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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Warum sich Klimaschutz für die Buchhandlung Wenner auch wirtschaftlich lohnt
Zwischenüberschrift:
Inhaber Jonas Wenner über die Hintergründe seiner ungewöhnlichen Aktion und seine persönlichen Lese-Vorlieben
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Das Osnabrücker Geschäft Bücher Wenner dokumentiert seit einiger Zeit seine Klimabilanz und legt sie für alle offen. Dass es sich dabei nicht zuletzt auch um eine PR-Aktion handelt, räumt Inhaber Jonas Wenner im Interview mit unserer Redaktion freimütig ein betont aber, dass weitaus mehr dahintersteckt als der bloße Versuch, umweltbewusste Neukunden zu gewinnen.

Herr Wenner, Sie bewerben Ihre Buchhandlung seit einiger Zeit als klimaneutral″. Was genau kann man sich darunter vorstellen? Das hat zwei Seiten. Zum einen wollen wir unsere CO2-Emissionen dokumentieren und damit unsere Klimabilanz als Buchhändler transparent machen. Zu unseren CO2-Ausstößen gehören unser Verbrauch an Strom und Gas, die Ressourcen, die bei der Buchproduktion anfallen, und auch der Arbeitsweg unserer Mitarbeiter sowie anderer Kleinkram. Rechnet man alles zusammen, stoßen wir etwas mehr als 200 Tonnen CO2 im Jahr aus. Dafür wollen wir ab jetzt immer zum Jahreswechsel eine Kompensation zahlen, die an soziale oder ökologische Projekte geht. Ungefähr 5000 Euro pro Jahr wird uns das kosten. Das ist der zweite Aspekt.

Warum machen Sie das? Wir wollen damit nicht belehren, sondern wir wollen uns an die eigene Nase fassen und als gutes Vorbild vorangehen. Und zum anderen möchte ich auch Energiekosten sparen. Denn wie alle wissen, wird Strom immer teurer, da ist Stromsparen schon aus betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll.

Ist das nicht nur ein PR-Trick, um auf den aktuellen Umwelt-Trend aufzuspringen? Ja, es wirkt sich auf das Image unseres Unternehmens aus, aber vor allem in Bezug auf unsere Mitarbeiter. Besonders unsere jüngeren Mitarbeiter haben gesagt, dass ihnen das Thema Umwelt sehr wichtig ist und sie ein ökologisches Verhalten auch von ihrem Arbeitgeber wünschen würden. Wenn man junge Menschen für sich und für eine Branche gewinnen will, in der nicht gerade fürstlich bezahlt wird, dann ist unser Engagement ein Vorteil gegenüber unseren Konkurrenten. Ich will als Arbeitgeber attraktiv sein, weil ich im ideellen Bereich etwas anbieten kann. An dieser Stelle muss man sich ein wenig Moral leisten können. Für den Kunden hat unsere Selbstverpflichtung, glaube ich, nicht so viel Wirkung. Dafür sind die 5000 Euro pro Jahr als Marketingaktion zu teuer. Das rechnet sich vielleicht im ersten Jahr, wenn wir Aufmerksamkeit bekommen. Aber danach wird sich das abnutzen.

Hoffen Sie, dass sich andere Unternehmen ein Beispiel an Ihnen nehmen? Ich denke, es wird irgendwann für kleinere und mittlere Unternehmen zum Standard, sich in der Umweltfrage zu positionieren. Man muss ja die großen Entwicklungen sehen. Robert Bosch will ab 2020 weltweit klimaneutral sein, Daimler hat die Entwicklung von Verbrennungsmotoren gestoppt. Die Autoindustrie stellt also massiv auf E-Mobilität um und investiert in diesen Bereich zig Milliarden Euro. Auch andere Unternehmen, die nicht aus einer grünen Ecke kommen, beteiligen sich. Die Bahn bietet zum Beispiel Ökostrom-Tarife an, die Post liefert mit GoGreen Briefe klimaneutral aus. Es ist keine esoterische Ökobewegung mehr. Umwelt ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Welche Bücher interessieren Sie persönlich am meisten? Ich lese eher historische und politische Sachbücher oder auch Biografien. Im Moment lese ich Von Zeit und Macht″ von Christopher Clark. Schon seine ersten Bücher, Preußen″ und Die Schlafwandler″, fand ich großartig. Oftmals frage ich meine Mitarbeiter, was sie mir empfehlen, und da habe ich bislang immer sehr gute Tipps bekommen. Ich mache es also so, wie ich es auch unseren Kunden rate. Gerade wenn man spezielle Interessen hat, kann eine Beratung durch den Buchhändler sehr hilfreich sein.

Hatten Sie denn schon immer ein Faible für Bücher? Zum Leidwesen meines Großvaters war ich als Kind nicht so buchbegeistert, wie er sich das gewünscht hat. Das kam bestimmt daher, weil es bei uns immer ein Überangebot gab. Was bekam man bei einem Buchhändler zu Weihnachten? Natürlich Bücher und ganz viele gute Ratschläge. Das führt vielleicht nicht dazu, dass man unheimlich gern und viel liest. Außerdem ist es ja auch schwierig, Jungs an Bücher heranzuführen.

Lesen aus eigenem Antrieb kam bei mir erst später. So richtig zum Lesen habe ich erst durch Tolkien gefunden. Noch bevor es die Kinofilme gab, habe ich den Hobbit″ und die Herr der Ringe″-Saga verschlungen. Und jetzt nutze ich das Lesen vor allem als Einschlafritual. Es ist einfach wesentlich entspannender, ein gedrucktes Buch vor dem Schlafen zu lesen, als noch auf dem Smartphone E-Mails zu checken. Man schläft so viel besser und ist morgens ausgeruhter.

Bildtext:
Jonas Wenner will mit gutem Beispiel vorangehen und erhofft sich davon auch positive wirtschaftliche Effekte für sein Geschäft.
Foto:
P. Hülsmann
Autor:
Benjamin Havermann


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