User Online: 3 | Timeout: 09:13Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Teures Klimapaket für Verbraucher?
 
Klimaneutral mit Atomkraft?
Zwischenüberschrift:
BDI: Vier-Personen-Haushalt könnte zwischen 300 und 500 Euro mehr zahlen
 
Beim EU-Gipfel kocht ein alter Streit um saubere Energie hoch
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Berlin Klimaschutz kostet Geld. Das werden nach Berechnungen des Bundesverbands der Industrie (BDI) Haushalte und Autofahrer spüren. Eine interne Modellrechnung, die aus den Reihen des BDI an die Öffentlichkeit gelangte, hat ein starkes Echo ausgelöst.

Eines der Fallbeispiele zu den Folgekosten des Klimapakets besagt dies: Für einen Vier-Personen-Haushalt in einem 120 Quadratmeter-Reihenhaus mit Ölheizung liegt bei Nutzung eines VW Passat Diesel mit einem Durchschnittsverbrauch von 4, 6 Litern auf 100 Kilometern die jährliche Mehrbelastung im Jahr 2025 bei rund 300 Euro wenn es beim derzeit vom Klimakabinett vorgesehenen CO2-Preis von 35 Euro je Tonne bleibt.

Sollte der CO2-Preis nach 2025 auf 60 Euro je Tonne steigen, würde das Leben des beispielhaften Vier-Personenhaushalts deutlich teurer: Er müsste insgesamt 509 Euro im Jahr mehr ausgeben, davon 378 Euro mehr für die Heizung und 131 Euro mehr für das Auto. Ein CO2-Preis von 80 Euro würde die Familie 2030 mit 679 Euro jährlich zusätzlich belasten.

Nach dem Vorschlag des Umweltministeriums soll ein Preis von 80 Euro sogar schon 2023 erreicht werden. Die Zusatzbelastung läge dann 2026 für den beschriebenen Modell-Haushalt bei mehr als 1000 Euro im Jahr. 2030 sind danach 1527 Euro jährliche Mehrkosten zu erwarten.

FDP-Chef Christian Lindner äußerte sich im Gespräch mit unserer Redaktion besorgt. Klimaschutz darf nicht zur Frage des Geldbeutels werden. Ich wundere mich deshalb über die SPD, die den CO2-Preis politisch in die Höhe treiben will.″ Laut Lindner zahlen die Rechnung am Ende Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen, die keine Alternative zum Auto hätten. Wir brauchen stattdessen Investitionen in klimafreundliche Technologien wie Wasserstoff oder synthetische Kraftstoffe. Mit den richtigen Ideen kann Deutschland auch in Zukunft wirtschaftlich vorne mitspielen″, sagte Lindner.

Auch die Wirtschaft ist alarmiert. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat angesichts der ehrgeizigen Klimaschutzziele von EU und Bundesregierung davor gewarnt, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen auf der Strecke bleibt″. DIHK-Präsident Eric Schweitzer sagte unserer Redaktion: Wenn es für die Mehrkosten aus der neuen nationalen CO2-Bepreisung für Wärme, Verkehr und kleinere Industrieanlagen keinen angemessenen finanziellen Ausgleich gibt, fehlen vielen Betrieben die Mittel für Investitionen.″

Schon heute seien die Stromkosten, die der Mittelstand in Deutschland tragen müsse, im internationalen Vergleich äußerst hoch″. Die mit dem Green Deal″ von der EU-Kommission vorgeschlagene weitgehende Treibhausgasneutralität erfordere zusätzlich massive finanzielle Anstrengungen″. Die Unternehmen müssten daher ganz konkret dazu befähigt werden, zum Klimaschutz beizutragen″, betonte Schweitzer. Klimaschutz zum Nulltarif″ sei nicht zu haben.

Der DIHK-Präsident forderte die Politik auf, den Betrieben Spielraum für Investitionen zu schaffen, indem beispielsweise die Hürden für die Eigenversorgung mit erneuerbaren Energien abgebaut würden. Der Green Deal″ sollte darauf ausgerichtet werden, ein positives Investitionsklima in der EU zu schaffen. Bisher bleiben Wirtschaftswachstum und Wertschöpfung in Europa lediglich ein Versprechen der Europäischen Kommission″, kritisierte Schweitzer.

Kommentar
Niemand sollte sich blenden lassen

Die Bedrohung durch den Klimawandel darf nicht unterschätzt werden. Hysterischer Aktionismus im falschen Glauben eines nahenden Weltuntergangs hilft aber ebenso wenig weiter wie eine fast schon religiöse Huldigung eines 16-jährigen Mädchens aus Schweden.

Von der messianischen Überhöhung Greta Thunbergs sollte sich jedoch niemand blenden lassen: Wer Klimaschutz betreiben will, darf nicht Demokratie und Marktwirtschaft infrage stellen, sondern muss auf technischen Fortschritt und innovative Firmen setzen.

Weltklimakonferenzen gab es schon, da war Greta noch nicht geboren. Beängstigend ist heute, wie sehr Radikalität und Dogmatismus die Debatte vergiften. Da ruft Europa den Klimanotstand aus; da wollen Aktivisten das System überwinden. Da wird das Ideal der Freiheit durch Verzicht und Verbote ersetzt und über Belohnungssysteme für Umweltbürger nachgedacht. Ein Irrweg, der nicht in eine Art Öko-Diktatur münden darf.

Deutschland muss vielmehr alles daransetzen, ein nachhaltiges Wohlstandsmodell zu entwickeln, das in der Welt Vorbildcharakter hat. Das wird nur funktionieren, wenn hiesige Unternehmer, Arbeitnehmer und deren Familien von einem Green Deal profitieren. Gelingt das nicht, gewinnen die Prediger des Konsumverzichts und der Deindustrialisierung, dann gibt es Grund zu Pessimismus, zu großem.

m.clasen@ noz.de

Brüssel Ein bengalisches Feuerwerk an der Fassade der Brüsseler EU-Kommission, ein langes Banner mit der unübersehbaren Aufschrift Klimanotstand″: Aktivisten der Umweltorganisation Greenpeace hatten gestern dafür gesorgt, dass die in Brüssel eintreffenden Staats- und Regierungschefs nicht übersehen konnten, wozu sie eigentlich hergekommen waren.

Die globale Erwärmung schreibt uns vor, was wir zu tun haben″, bemühte sich die neue Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, ihren Green Deal″ vom Vortag zusammenzufassen. Eine Einigung auf die Klimaneutralität in der ganzen EU bis 2050 wäre ein starkes Zeichen″, betonte auch Kanzlerin Angela Merkel und setzte hinzu: Ich hoffe, dass es gelingt.″ Tatsächlich waren es nur 25 der 28 Mitgliedstaaten, die schon vor der abendlichen Diskussion ihre Entschlossenheit zur Klimaneutralität bekundet hatten. Und prompt begannen die Meinungsverschiedenheiten.

Denn auf dem Weg zu einer CO2-freien Zukunft stolperte die Union regelrecht über ein Thema, das die Kommission eigentlich gerne rausgehalten hätte: die Kernkraft. Ohne Atomenergie erreichen wir die Klimaneutralität nicht″, stellte der tschechische Ministerpräsident Andrej Babis fest. Polen, Tschechien und Ungarn fürchten die gewaltigen Umstiegskosten auf erneuerbare Energien.

Verständnis von Macron

Ob die Kernenergie sogar eine Renaissance erlebt, weil etliche EU-Regierungen sie als grüne Investition″ anerkennen wollen, ist umstritten. Unterstützung bekamen die Atomfreunde vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der Verständnis für jene Länder forderte, die zur Erreichung der Klimaziele wieder auf Kernenergie setzen. Und dabei auch seinen eigenen Energiemix zu Hause im Blick hatte. Denn Frankreich bezog 2018 rund 72 Prozent seines Strombedarfs aus der Atomenergie.

Dass der Gipfel sich schwertun würde, war absehbar zumal die gewaltigen Investitionen für die ökologisch-ökonomische Revolution noch nicht absehbar sind. Kommissionschefin von der Leyen hatte am Mittwoch von rund 260 Milliarden Euro gesprochen, die jährlich fällig würden.

Dabei ist zwölf Monate, bevor eine Einigung über den Finanzrahmen ab 2021 stehen muss, nicht einmal die Spur eines Kompromisses erkennbar. Die Kommission fordert einen Sieben-Jahres-Etat von 1, 135 Billionen Euro, das wären 1, 114 Prozent der EU-Wirtschaftsleistung. Deutschland, Österreich und andere sind aber zu gerade mal einem Prozent bereit.

Denn in Berlin hat man nachgerechnet. Durch den Brexit kommen auf Deutschland zusätzliche Kosten zu. Wegen der gut laufenden Konjunktur muss Berlin aber sowieso tiefer in Tasche greifen. Das macht pro Jahr netto 30 Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt, bisher waren es 13, 5 Milliarden. Ohne Einigung in dieser Frage kann von der Leyen aber keine Klimaschutz-Pakete schnüren.

Bildtext:
Andrej Babis
Foto:
AFP
Autor:
Beate Tenfelde, M. Clasen, Detlef Drewes


Anfang der Liste Ende der Liste