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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Warum der Kegelklub des Ema-Gymnasiums verboten war
Zwischenüberschrift:
Eine Osnabrücker Schülerverbindung: Vor 125 Jahren begannen die „Pumpianer″
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück In seinem Klub heißt Wilhelm Bosse Ossi″. Es handelt sich um einen Kegelklub, um den K. K. Pumpe″, der eng mit dem Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium verbunden ist, den es seit 125 Jahren gibt und der am Anfang verboten war.

1973 war Wilhelm Bosse in der elften Klasse, als einer seiner Lieblingslehrer, Hans-Ertmann Nicolaus, ihn und andere aufforderte: Kommt doch mal vorbei.″ Das tat Bosse. Er wurde Fux″, bestand nach einem Jahr die Prüfung zum Bursch″. Seit seinem Abitur 1975 ist er alter Herr″. Und er ist immer mal wieder dabei, wenn sich die heutigen Füchse und Burschen treffen. Auch seinem Namen Ossi″ ist er treu geblieben.

Pumpe so nennen Kegelfreunde einen Wurf, der danebengeht: Die Kugel verlässt die Bahn, bevor sie auf die Kegel trifft. Und so heißt auch eine Osnabrücker Schülerverbindung, die es seit 125 Jahren gibt. Das Kegeln war offenbar mehr Tarnung als Leidenschaft. Was verbirgt sich dahinter?

Heimlich gegründet

Wann immer sich die Pumpianer so nennen sich die Mitglieder des Kegelklubs K. K. Pumpe″ in einer Kegelbahn treffen: Der erste Wurf muss danebengehen. Überhaupt spielt der sportliche Ehrgeiz nicht die Hauptrolle. Uwe Mirtsch und Bodo Tiegel deuten in der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen, die nun also 25 Jahre alt ist, das eigentliche Motiv an: Es war einmal vor langer, langer Zeit, da trafen sich sieben wackere Schüler und beschlossen, regelmäßig in geselliger Runde zusammenzukommen. Als Ergebnis jenes Strebens gründeten sie eine Schülerverbindung, die zugleich Kegelklub sein sollte, den K. K. Pumpe.″

Es waren sieben Gründungsmitglieder, und nur einer von ihnen, Hermann Krochmann, war Osnabrücker. Die anderen sechs wohnten offenbar als Schüler in Pension bei Pflegeeltern, um das Osnabrücker Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium zu besuchen: Wilhelm Holsteins Familie lebte in Konstantinopel, die von Alexander Rigler in Bessarabien. Mathieu van Delden kam aus Gronau, Max Langensiepens aus Magdeburg-Buckau, Wilhelm Stroink aus Nordhorn und Franz Wieting aus Bremerhaven.

Die Autoren der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen des Klubs erwähnen, dass die Pflegeeltern einer strengen Aufsichtspflicht unterlagen und vermuten daher, dass der Wunsch der Schüler nach einem Freundschaftsbund, in dem sie unter sich sein konnten, umso größer war. Ihnen ging es um einen Bund, deren Mitglieder auch im späteren Leben zusammenhalten. Zu ihren Aufgaben erkoren sie gesellige Unterhaltung″ und Ausbildung im Kegelschieben″.

In den Karzer

Geheime Pennälerverbindungen waren im 19. Jahrhundert deutschlandweit bei Gymnasiasten beliebt. Aber die Erwachsenenwelt war besorgt, und Schulen verboten die Gruppen. Auch im Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium damals an der Lotter Straße mussten die Schüler ihre Verbindung geheim halten, denn bei der Aufdeckung drohte ihnen eine Art Haftstrafe im Karzer der Schule, einem Abstellraum unter dem Dach. 1896 wurden zwei Pumpianer wegen der Mitgliedschaft in der verbotenen Verbindung sogar der Schule verwiesen. Doch im Laufe der Jahre nahm die Toleranz zu: Das Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium duldete die Schülerverbindung und erkannte sie nach und nach sogar als Bestandteil des Hauses an. 1907 war zum ersten Mal ein Lehrer dabei und es ist offenbar gut gegangen. Aus der Zeit des Verbotes stammen die Decknamen, die Neuaufgenommene erhalten die Biernamen″. Es wurden Mensuren mit Spazierstöcken ausgefochten, und manche kamen verbläut″ nach Hause.

Die Pumpianer legten Wert auf Pünktlichkeit: Wer fünf Minuten zu spät erschien, musste fünf Pfennige Strafe zahlen. In den Statuten ist auch das geregelt: Es entscheidet die Uhr des Vorsitzenden.″ Als geschlossene Gesellschaft sahen sich die Pumpianer nicht: Es ist den Mitgliedern des Klubs gestattet, zu den einzelnen Zusammenkünften allgemein genehme Gäste einzuführen.″ Der Vorstand mit Präses, Schriftführer und Kassierer wurde jedes Jahr zu Beginn des Schuljahres neu gewählt.

Viele Jahre lang trafen sich die Pumpianer gerne in Haste bei Lesemanns Neschen, dem heutigen Gasthaus Osterhaus. 1904 lautete das Motto für eines der Treffen: Von Bier allein kann man nicht leben, es muss auch manchmal Bowle geben.″ Sie sangen und sie dichteten. Um auf dem Nachhauseweg herauszufinden, ob sie ihr Gleichgewicht noch halten konnten, gehörte ein Mauerlauf″ am Rande des Hofes Grothaus dazu. Einmal fiel einer herunter und brach sich ein Bein.

Protokollbuch

Dass solche Begebenheiten nicht in Vergessenheit geraten, liegt daran, dass die Pumpianer ihre Treffen dokumentieren. Das Protokollbuch – „ die Bibel″ ist bei den Treffen stets dabei. Auf vielen Seiten befinden sich auch spaßige Texte und Zeichnungen.

Während der Zeit des Nationalsozialismus ging der Pumpe offenbar der Nachwuchs aus, weil die jungen Leute vom Staat und der NSDAP vereinnahmt wurden. Die Pumpe verlegte sich mehr auf Sport und bezeichnete sich von 1934 an als Sport-Fechtklub. Die Altherren des Klubs, also die früheren Schüler, gründeten daher einen eigenen Kegelklub und setzten die eigentliche Tradition der Pumpe fort. Nach dem Zweiten Weltkrieg fand der Klub wieder zu seinen Wurzeln zurück und lebte wieder auf auch mit Unterstützung von Lehrern. Auf dem Programm standen wieder das Feiern, das Singen und das Dichten. Maibummel, Gesang, Weihnachtsfeiern, Stiftungsfeste, Grünkohlessen und Tanzveranstaltungen.

Und heute? Zehn aktive Mitglieder treffen sich an einem Freitag im Monat zur Kneiptafel″ in der Gaststätte Adlerhorst an der Lerchenstraße. Doch nicht alle haben das EMA-Gymnasium besucht. Diese Tradition ist aufgebrochen. Auch Seiteneinsteiger sind willkommen. Und die Pumpianer diskutieren immer mal wieder darüber, ob sie auch Frauen in den Klub aufnehmen wollen.

Bildtext:
Wilhelm Bosse (rechts) lauscht dem Gesang einiger junger Pumpianer. Die Schülerverbindung ist vor 125 Jahren am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium entstanden.
Fotos:
Michael Gründel
Autor:
Jann Weber


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