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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Verkauft der Kreis seine Anteile am FMO?
Zwischenüberschrift:
Warum die Grünen glauben, dass unser Flughafen sich auch in absehbarer Zeit nicht tragen kann
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Die Grünen im Osnabrücker Land beantragen im Kreistag am Montag, ein Konzept zu entwickeln, um die Anteile des Landkreises am Flughafen Münster/ Osnabrück zu verkaufen. Die Öko-Fraktion glaubt nicht, dass der FMO sich in absehbarer Zeit wirtschaftlich selbst tragen kann. Wird Landrätin Anna Kebschull das FMO-Finanzierungskonzept ablehnen?

Warum wollen die Grünen den FMO nicht mehr unterstützen? Die Grünen-Kreistagsfraktion erläutert in ihrem Antrag, dass die Politik im Kreishaus sich immer wieder zu einer FMO-Unterstützung bereit erklärt habe teilweise auch von den Grünen getragen. Aktuell sei jedoch nicht absehbar, dass der Regionalflughafen sich bald selbst finanzieren könne. Deswegen solle die Kreisverwaltung für die kommenden Jahre ein Konzept für ein Ausstiegsszenario aus der FMO GmbH entwickeln, um die Landkreis-Anteile am FMO rückabzuwickeln″. Vor dem Hintergrund des Klimawandels sei gerade im Verkehrssektor ein Umdenken und Umsteuern dringend erforderlich. Das betreffe insbesondere Inlandsflüge. Aus Sicht der Grünen wäre es erheblich sinnvoller, Fördermittel in Verbesserungen der Bahninfrastruktur zu investieren.

Der Versuch, die stationären FMO-Einrichtungen klimaneutral zu gestalten, könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Flugverkehr eine der klimaschädlichsten Mobilitätsformen sei. Es sei daher volkswirtschaftlich richtig, den klimafreundlicheren Bahnverkehr, insbesondere für Inland- und Kurzstrecken, zu stärken. Der höchste Mobilitätsbedarf der Bevölkerung sei der tägliche Weg zur Arbeit. Es würden Finanzmittel benötigt, um attraktivere Nahverkehrsangebote zu entwickeln.

Mit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember werde Osnabrück direkt und in gerade einmal zwei Stunden mit dem Düsseldorfer Flughafen verbunden. Auch große Städte im Ruhrgebiet seien künftig ab Osnabrück jeden Tag von frühmorgens bis spätabends umstiegsfrei erreichbar. Die Öko-Fraktion hält die Strategie, am FMO festzuhalten, daher für problematisch und wenig zukunftsorientiert. Eine weitere finanzielle Förderung entspreche nicht einer wirtschaftlichen Haushaltspolitik und ist aus Sicht der Grünen deshalb zu beenden.

Wie stimmt die grüne Landrätin Anna Kebschull ab? Am Montag stimmt der Kreistag über die Fortführung des FMO-Finanzierungskonzeptes ab. Um einen Investitionsstau zu beseitigen, benötigt der FMO bis 2025 noch 35 Millionen Euro an Krediten. Das neue Konzept sieht vor, dass die zehn kommunalen Gesellschafter von 2021 bis 2025 jährlich rund sieben Millionen Euro als Darlehen zur Verfügung stellen. Dafür müssen die jeweiligen Kommunalparlamente die entsprechenden Beschlüsse erteilen. Die fünf größten Gesellschafter sind die Stadt Münster (35 Prozent), der Kreis Steinfurt (30 Prozent), die Stadt Osnabrück (17 Prozent), die Stadt Greven (rund 6 Prozent) und der Landkreis Osnabrück (5 Prozent). Die Stadt Osnabrück hat dem FMO-Finanzierungskonzept 2.0″ bereits mehrheitlich zugestimmt. Die jährliche Darlehenshöhe für die Stadt Osnabrück beträgt 1, 2 Millionen Euro. Der Landkreis Osnabrück müsste entsprechend seinen Anteilen am FMO von 2021 bis 2025 jährlich 363 597 Euro als Darlehen bezahlen. Auf Anfrage unserer Redaktion, ob Anna Kebschull mit ihrer Stimme als Landrätin im Kreistag am Montag dem Finanzierungskonzept zustimmen wird, sagte sie: Ich persönlich stehe dem deutlich kritisch gegenüber.″

Kebschull stehe dafür, dass inländische Flüge durch die Bahn ersetzt werden müssten. Wenn Unternehmer das innerdeutsche Ziel auch durch gute Zugverbindungen erreichen würden, dann wären sie damit genauso zufrieden, so die vielfache Rückmeldung″, sagt die Landrätin. Einerseits erkennt sie an, dass der FMO derzeit″ eine bekannte Infrastruktureinrichtung für die regionale Wirtschaft ist. So würden zahlreiche Unternehmen in der Region den FMO regelmäßig als Ausgangspunkt weltweiter Verbindungen insbesondere über die Drehkreuze Frankfurt und München nutzen und auch innerdeutsche Ziele für Business-Termine anfliegen.

Andererseits müsse sich der FMO wie alle Regionalflughäfen auch dem gesellschaftlichen Wandel in Richtung klimafreundlichen Handelns und alternativer Verkehrsformen wie der Bahn stellen. Erste Auswirkungen des Klimapakets zeigten schon heute: Innerdeutsche Flüge würden teurer und bei einem entsprechend guten Alternativangebot der Bahn zunehmend kritisch gesehen. Auch die regionalen Unternehmen hinterfragten die Wahl der Verkehrsmittel stärker. Attraktive Arbeitgeber werden sich ihrer Einschätzung nach zukünftig noch stärker durch klimaneutrales Verhalten und eine entsprechend innovative Firmenphilosophie profilieren wollen. Die Grünen-Politikerin prognostiziert: In Anbetracht dieses Wandels werden die Perspektiven der regionalen Flughäfen neu zu bewerten sein.″

Warum braucht der FMO 35 Millionen Euro an Krediten? Der FMO plant, dass die Ausgaben die Einnahmen ab 2021 nicht mehr übersteigen. FMO-Chef Rainer Schwarz erwartet jährlich rund 1, 3 Millionen Passagiere bis zum Jahr 2030. Bei dem aktuell beantragten 35-Millionen-Euro-Kredit handle es sich ausschließlich um Mittel für Instandhaltungsmaßnahmen, die marktüblich verzinst an die FMO-Eigentümer zurückbezahlt werden. Schwarz zufolge werden die bei den Gesellschaftern beantragten Kredite von insgesamt 35 Millionen Euro vor allem für Maßnahmen wie unter anderem folgende benötigt: Sanierung der Deckenschicht der Startbahn (3 Millionen Euro), neue Beleuchtung der Start-und-Lande-Bahn (3, 5 Millionen Euro), Sanierung der Rollwege (1, 5 Millionen Euro), neue Gepäckförderung (3 Millionen Euro), Sanierung der alten Strom- und Kälteanlagen (2, 2 Millionen Euro), Investitionen in den Fahrzeugpark mit neuen Feuerlöschfahrzeugen (4, 5 Millionen Euro), Sanierung der Gebäudeleittechnik etwa für Aufzüge und Hallentore im Terminal (4, 8 Millionen Euro).

Bildtext:
Wird der Kreistag am Montag dem vom FMO-Chef Rainer Schwarz beantragten 35-Millionen-Euro-Kredit für den Flughafen Münster/ Osnabrück zustimmen? Der Landkreis Osnabrück müsste von 2021 bis 2025 jährlich 363597 Euro als Darlehn bezahlen.
Foto:
Archiv/ David Ebener

Kommentar
Für unseren Wirtschaftsstandort unverzichtbar

Der Grünen-Antrag, jetzt aus der FMO-Finanzierung auszusteigen, ist Unsinn.

Dann hätten sich die zehn kommunalen Gesellschafter die 84 Millionen Euro, die sie seit 2014 in das Finanzkonzept für die Entschuldung des Flughafens eingebracht haben, auch sparen können. Dabei lag der jährliche Beitrag des Landkreises bislang bei 850 000 Euro, künftig soll ein jährliches Darlehn von rund 360 000 Euro bezahlt werden, das obendrein noch marktüblich verzinst zurückbezahlt werden soll.

Darüber hinaus hat Flughafenmanager Rainer Schwarz mit seinem gut funktionierenden Team ein glänzendes Krisenmanagement hingelegt.

Wenn nach der Pleite von Germania und der Insolvenz des Reiseveranstalters Thomas Cook immer noch knapp eine Million Passagiere und nur drei Prozent weniger Fluggäste als im vergangenen Jahr abheben, dann gibt es keine Zweifel daran, dass im kommenden Jahr bei den Fluggastzahlen wieder die Eine-Million-Marke geknackt wird.

Der Flughafen Münster/ Osnabrück ist für unseren Wirtschaftsstandort unverzichtbar. Die Landrätin weist selbst auf den FMO als regelmäßigen Ausgangspunkt weltweiter Verbindungen für die Wirtschaft hin. Es wäre fahrlässig, dem FMO dieses Darlehn nicht zu gewähren. Es würde unsere regionale Wirtschaft sogar empfindlich schwächen. j.fays@ noz.de
Autor:
Jean-Charles Fays


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