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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Denkanstöße für den Neumarkt
Zwischenüberschrift:
Dialog zwischen Kunst und Städtebau: Emaf und Plan B treffen sich
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Leer stehende Räume sind längst zum Symbol geworden für städtebauliche Planlosigkeit. Am Osnabrücker Neumarkt herrscht diesbezüglich ein besonders auffälliger Stillstand. Deshalb ist mit der ehemaligen Sportarena″ der Ort gut gewählt, an dem das European Media Art Festival (Emaf) und die Konzeptgruppe Plan B eine Veranstaltung anberaumt haben, die eine Symbiose zwischen Filmkunst und Stadtplanung herzustellen trachtet.

Das internationale Festival für Film und Medienkunst ist schon seit mehr als 30 Jahren in der Stadt beheimatet, die Bürgerinitiative um Kulturberater und Entwicklungsplaner Reinhart Richter herum entstand erst vor zwei Jahren. Schon damals sei abzusehen gewesen, dass der Investor des geplanten Einkaufszentrums sich zurückziehen werde, weshalb man aus dringendem Handlungsbedarf″ ein Alternativkonzept entwickelt habe, sagt der daran beteiligte Architekt Stephan Zech. Als gebürtiger Osnabrücker kehrte er vor rund fünf Jahren in seine Heimatstadt zurück, nachdem er lange Zeit im Ausland und in Hamburg gelebt und gewirkt hatte.

Welche unabsehbaren Folgen ein Einkaufszentrum nicht nur für den Einzelhandel in einer Innenstadt haben kann, weiß Zech nur allzu gut. Abgesehen davon, dass es sich aufgrund des florierenden Online-Handels um ein Auslaufmodell″ handele, ließe sich ein solch großer, monofunktionaler Stadtbaustein″ ohne natürliche Belichtung und Belüftung später kaum als Raum für Wohnungen oder Büros nachnutzen″, gibt er zu bedenken. Deshalb schwebe Plan B ein demgegenüber hybrides Quartier″ vor, das die Johannistraße einbinde und in dem man nicht nur einkaufen, sondern auch arbeiten, wohnen und ausgehen könne. Die Stadtbibliothek könne dafür ein wichtiger Baustein″ sein, wenn sie dort etwa mit Workshop- oder Veranstaltungsangeboten auch als öffentliches Kompetenzzentrum″ und rund um die Uhr geöffneter Ort der Begegnung über soziale Schichten hinweg″ diene, führt er weiter aus.

Nicht nur als Architekt, sondern auch als in der Stadt lebender Bürger möchte Zech einen Beitrag dazu leisten, dass die große offene Wunde in ihrem Herzen menschendienlich geschlossen wird. Inspiration dafür ziehe man auch aus einem geweiteten Blick auf andere Städte und Quartiere, weshalb es für ihn keine Frage war, als Vertreter von Plan B der Einladung des Emaf zu folgen, durch einen Vortrag nicht nur im Anschluss, sondern auch mit thematischer Rückbindung an ein rund einstündiges Filmprogramm mit den Besuchern in Dialog und Diskussion″ zu treten.

Über die konkrete Vorstellung von Plan B″ hinaus soll dabei auch ganz allgemein über Stadt und Architektur nachgedacht werden. Den Anstoß dafür werden drei Filme liefern, die sich dem Themenkomplex auf ganz unterschiedliche Weise nähern. In Divina Obsesión″ geschieht dies aus der Perspektive des Verkehrs, der sich dort buchstäblich im Kreis dreht, und im Musikvideo Der Investor″ aus jener von Kreativen″, die urbane Leerstellen″ erobern und besetzen. In Bigger than Life″ wird schließlich der staatlich verordnete und subventionierte Umbau der gesamten Innenstadt Skopje geschildert. Da dieser neoklassizistisch allein einer antiken Tradition folgt, die es in dieser Reinform nie gegeben hat, blendet er die multiethnische Geschichte und Realität der mazedonischen Hauptstadt völlig aus und sorgt bei einem Großteil ihrer Bevölkerung für ein Gefühl von Heimatlosigkeit und Vertreibung″, wie Katrin Mundt es ausdrückt, die für das Emaf-Filmprogramm verantwortlich zeichnet.

Bei allen Chancen für eine städtebauliche Aufwertung sieht Mundt auch im Falle des Neumarkts die damit einhergehende Gefahr der Gentrifizierung. Daher sei es ihr bei der Filmauswahl für den Themenabend auch gar nicht so sehr um Architektur gegangen, sondern vielmehr darum, wie Menschen sich eine Stadt aneignen, sie benutzen und sich darin zu Hause fühlen″, betont Mundt und bezieht das auch auf das Emaf, das jenseits des eigentlichen Festivaltermins zunehmend Veranstaltungen auch über das Jahr″ anbiete und dabei nicht nur museal″ klassische Kinosäle bespielen wolle, sondern eben auch unkonventionelle Orte wie die ehemalige Sportarena″. So wird bereits räumlich eine Brücke zum Thema gebaut.

Bildtext:
Menschen in Stadträumen: Auch die Verwendung von alten Bahnhofsgebäuden, wie hier im Musikvideofilm Der Investor″, ist in Osnabrück ein Thema.
Foto:
Emaf
Autor:
Matthias Liedtke


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