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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Wir sitzen bis zum Hals in Gülle″
Zwischenüberschrift:
Staatssekretäre aus Hannover am Dümmer: Wenig Hoffnung auf schnelle Hilfe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
LEMBRUCH. Als Landtagsmitglied Karl-Heinz Klare( CDU) noch von einem ersten Schritt″ spricht, der gemacht worden sei, verlassen viele Anwesende kopfschüttelnd den kleinen Raum am Ufer des Dümmers. Zwei Staatssekretäre aus Hannover waren gekommen, um mit den Anwohnern des Binnensees über die Algenplage zu diskutieren. Doch Hoffnung auf schnelle Hilfekonnten sie den Leidgeplagten nicht machen.

Die Anwohner bangen inzwischen zum Teil um ihre Existenz. Wir sitzen bis zum Hals in Gülle″, sagt Wilhelm Beckmann von der Wettfahrgemeinschaft Dümmer und bringt damit die Verzweiflung vieler auf den Punkt. Das Wasser verschwindet unter einer Algenschicht, tonnenweise Fische sterben, Gestank zieht über den Dümmer. Nun kommt auch noch eine Mückenplage hinzu. Die Folge: Die Touristen bleiben weg. Wenn sich nicht schnell etwas ändert, können wir den Laden hier dichtmachen″, sagt Kommunalpolitiker Hermann Dannhus( CDU).
Doch die Staatssekretäre Friedrich-Otto Ripke (CDU) und Stefan Birkner (FDP), die auf Einladung der örtlichen Landtagsabgeordneten zum Dümmer gekommen sind, haben kein Patentrezept in den Aktentaschen. Sieversprechen den Zuhörern überwiegend Bürgermeister und Landkreisvertreter aus dem Dümmer-Umfeld kurzfristig 100 000 Euro an Landesmitteln in die Erforschung des Großschilfpolders zu stecken.
In ihn setzen viele ihre Hoffnungen. Als eine Art Kläranlage soll der Polder den Eintrag von Phosphat inden Dümmer durch die Hunte abmildern und so das Algenwachstum bremsen. Ob das funktioniert, ist ungewiss. Was feststeht: Der Polder kostet bis zu 20 Millionen Euro. Etwa zehn Millionenhatte das Land als Besitzer des Dümmers bereits in die Umleitung eines Baches investiert, der ebenfalls Phosphat in den Dümmer transportiert. Hinzu kommen 6, 3 Millionen Euro, die seit 1989 in Ausbaggerungen von rund einer Million Kubikmeter Schlamm gesteckt wurden. Doch all das hat bislang nicht gereicht.
Die Staatssekretäre betonen gleich mehrmals ihre Betroffenheit. Wir sind uns bewusst, dass diese Situation eine ernsthafte Einbuße für die Lebensqualität ist″, sagt Stefan Birkner, schiebt abergleich hinter her: Es gibt aus unserer Sicht keine kurzfristige Lösung.″ Immerhin wolle man die Suche von seiten des Umweltministeriumsnun mit höherem Nachdruck voranbringen″.
Ewald Spreen, Bürgermeister der Samtgemeinde Lemförde, überreichte auch im Namen der Städte Diepholz und Damme eine Resolution an die Staatssekretäre, in der er schnelleres Handeln forderte. 335 Vollzeitstellen am Dümmer sind gefährdet″, sagte der parteilose Politiker.
Der See gehört dem Land Niedersachsen, aber die Anlieger-Gemeinden kommen wohl nicht darum herum, selbst in die Rettung des Dümmers zu investieren. Wenn Ihr Geld wollt, dann muss es Euch auch etwas wert sein″, sagt Staatssekretär Ripke. Die Anwohner haben neben dem Polder noch andere Ideen, wie sie die Algen loswerden können. Einer schlägt vor, den Dümmer für ein Jahr trocken zulegen und dann grundlegend auszubaggern. Ein Vorschlag, der zwar belächelt wird, aber die Verzweiflung vor Ort deutlich macht. Fleißig notieren die Staatssekretäre auch diese Idee und nehmen neben der Resolution gleich mehrere vollgeschriebene Zettel mit zurück nach Hannover.
In den Ministerien soll nun überlegt werden, wie es weitergeht und dabei sollen dann auch die Dümmer-Anwohner mitreden dürfen, verspricht Staatssekretär Ripke. Denen geht das alles zu langsam. Das wird dann vielleicht in vier, fünf Jahren etwas. Bis dahin ist hier nichts mehr los″, schimpft einer, als er den kleinen Raumam Dümmerufer verlässt.

Bildtext:
Das grüne Übel: Was Christiane Peistrup vom Segler-Club Dümmer hier zeigt, ist Wasser aus dem Dümmer.
Foto:
Dirk Fisser
Autor:
Dirk Fisser


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