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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Im Glanz der nackten Glühbirnen
Zwischenüberschrift:
Das Eis-Kaffee Opitz erstrahlte im Advent 1953
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Von Event-Shopping konnte 1953 noch keine Rede sein, die Konsum-Verlockungen fielen nach heutigen Maßstäben bescheiden aus. Der hastige Wiederaufbau nach den Kriegszerstörungen hatte Osnabrücks Haupteinkaufsstraße eine Reihung schlichter Zweckbauten beschert, die vielfach nur ein- oder zweigeschossig ausgeführt waren und nicht an die Vorkriegspracht heranreichten.

Eine Ausnahme stellte der Neubau des Eis-Kaffees Opitz in der Bildmitte dar. Die Stichbogen-Fenster im Obergeschoss und die Zierkassetten unter der Trauflinie waren deutliche Signale, dass Konditor Paul Opitz ein architektonisches Statement aussenden wollte, in der neuen Zeit angekommen zu sein.

Die markante Stollwerck-Schokoladen-Reklame, über die Gebäudeecke gezogen, machte das Gebäude Große Straße 67 zu einem echten Hingucker, der sich von den anspruchsloseren Nachbargebäuden umso mehr abhob.

Links schließt sich in noch eingeschossiger Bauweise das Seidenhaus Oskar Landwehr in Nummer 68 an. Es folgen nach links, damals wie heute, Bücher Wenner im Haus Nummer 69 und in Nummer 70 das Radio- und Fernsehgeschäft von Hermann Telgkämper (heute Cartoon Fashion).

Tabakläden an jeder Ecke

Auf der anderen Seite der Großen Straße, an der Ecke zur Georgstraße, erkennt man das vorerst zweigeschossig wiederaufgebaute Geschäftshaus der Rackhorstschen Buchhandlung und des Zigarrenladens K & O (Krüger & Oberbeck). Tabakläden scheinen übrigens damals fast so häufig vertreten gewesen zu sein wie heutzutage Mode-Filialisten.

Am rechten Bildrand erkennen wir das Schild Postamt″. Es gehört zu dem instandgesetzten Vorkriegsbau Große Straße 63/ 64. Hier war das Hauptpostamt so lange untergebracht, bis 1957 der Neubau der Post an der Wittekindstraße/ Möserstraße fertiggestellt war. Der dunkle Kasten″, wie er bei manchen Osnabrückern hieß, bekam Ende der 1950er-Jahre eine neue Fassade und wurde Sitz des Bekleidungshauses Osterhaus. Das existierte bis 2002, seitdem ist dort die Buchhandlung Thalia Hauptmieter.

An dieser Bildimpression aus dem Advent 1953 fällt auf, dass alle Schaufenster schon wieder um die Wette strahlten, auch wenn die Häuser selbst vielfach noch den Charakter provisorischer Behelfsbauten trugen. Selbst eine bescheidene Weihnachtsbeleuchtung in Form von aufgeständerten Lichterketten mit nackten Glühbirnen gehörte wieder dazu.

Das Eis-Kaffee Opitz gab es auch schon vor dem Krieg. Das Eiko″, wie es abgekürzt von den Teens und Twens der 1930er- und 1940er-Jahre genannt wurde, war für sein leckeres Speiseeis bekannt. Außerdem war es zentraler Punkt des Bummels entlang der Großen Straße, den man unternahm, um zu sehen und gesehen zu werden. Walter Schaefer dichtete dazu einst:

Der Schülertreff, auch , Bummel′ genannt, / sah junge Damen, die galant / zur Dämmerstunde dort flanierten, / die lachten und sie kokettierten – / und ließen ihre Zöpfe wippen. / Man wendete, und das hieß , kippen′, bei Eklöh und beim Capitol, / und abends war′s hier immer voll.″

Und zwar so voll, das darf man ergänzen, dass eine Entzerrung der Gehrichtungen polizeilich angeordnet worden war. Wer Richtung Neumarkt ging, musste den Bürgersteig auf der Seite des Eis-Kaffees Opitz nehmen, wer zum Nikolaiort wollte, wurde auf die Seite des Kaufhauses Alsberg, später L+ T, verwiesen.

City-Filiale der Sparkasse

Ende der 1950er-Jahre verpachtete Paul Opitz das Café, das sich Martinelli″, später Venetia″ und irgendwann danach auch Remor″ nannte. 1984 errichtete die Stadtsparkasse dort einen Neubau, in dem sie ihre City-Filiale unterbrachte. Mit der Fassade aus Gravenhorster Sandsteinplatten und Osnabrücks erstem gläsernen Aufzug gab man diesem markanten Ort einen neuen städtebaulichen Akzent. Ob er gelungen war, wurde unterschiedlich beurteilt. Die unmotiviert wirkenden Sprossenfenster und die banalen Spitzgiebel stießen auf Kritik.

Bildtexte:
Die S-Kurve im Verlauf der Großen Straße vor dem Eis-Kaffee Opitz im Advent 1953. Der Blick geht in Richtung Neumarkt. Rechts münden Große Hamkenstraße und Jürgensort ein, hinten links die Georgstraße.
Umstrittener Neubau: Nicht alle fanden und finden das dort heute stehende Gebäude architektonisch gelungen.
Fotos:
Hugo Mittelberg, G. Westdörp
Autor:
Joachim Dierks


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