgt.

Unabhängig von den Interessen des Umwelt- und Naturschutzes stoßen die Pläne bei VfL-Fans auf Widerstand. Die Initiative Mythos Bremer Brücke erhalten″ setzt sich dafür ein, das Stadion am aktuellen Standort zu belassen. Das ist, wie Hülsmann und Wehlend immer betonen, auch für die VfL-Führung die erste Wahl: Uns ist bewusst, welch hohes Gut wir damit in der Hand haben. Die Bremer Brücke ist für sehr viele Menschen ein Zuhause, eine Heimat.″

Von der Schreckensvision eines Stadions draußen auf der grünen Wiese″ wäre die Umsetzung der Gartlager Pläne immerhin weit entfernt. Der VfL bliebe in seinem Stadtteil und an der Bremer Brücke nur auf der anderen Seite der Bahn; außerdem würde mit dem Stadion in der Nachbarschaft von Trainings- und Nachwuchsleistungszentrum eine Heimat entstehen, von der der Verein immer geträumt hat, die er aber nie hatte.

Die Finanzierung eines Um- oder Neubaus ist für die Stadt mehr als nur eine Überlegung wert, wie Kämmerer Thomas Fillep mehrfach betont hat: Wenn die Politik entscheidet, dass es Profifußball in Osnabrück geben soll, dann muss die Stadt dafür die Infrastruktur für einen angemessenen Mietzins zur Verfügung stellen″.

Nach seiner Ansicht gehört ein Stadion, in dem nicht nur Fußball gespielt wird, sondern auch Konzerte stattfinden könnten, zu den positiven Standortfaktoren, genau wie das Theater″. Da Osnabrück konsequent seine Verschuldung zurückfahre, könne sich die Stadt grundsätzlich ein neues Stadion leisten. Das Vorhaben stehe unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Rats und der Kommunalaufsicht.

Bildtext:
Die Heimat des VfL im Herzen des Stadtteils Schinkel: das Stadion Bremer Brücke bei einem Flutlichtspiel.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Harald Pistorius, Rainer Lahmann-Lammert


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