User Online: 1 | Timeout: 15:57Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Einschmelzen lohnte sich nicht
Zwischenüberschrift:
Diese Monstranz steht für viele Glaubenskonflikte
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Hätten Gegenstände eine Stimme, so könnten sie interessante Geschichten erzählen. Die Monstranz aus der Katharinenkirche im Kulturgeschichtlichen Museum ist ein solches Objekt. Sie verkörpert in sich die gesamte Religionsgeschichte vom Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit.

Im Mittelalter bildete die Hostienverehrung den Mittelpunkt der sakramentalen Frömmigkeit. Seit dem 13. Jahrhundert wurde die Hostie beim Abendmahlsopfer während der Wandlung vom Priester erhoben, um sie auch den Gläubigen sichtbar zu machen, die von der eigentlichen sakramentalen Handlung ferngehalten wurden. Bei der Fronleichnamsprozession wurde die Hostiein einer Monstranz ausgestellt und durch die Straßen und Felder getragen.
Turmmonstranzen wie die aus der Katharinenkirche entstanden im 15. Jahrhundert. Sie entsprechen stilistisch der damaligen gotischen Kirchenarchitektur und wirken wie kleine Kirchtürme. Dies sollte die Gläubigen daran erinnern, dass der Leib Christi wie in der Monstranz auch in der Kirche gegenwärtig ist.
Die Reformation wandte sich gegen solche rituellen Handlungen. Als Martin Luther 1517 in Wittenberg einen offenen Brief mit 95 Thesen zum Ablass wesen an den Mainzer Erzbischof schrieb, löste er die Spaltung der alten Kirche in Katholiken und Protestanten aus. Der Konflikt brachte europaweite Veränderungen. In der Reformation gipfelte eine schon ältere Kritik an der Kirche. Die Kernaussage der neuen protestantischen Lehre war die Vorstellung, dass der Christ allein durch seinen Glauben gerechtfertigt ist. Damit wurden kultische Handlungen wie die Prozessionen im evangelischen Glaubensverständnis überflüssig.
In Osnabrück predigte erstmals 1521 der Augustinermönch Hecker in der Augustinerkirche nach der neuen Lehre. Offiziell wurde sie jedoch erst 1543 vom Rat eingeführt. Am 2. Februar 1543 hielt der Luther-Schüler Hermann Bonnus in der Marienkirche den ersten evangelischen Gottesdienst. Bonnusverfasste eine evangelische Kirchenordnung, die der Bischof am 11. Mai 1543 bestätigte. Die Monstranz aus der Katharinenkirche, die mit der neuen Kirchenordnung protestantisch wurde, hatte ihre ursprüngliche Funktion verloren. Aufgrund ihres geringen Metallwertes lohnte es nicht, sie einzuschmelzen. So blieb sie erhalten.

Vergessen und reaktiviert

In der kurzen Phase der Rekatholisierung, die die protestantischen Pfarrkirchen der Stadt im Dreißigjährigen Krieg erlebten (1628–1633), wurde die ausgemusterte Monstranz reaktiviert. Sie erhielt sechs neue zeitgemäße Medaillons. Mit der Besetzung der Stad tdurch die protestantischen Schweden und die nachfolgenden Regelungen des Westfälischen Friedens wurde die Katharinenkirche wieder evangelisch.
Die Monstranz geriet erneut in Vergessenheit. Erst in den 1830er-Jahren wurde sie wiederentdeckt. Sie lag zertrümmert auf dem Dachboden der Kirche, wurde zunächst privat aufbewahrt und gelangte nach dem Zweiten Weltkrieg ins Museum.

Bildtext:
Vor über 500 Jahren entstand diese gotische Turmmonstranz aus St. Katharinen.
Foto:
Jörn Martens
Autor:
Thorsten Heese


Anfang der Liste Ende der Liste