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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Hoffnung für Gläubiger zerschlagen
 
180-Millionen-Einigung gescheitert
Zwischenüberschrift:
Karmann-Insolvenzverwalter bricht Gespräche ab – Bereits über 2000 Verhandlungen
Artikel:
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Originaltext:
OSNABRÜCK. Die Hoffnung von mehr als 7000 Gläubigern des insolventen Autobauers Karmann auf eine schnelle Auszahlung einer 180-Millionen-Euro-Überweisung des Osnabrücker Finanzamtes hat sich zerschlagen. Nach Informationen unserer Zeitung sind die Gespräche zwischen Insolvenzverwalter Ottmar Hermann und den Karmann-Gesellschaftern um eine Einigung auf die Steuerrückzahlung gescheitert. Darüber hat Hermann den Gläubiger-Ausschuss in einem Rundschreiben informiert.
Die Karmann-Gesellschafter beanspruchen offensichtlich einen so großen Teil der Millionen-Rückzahlung für sich, dass Hermann nicht bereit ist einzuwilligen. Damit landet der Streit Ende Sepember wieder vor dem Osnabrücker Landgericht, nachdem der Versuch eines Vergleichs bereits nach weniger als 14 Tagen gescheitert ist.
Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass rund um die Karmann-Insolvenz seit April 2009 insgesamt fast 2100 Verhandlungen vor Osnabrücker Gerichten geführt worden sind.

OSNABRÜCK. Die 7000 Karmann-Gläubiger werden wohl noch lange auf ihr Geld warten müssen. Mit der 180-Millionen-Rückzahlung des Finanzamtes wollte Insolvenzverwalter Ottmar Hermann eigentlich schnell offene Forderungen begleichen. Ein Vergleich mit den Gesellschaftern ist nach Informationen unserer Zeitung jetzt aber gescheitert. Die Steuerberaterkammer rechnet mit einer Prozessdauer von mindestens fünf Jahren.

Eigentlich stand der Sieger bereits fest. In einer vorläufigen Stellungnahme erklärte Landgerichtspräsident Antonius Fahnemann Ende August, dass die 180 Millionen Euro bei einem Urteil wohl der insolventen Karmann-Betriebsgesellschaft zugesprochen werden. Der Richter warnte, dass ein Ausfechten des Streites bis zum Bundesgerichtshof ein endgültiges Urteil dennoch um Jahre verzögern würde. Er riet deshalb beiden Parteien zu einer gütlichen Einigung. Die Finanzbehörde hatte das Geld als zu viel gezahlte Steuernan die Karmann-Gesellschafter zurück überwiesen.
Ottmar Hermann beansprucht die Millionen allerdings für die insolvente Karmann-Betriebsgesellschaft und damit für die Gläubiger. Der Frankfurter Jurist fürchtet mindestens 50 Millionen Euro Zinsverlust, wenn der Streit bis zur letzten Instanz ausgefochten werden muss. Deshalb zeigte Hermann trotz der guten Aussichten für ein Urteil zu seinen Gunsten großes Interesse an einem Vergleich.
Vergebens: Bereits nach weniger als 14 Tagen sind diese Geheimverhandlungen nun gescheitert. In einem Rundschreiben an den Gläubiger-Ausschuss hat Hermann das Ende der Bemühungen um eine Einigung mitgeteilt. Die Forderungen der Gesellschafterseite seinen schlicht nicht annehmbar.
Wie groß der Anteil ist, den die Gesellschafter von dem Millionen-Kuchen abhaben wollen, ist nicht bekannt. Alle Parteien hüllen sich auf Nachfrage in Schweigen. Am 28. September trifft man sich vor Gericht wieder.
Horst Schade, Vizepräsident der niedersächsischen Steuerberaterkammer, rechnet damit, dass es nun zu einer Prozessdauer von mindestens fünf Jahren kommen könnte. Zwischenzeitlich wurde bekannt, dass seit der Karmann-Insolvenz im April 2009 die Osnabrücker Gerichte fast 2100 Verhandlungen rund um die Firma geführt haben. Davon allein 2004 Fälle vor dem Arbeitsgericht, erklärte dessen Pressesprecher Thomas Schrader. Davon seien lediglich 103 Verfahren noch nicht entschieden. Das sei nur möglich gewesen, weil das Gericht zwei zusätzliche Richter eingesetzt habe, die sich ausschließlich mit den Karmann-Klagen beschäftigten.

KOMMENTAR
Unbegreifliches Taktieren

Der Streit um die Karmann-Millionen ist leicht verständlich und dennoch unbegreiflich. Es geht um die gewaltige Summe von 180 Millionen Euro, die verständlicherweise Begehrlichkeiten weckt: beiden 7000 Gläubigern, beiden Gesellschaftern und bei vielen beteiligten Anwälten, die sich bei diesem Streitwert ein saftiges Honorar erhoffen. Das alles ist verständlich.
Unbegreiflich ist aber, warum die Karmann-Gesellschafter ihren Widerstand nicht aufgeben und stärker zu einer Lösung des Konfliktes beitragen. Selbst das Landgericht Osnabrück hat den Ausgang des Prozesses bereits vorweggenommen das Geld steht den Gläubigern zu.
Die Streitlust der Gesellschafter-Anwälte scheint Zermürbungstaktik. Man sperrt sich so lange gegen einen Vergleich, bis die andere Seite bereit ist, einen stattlichen Anteil des Millionen-Betrages abzugeben. So läuft das unter Gegnern.
Aber auf der anderen Seite sitzen keine Gegner. Im Gegenteil: Es sind jene, die dazu beigetragen haben, dass Karmann in den vergangenen Jahren diese Millionen überhaupt erst verdienen konnte. Unter den Gläubigern sind Tausende ehemalige Mitarbeiter und Auto-Zulieferer, die durch die Pleite des Traditionsunternehmens unverschuldet in Not geraten sind.
Mit einer Geste der Großzügigkeit könnten die Gesellschafter die Auszahlungdes Geldes ermöglichen und so diese Not lindern. Aber sie sperren sich. Das macht wütend.
s.prinz@ noz.de
Autor:
Stefan Prinz


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