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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Marode Brücke muss noch halten
 
Wie lange hält diese Brücke noch durch?
Zwischenüberschrift:
Neubau hinter dem Hauptbahnhof schon wieder verschoben
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Die Hamburger Straße am Hauptbahnhof führt über eine marode Brücke, die abenteuerlich von Stützen und Trägern zusammengehalten wird. Eigentlich sollte 2022 ein Neubau errichtet werden. Aber nun hakt es schon wieder mit dem Zeitplan.

Osnabrück Sie ist längst am Ende und hält sich nur noch, weil sie von allen Seiten gestützt wird: die Brücke der Hamburger Straße hinter dem Osnabrücker Hauptbahnhof. Aber mit einem Neubau wird es vorerst nichts was die Frage aufwirft: Muss die Straße bald gesperrt werden?

Das Desaster verbirgt sich hinter einer kurzen Randnotiz in einer Liste, die dem Haushaltsplan 2020 beigelegt ist. Darin listet die Verwaltung auf, bei welchen Projekten sich in den vergangenen Monaten Veränderungen ergeben haben. Unter Nr. 32 ist die Brücke Hamburger Straße aufgeführt: Keine Sperrpausen der DB vor 2023, daher Maßnahme entsprechend verschoben.″ Die vorgesehenen 500 000 Euro, die die Stadt schon im kommenden Jahr in die Neubauplanung stecken wollte, werden auf später geschoben. Da braut sich etwas zusammen.Ein Geschenk der Bahn

Die Hamburger Straße ist eine Lebensader des Gewerbegebietes im Hasepark und neben der Schellenbergbrücke die wichtigste Verbindung zwischen den Stadtteilen Schinkel und Fledder. Die Brücke, die auf der Ostseite des Bahnhofs über die Schienen der Strecke Amsterdam–Berlin führt, treibt den Verkehrsplanern in Osnabrück seit einen Vierteljahrhundert die Falten auf die Stirn.

Gut 100 Jahre leisten die maroden Stahlträger schon ihren Dienst. Als die Bahn in den Sechzigerjahren auf Stromantrieb umstellte, wurde die ganze Konstruktion angehoben, um Platz für die Fahrdrähte zu schaffen. 1994 übertrug der Bund die Zuständigkeit für die Brücke per Gesetz an die Stadt Osnabrück, die das Geschenk gar nicht haben wollte. Denn das Ende seiner Lebensdauer zeichnete sich schon ab.

Bei einer Routineinspektion stellte sich heraus, dass die Brücke weiche Knie bekommen hatte. Die Tragfähigkeit wurde auf 7, 5 Tonnen herabgestuft, wenig später reichte es nur noch für 3, 5 Tonnen. Ende 2009 wurde die Brücke mit einem provisorischen Stützkorsett aus Stahlträgern geschient, damit wieder 7, 5-Tonner auf diesem Weg den Hasepark erreichen können. Seit 2015 rollt der Verkehr nur noch einspurig über die Brücke, eine Ampel regelt die Zufahrt.

Dass die Stadt damals nicht den Neubau in Angriff nahm, hatte mit einem Streit zu tun, den sie mit dem Eigentümer des Güterbahnhofs ausfocht. Mit der neuen Brücke soll nämlich ein Osteingang zum Hauptbahnhof geschaffen werden, für den die Stadt ein Stück des Güterbahnhofs braucht. Der Eigentümer des Güterbahnhofs damals die Zion GmbH, heute die 3G Group benutzte diese gut tausend Quadratmeter als Faustpfand, um andere Forderungen durchzusetzen. Am Ende musste der Bundesgerichtshof sich der Sache annehmen und gab im Herbst 2018 der Stadt recht.

Damit war der Weg für den Neubau prinzipiell frei. Aber: Ohne Kooperation der Bahn kann die Stadt nichts unternehmen. Für die Bauarbeiten muss die Bahn sogenannte Sperrpausen in den Fahrplan einarbeiten, und das bedarf einer Vorlaufzeit von mindestens drei Jahren. Frühester Baubeginn aus damaliger Perspektive: 2022.Keine Sperrpausen

Auch dieser Termin ist nicht mehr zu halten. Denn die Bahn begann in der Zwischenzeit, das Osnabrücker Stellwerk mit einem dreistelligen Millionenbetrag auf das digitale Zeitalter umzustellen. Erst wenn dieses Riesenprojekt abgeschlossen ist, kann die Bahn Sperrpausen einrichten. Das ist nach Angaben der Verwaltung frühestens 2023 möglich. So ist absehbar, dass auf der Ostseite des Bahnhofs in den kommenden vier Jahren nichts zum Guten in Gang kommt.

Die Brücke wird nicht nächste Woche zusammenbrechen″, beruhigt Mike Bohne, Leiter Fachdienst Straßenbau der Stadt. Erhebliche Einschränkungen für den Verkehr schließt er aber nicht aus. Gerade haben Gutachter sich das marode Tragwerk erneut angeschaut, die Ergebnisse liegen Bohne noch nicht vor. Er hält eine erneute Begrenzung auf 3, 5 Tonnen für möglich oder gar eine vollständige Sperrung für den Autoverkehr.

Bildtexte:
Sie bröckelt weiter: Beton- und Stahlschienen halten die Brücke auf der Rückseite des Hauptbahnhofs zusammen. Wie lange noch? Es ist denkbar, dass die Hamburger Straße für den Autoverkehr gesperrt werden muss.
Nur einspurig rollt der Verkehr über die Brücke der Hamburger Straße.
Fotos:
Archiv/ Michael Gründel

Kommentar
Die Gelackmeierte

Auf dem ersten Blick lässt sich die kaputte Brücke auf der Rückseite des Hauptbahnhofes gut einreihen in die Liste verkorkster Projekte in Osnabrück, die einfach nicht vom Fleck kommen: Neumarkt, Ledenhof, Güterbahnhof. Aber bei der Hamburger Brücke liegt die Verantwortung weniger bei der Stadt. Im Gegenteil: Sie ist die Gelackmeierte.

Denn vor 25 Jahren hat sich die Bundesrepublik Deutschland einfach per Gesetz aus der Verantwortung gestohlen. Der Bund übertrug zigtausend Eisenbahnbrücken zum 1. Januar 1994 den Kommunen, die sich gegen diese unerwünschten Geschenke nicht wehren konnten. Schöne Bescherung auch für Osnabrück: Schellenbergbrücke und die Brücke am Heiligenweg kosteten Millionen. Das alles zu Zeiten, als die Stadt finanziell am Abgrund stand. Und es war klar, dass in einigen Jahren auch die Hamburger Straße eine neue Brücke brauchen würde.

Dann stellte der neue Eigentümer des Güterbahnhofs auf stur, weil die Stadt seiner Forderung an anderer Stelle nicht nachkommen wollte. Diesen Erpressungsversuch durfte sich die Stadt nicht bieten lassen. Der Preis: Brückenneubau und Terminal Ost mussten warten, bis der BGH entschieden hatte.

Alles Dinge, die die Stadt nur wenig oder gar nicht beeinflussen konnte. Und nun: Das Geld ist da, das Grundstück gesichert, die Rechtslage geklärt aber die Bahn sagt, sie hat vorerst keine Zeit. Manchmal läuft es einfach nicht...

w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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