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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Amprion will jetzt doch unter die Erde
 
380 kV in Osnabrück komplett unterirdisch
Zwischenüberschrift:
Amprion gibt den Bürgerprotesten nach und wechselt den Korridor
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Jahrelang hat sich der Netzbauer Amprion gesträubt, Teile der geplanten 380-kV-Höchstspannungstrasse zwischen Wehrendorf und Gütersloh unter die Erde zu verlegen, doch jetzt lenkt das Unternehmen ein. Nach den aktuellen Plänen soll die Leitung in Osnabrück komplett als Erdkabel ausgeführt werden, in Bissendorf zu einem Teil. Auch die von Amprion favorisierten Korridore ändern sich. Dort, wo es spürbaren Widerstand gegeben hatte wie in Voxtrup, Lüstringen und Natbergen, soll jetzt nicht gebaut werden. Aber auch der jetzt ins Auge gefasste Korridor für die Freileitung nach Wehrendorf birgt noch einigen Konfliktstoff.

Osnabrück Netzbetreiber Amprion gibt dem Druck nach: Im Stadtgebiet von Osnabrück soll die geplante 380-kV-Trasse jetzt komplett unterirdisch verlegt werden. Für den Abschnitt zwischen Wehrendorf und Lüstringen favorisiert das Unternehmen eine Linie, die der Schelenburg sehr nahekommt.
Die Amprion GmbH hatte sich bislang mehrere Varianten offengehalten. Kurz vor dem Abschluss des Raumordnungsverfahrens wird die Planung für Bissendorf und das östliche Stadtgebiet jetzt sehr konkret. Am Donnerstag findet beim Landkreis Osnabrück ein Erörterungstermin für Vertreter kommunaler und öffentlicher Belange statt, allerdings nicht öffentlich. Amprion-Pressesprecher Michael Weber hat unsere Redaktion über den neuesten Stand informiert.

Was gebaut wird: Mit der 380-kV-Höchstspannungsleitung soll eine leistungsfähige Verbindung die vorhandene 220-kV-Leitung zwischen den Umspannwerken in Wehrendorf, Osnabrück und Gütersloh ersetzen. Amprion sieht sie als Teil eines überregionalen Versorgungsnetzes, das mit dem Ausbau stabilisiert werden soll. Dies geschieht auch in der Absicht, dass Windstromüberschüsse aus dem Norden ohne große Leitungsverluste in den Süden Deutschlands geleitet werden können.

Erdverkabelung: In Osnabrück haben sich Bürgerinitiativen aus Voxtrup und Lüstringen-Ost gegen den Bau einer Freileitung gewehrt. Jetzt gibt Amprion nach und stellt in Aussicht, innerhalb des Stadtgebiets die gesamte Trasse und in Bissendorf einen Teil unter die Erde zu verlegen.

Der Nordkorridor: Zwischen dem Umspannwerk Lüstringen und dem Bissendorfer Ortsteil Stockum soll ein gemeinsamer Kabeltunnel beide 380-kV-Leitungen aufnehmen, also sowohl die nach Wehrendorf als auch die nach Gütersloh. Am Stockumer Berg teilt sich das Erdkabel dann in einen nördlichen und einen südlichen Zweig auf.

Der Südkorridor: Für die Weiterführung der Strecke in Richtung Borgloh hatte die Amprion GmbH bislang drei Varianten vorgesehen. Gegen Korridor 1 gab es lautstarke Proteste in Voxtrup, Korridor 2 stieß in Natbergen auf heftigen Widerstand. Jetzt favorisiert der Netzbauer den weiter östlich gelegenen Südkorridor 3, der bei Uphausen die Trasse der Autotobahn 30 unterqueren soll.

Übergabestationen: Für den Übergang von der Freileitung zum Erdkabel aus Richtung Wehrendorf favorisieren die Planer eine noch nicht genau benannte Stelle am Hengstbrink zwischen Wissingen und Jeggen. Nach Auskunft von Amprion-Pressesprecher Weber wird das Erdkabel zwischen dieser Übergabestation und der Umspannanlage Lüstringen etwa neun Kilometer lang sein. Für die Trasse zwischen Lüstringen und Gütersloh soll der Übergabepunkt auf Georgsmarienhütter Gebiet in Holsten-Mündrup liegen. Von dort führt eine Freileitung weiter in Richtung Borgloh.

Welche Trasse? Auf dem Abschnitt zwischen Wehrendorf und Lüstringen waren bislang drei mögliche Trassen im Gespräch, von denen Netzbetreiber Amprion bisher der nördlichen Variante A zuneigte. Sie sollte über den Golfplatz in Jeggen und von dort nach Lüstringen-Ost führen. Jetzt ist stattdessen Korridor B der Favorit: Er kommt der Schelenburg sehr nahe und schafft eine relativ geradlinige Verbindung zur geplanten Übergabestation am Hengstbrink in Jeggen.

Die Masten: Auf die Höhe der Masten will sich das Unternehmen nicht festlegen, weil es dabei auf die Topografie ankomme, sagt Amprion-Sprecher Weber. Fest steht aber, dass sie höher sein werden als die der vorhandenen 220-kV-Trasse, weil sie mehr Stromkreise aufnehmen müssen. Auf einigen Abschnitten können 110-kV-Freileitungen in das neue System integriert werden.

Der Zeitplan: Geplant wird die 380-kV-Trasse in einem beschleunigten Verfahren. Auf nordrhein-westfälischer Seite haben die Bauarbeiten schon begonnen. Für den niedersächsischen Abschnitt läuft zurzeit das Raumordnungsverfahren, das voraussichtlich in wenigen Wochen mit der landesplanerischen Feststellung enden wird. Es folgt das Planfeststellungsverfahren, in dem die Landesbehörde auch die Einwände von Betroffenen und von Trägern öffentlicher Belange zu prüfen hat. Mit dem Planfeststellungsbeschluss in der Tasche kann Amprion die Bauarbeiten starten. Nach der aktuellen Planung soll die neue Leitung 2026 in Betrieb gehen.

Kommentar
Teufelswerk Erdkabel

Technisch unausgegoren, juristisch fragwürdig, vor allem aber viel zu teuer das waren die Argumente, mit denen die Bürgerinitiativen immer wieder abgespeist wurden, wenn sie anstelle der geplanten Hochspannungsfreileitung eine Erdverkabelung forderten. Sechs Jahre wurde gestritten, und jetzt geht es doch. Jedenfalls in Osnabrück und in einem Teil von Bissendorf. Da hat sich die Beharrlichkeit also gelohnt.

Amprion stand unter Druck, weil Bürger, Stadtplaner und Politiker an einem Strang gezogen haben. 2022, wenn die letzten Atomkraftwerke vom Netz gehen, sollte die neue Trasse zwischen Wehrendorf und Gütersloh ursprünglich in Betrieb gehen. Der Zeitplan war schon lange Makulatur, und das lag vor allem an der Starrköpfigkeit, mit der die Trassenbauer lange Zeit ihre Position verteidigten. Bloß keinen Meter nachgeben, lautete die Devise. Die Erdverkabelung wurde behandelt, als wäre sie ein Werk des Teufels. Eine unhaltbare Position.

Beim Blick aufs Ganze stellt sich die Frage, wie es möglich war, dass in Hellern ein mächtiges 380-kV-Monstrum durch enge Wohnsiedlungen gezogen wurde. Aus heutiger Sicht eine Planungssünde, die wohl nur damit zu erklären ist, dass der Protest nicht laut und die Zeit noch nicht reif genug war. Die Einsicht, dass Erdkabel eine realistische Option sind, wird die Landschaft an vielen Stellen vor Schaden bewahren. Und was die Kosten betrifft: Das werden wir schon stemmen. rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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