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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die Region will mehr Erdkabel
Zwischenüberschrift:
Schafft Amprions neue 380-kV-Trasse neue Konflikte?
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Bissendorf Dass der Netzbetreiber Amprion die geplante 380-kV-Leitung jetzt doch teilweise unter die Erde verlegen will, wird in Osnabrück und Umgebung einhellig begrüßt. Aus der Region kommt jedoch die Forderung, die Erdverkabelung auszudehnen.

Ein guter Anfang, aber noch kein gutes Ende″ so kommentiert Bissendorfs Bürgermeister Guido Halfter die Kehrtwende von Amprion. Die angekündigte Teilerdverkabelung sei sicherlich ein Teilerfolg; mit dem jetzt favorisierten Korridor B für eine Freileitung zwischen Jeggen und Wehrendorf schaffe der Netzbetreiber jedoch neue Konflikte. So rücke die Trasse sehr nah an die Schelenburg heran. Der Denkmalschutz gebiete, dass ein so bedeutendes Kulturdenkmal wie das Wasserschloss nicht durch eine Freileitung eingeengt werde.

Halfter sieht außerdem die Planung für den Korridor B zwischen Schledehausen und Krevinghausen kritisch. Die Mindestabstände zu mehreren Wohngebäuden ließen sich nicht einhalten, sagt der Bürgermeister. Schon deshalb müsse die Erdverkabelung ausgeweitet werden.

Der gleiche Tenor spricht aus der Stellungnahme von Kreisrat Winfried Wilkens für den Landkreis Osnabrück. Es sei zwar zu begrüßen, dass Amprion nach jahrelanger Weigerung den Widerstand gegen die unterirdische Trassenführung aufgegeben habe. Zugleich kritisiert er, dass der Netzbetreiber immer wieder Korridore und Varianten für die Trassen zunächst ausschließe, um diese dann später als Vorzugsvarianten zu präsentieren. So lasse sich kein Vertrauen in der Bevölkerung und den beteiligten Institutionen aufbauen, vermerkt Wilkens.

Statt die Erdverkabelung ausdrücklich auch pilothaft zu nutzen, wolle Amprion lieber Freileitungen in einem Zickzack-Kurs bauen, um die gesetzlichen Vorgaben einzuhalten, wonach Freileitungen einen Abstand von 400 Metern zu geschlossenen Ortschaften und 200 Metern zu frei stehenden Häusern einhalten müssen. Bei einem Vergleich möglicher Trassenverläufe habe das Unternehmen die vom Landkreises vorgeschlagenen Alternativen mit teilweiser Erdverkabelung immer noch nicht ausreichend überprüft, beanstandet der Kreisrat.

Auch die Bürgerinitiative Keine 380-kV-Freileitung am Teuto″ findet wohlwollende Worte dafür, dass sich Amprion nach jahrelanger Verweigerungshaltung langsam für die Erdverkabelung öffnet″. Dennoch seien die nun vorliegenden Planungen nur als ein erster Schritt anzusehen.

Der für Bissendorf zuständige BI-Sprecher Christian Bräke bezeichnet die Amprion-Planung als Stich ins Herz″ für die Gemeinde Bissendorf. Ein hochattraktiver Naherholungsraum und das jahrhundertealte Kulturdenkmal Schelenburg würden nachhaltig beschädigt″. In Krevinghausen würde die Stromautobahn zickzackförmig um die Häuser gezirkelt, womit die Breite der Freileitung drastisch erhöht werde. Es falle auf, dass gerade in den Außenbereichen eine Erdverkabelung stets abgelehnt werde, obwohl die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt seien.

Die Bürgerinitiative sieht weitere Belastungen auf den Raum Bissendorf zukommen, weil das Umspannwerk Wehrendorf an eine Gleichstromleitung angeschlossen werden solle, um Windstrom von der Nordsee nach Süden zu transportieren. Außerdem solle dort ein sogenannter Netzbooster gebaut werden, ein batteriebetriebener Puffer für kurzfristige Netzausfälle. Aus diesen Gründen sei zu befürchten, dass die nach derzeitigen Planungen noch zweispurige Stromautobahn um weitere Fahrbahnen erweitert wird″.

Für den Trassenabschnitt Borgloh hält BI-Sprecher Andreas Hallbrügge fest, dass mit der jetzigen Planung das Konfliktpotenzial der geplanten 380-kV-Leitung unverändert hoch″ sei, weil Amprion eine Erdverkabelung ablehnt. Mit einer höheren Akzeptanz in der Bevölkerung sei keineswegs zu rechnen, und der Wille des Gesetzgebers werde weiterhin ignoriert.

Vorsichtiger Optimismus ist dagegen aus Wellingholzhausen zu vernehmen, weil Amprion dort eine Teilverkabelung prüfen will. Aus Sicht von Bürgerinitiativensprecher Frank Vornholt bleibt damit aber weiterhin offen, ob auch die betroffenen Bewohner im Außenbereich davon profitieren würden.

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre mit Amprion hätten gezeigt, dass die Planungen weder verlässlich seien, noch dass die Zusammenarbeit als vertrauenswürdig bezeichnet werden könne.

Bildtext:
Das Erdkabel als Alternative zur Freileitung: Aus der Region Osnabrück wird Netzbetreiber Amprion aufgefordert, weitere Abschnitte der 380-kV-Leitung unter die Erde zu verlegen.
Foto:
Martin Gerten / dpa
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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