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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Lokal emissionsfrei, aber . . .
Zwischenüberschrift:
Wie grün fährt das Osnabrücker Wasserstoff-Polizeiauto wirklich?
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Aus dem Auspuff quillt zwar nur Wasserdampf. Doch mit grüner Energie″, von der die Polizei spricht, fährt der neue Osnabrücker Wasserstoff-Streifenwagen deswegen noch lange nicht. Grund ist die einzige geeignete Tankstelle der Region in Hasbergen oder besser gesagt das, was dort aus dem Zapfhahn kommt.

Es ist Deutschlands erster und einziger Funkstreifenwagen mit reinem Wasserstoff-Antrieb, der ab März 2020 in Osnabrück getestet werden soll. Wie alle Elektrofahrzeuge fährt das Auto lokal emissionsfrei. Das heißt, es stößt unterwegs weder klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) noch andere, gesundheitsgefährdende Abgase aus.

So weit, so gut. Aber wie grün ist eigentlich der Wasserstoff selbst? Um es vorwegzunehmen: nicht besonders. Zwar berichtet die Polizeidirektion Osnabrück davon, dass das Wasserstoff-Auto vom Typ Hyundai Nexo mit grüner Energie betrieben″ werde. Doch wenn man es genau nimmt, ist sie ziemlich grau, wie Recherchen unserer Redaktion zeigen.

CO2-neutral hergestellt?

Denn grüner im Sinne von CO2-neutral hergestellter Wasserstoff ist an fast keiner der bislang 78 Tankstellen bundesweit erhältlich. Auch in Hasbergen-Gaste nicht, wo sich nahe der Autobahn A 30 unter dem Dach einer Total-Tankstelle die einzige Wasserstoff-Zapfsäule weit und breit befindet. Das teilte auf Anfrage unserer Redaktion das Gemeinschaftsunternehmen H2 Mobility mit ein von den Firmen Air Liquide, Daimler, Linde, OMV, Shell und Total gegründetes Joint Venture, das seit 2015 von Berlin aus die Wasserstoff-Infrastruktur in Deutschland aufbaut. Bis zum Jahr 2023 sollen es an die 400 H2-Stationen sein.

Das Problem beim Wasserstoff als Antriebsenergie: Schon bei der Herstellung kann je nach Produktionsart viel Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangen. Gewinnt man ihn zum Beispiel aus Erdgas, werden nach Angaben von H2 Mobility 12, 5 Kilogramm CO2 pro Kilogramm Wasserstoff frei.

Ist Biomethan und/ oder Biomethanol die Basis, beträgt der Ausstoß weniger als fünf Kilogramm CO2. Eine Nullemission ermöglicht die Elektrolyse: Hier wird Wasser unter Strom gesetzt, sodass sich die Bindung zwischen Wasserstoff (H2) und Sauerstoff (O) löst. Kommt dabei Elektrizität aus erneuerbaren Quellen zum Einsatz, beispielsweise Windkraft, ist der Wasserstoff CO2-neutral. Aber dieses klimaschonende Verfahren wird in Deutschland bislang nicht in industriellem Maßstab angewendet.

Der Grund dafür sind vor allem erhebliche Abgaben und Entgelte für Elektrolyse-Anlagen″, erklärt Sybille Riepe, Sprecherin von H2 Mobility. Es sei deshalb eine Herausforderung, überall in Deutschland ausreichend grünen Wasserstoff zu beziehen″.

Den Wasserstoff selbst herstellen dürfe das Unternehmen aus kartellrechtlichen Gründen nicht. Mithin bleibe nur der Einkauf. Über das gesamte Netz von H2 Mobility gesehen, liege der Anteil grünen Wasserstoffs momentan bei 20 Prozent. Die verbleibenden 80 Prozent würden aus Erdgas gewonnen, das wiederum zu knapp einem Drittel ein Abfallprodukt der chemischen Industrie sei. Mit was für einem ökologischen Fußabdruck man auch immer diese Menge wertet.″

Wasserstoff-Tankstelle

Was die Wasserstoff-Tankstelle in Hasbergen angeht, betont Riepe, dass es dem Unternehmen dort nicht ums Geldverdienen gehe, sondern um die Erweiterung des Netzes. Denn erst wenn eine Basis-Infrastruktur besteht, werden Fahrzeuge folgen.″ Bislang wird die einzige H2-Zapfsäule in der Region Osnabrück eher selten genutzt: Laut Betreiber fanden in Hasbergen in den vergangenen zwölf Monaten insgesamt 217 Betankungen statt also ungefähr alle anderthalb Tage eine. Dabei wurden mehr als 700 Kilogramm Wasserstoff vertankt. Und zwar zum bundesweiten Einheitspreis von 9, 50 Euro pro Kilo.

Der Wasserstoff-Preis ist rein politisch motiviert″, erklärt die Unternehmenssprecherin. Die Kosten seien damit vergleichbar mit denen für Benzin. Vier bis fünf Kilogramm fasse der Tank der meisten Wasserstoff-Fahrzeuge. Mit einem Kilo komme man ungefähr 100 Kilometer weit. Riepe: Das Ziel muss sein, Autofahren sauberer und nicht billiger zu machen.″

Bildtext:
Links Wasserstoffauto, rechts Plug-in-Hybrid: Die Polizeidirektion Osnabrück testet als erste in Deutschland einen Streifenwagen mit Brennstoffzellen-Antrieb. Dazu wird der Hyundai Nexo in den kommenden Wochen für den bevorstehenden Polizeidienst beklebt sowie mit Blaulicht, Martinshorn und Funktechnik ausgerüstet ganz nach dem Vorbild des nebenstehenden VW Passat.
Foto:
Polizeidirektion Osnabrück/ Hendrik Große Hokamp
Autor:
Sebastian Stricker


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