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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Klima-Apokalypse ist Schwachsinn″
Zwischenüberschrift:
Warum die Uni Osnabrück einem „Wissenschaftsfeind″ das Wort gibt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Geht die Welt unter, wenn wir das Klima nicht schützen? Physiker Jörg Huber aus Frankfurt will ausgerechnet im Osnabrücker Schloss erklären, warum er solche Apokalypse-Warnungen von Politik und Wissenschaft für Schwachsinn″ und Aberglauben″ hält.

Es wird also ein Vortrag mit Zündstoff, den Huber am 26. November im Schloss, dem Sitz der Universität Osnabrück, halten soll (Beginn 19 Uhr, Raum 11/ 212). Und so viel sei verraten: Die wissenschaftsfeindlichen Thesen″ des Physikers aus Frankfurt schmecken der Hausherrin überhaupt nicht. Gleichwohl zeigt sie sich tolerant und überlässt dem Provokateur die Bühne. Huber referiert auf Einladung der Osnabrücker Studenteninitiative Kritik und Intervention″. Auch die Philosophische Initiative Sprünge″ ist als Veranstalter mit im Boot.

Bereits in der Ankündigung seines Auftritts teilt Huber kräftig aus. Unter dem Titel Zur Kritik der Politischen Ökologie″ unterstellt er eine von den Vereinten Nationen institutionalisierte Kooperation zwischen Wissenschaft und Propaganda″, die das Thema Klimawandel routiniert in einer medialen Endlosschleife″ halte. Daraus resultiere ein Öko-Aktionismus mit kopflosen Ge- und Verbotsforderungen″, sodass man sich fragen müsse, wie daraus eine durchschlagende irrationale politische Bewegung″ werden konnte.

Politische Ökologie, führt der Referent aus, verbreite ungeniert abergläubische Apokalypse-Warnungen vom Typus: Mutter Natur braucht unseren Schutz oder wir müssen mit ihr gemeinsam zugrunde gehen″. Einem solchen Leitbild sei kaum noch vernünftig″ zu begegnen, meint Huber: Diesen Schwachsinn immer wieder mit naturwissenschaftlichen Argumenten neu zu widerlegen hat sich längst als fruchtlose Sisyphusarbeit erwiesen.″Uni will Konfrontation

Ökologie-Experten seien heute kaum mehr darauf angewiesen, dass ihre Verfahren einer genauen Überprüfung in der Wirklichkeit″ standhalten. Es reiche weiten Teilen der Öffentlichkeit, wenn sie sich über die drohende Zukunft einig seien. Mit Blick auf die von Klimaforschern stets herangezogenen Prognosedaten bemerkt der Referent, naturwissenschaftliche Wahrheit und ein prophetischer Konsens″ seien auch dann nicht das Gleiche, wenn er mithilfe von Rechenmaschinen hergestellt″ werde.

Ohnedies scheine für Anhänger des Öko-Fatalismus″ vor allem das gute Gefühl zu zählen, wenigstens selbst ein bisschen etwas für unsere bedrohte Natur und Zukunft getan zu haben″. Huber: Sie klammern sich an jeden Plastik-Strohhalm, den sie bewusst eingespart haben, um zu beweisen, dass es gerade jetzt auf ihr persönliches Handeln angeblich ankommt.″

Kann die Uni Osnabrück das stehen lassen? Auf Anfrage unserer Redaktion erklärt Präsidentin Susanne Menzel, Hochschulen müssten sich gerade in Zeiten zunehmender Wissenschaftsfeindlichkeit auch dem kritischen Diskurs stellen″. Die von Huber vorgetragenen Thesen seien zum größten Teil wissenschaftlich nicht haltbar″ oder hätten gar nicht den Anspruch, auf einem wissenschaftlichen Fundament zu stehen″. Dies gefalle ihr selbstverständlich nicht″, sagt Menzel, selbst Professorin der Biologiedidaktik. Aber als Universität scheuen wir die Konfrontation mit Pseudowissenschaft auch nicht.″ Die Präsidentin betont: Wir dürfen uns der Verantwortung, Wissenschaft aktiv zu verteidigen, nicht entziehen.″

Grenzen seien erreicht, wenn verfassungsfeindliche, menschenverachtende Thesen aufgeworfen werden. Solchen Menschen bleiben unsere Türen verschlossen.″

Bis dahin gelte die Meinungsfreiheit. Menzel: Eine studentische Initiative hat entschieden, dass es gut ist, den Diskurs aufzugreifen. Das respektiere ich. Solange unsere Verfassung gewahrt bleibt.″

Gelassen bis süffisant reagieren die Osnabrücker Scientists for Future (S4F) auf den bevorstehenden Huber-Vortrag. Für die Ortsgruppe, der sich bislang gut 80 Wissenschaftler und Studenten aus unserer Region angeschlossen haben, um die berechtigten und gut begründeten″ Anliegen der weltweiten Klimaschutz-Bewegung Fridays for Future zu unterstützen, stellt Sprecherin Carola Meyer fest: Es lässt sich nur noch einmal wiederholen, dass die in den Berichten des Weltklimarats IPCC diskutierten Klimamodelle durch die Daten der letzten Jahrzehnte vielfach bestätigt wurden.″ Mit jedem Jahr zeige sich, dass die Vorhersagekraft dieser Modelle das Beste ist, was uns momentan zur Verfügung steht″.Klimawandel-Vortrag

Im Übrigen, gibt die promovierte Physikerin der Uni Osnabrück zu verstehen, sei der für Hubers Auftritt reservierte Raum im Schloss vergleichsweise klein. Um ein Vielfaches kleiner jedenfalls als Hörsaal E01 in Gebäude 1 (Kolpingstraße 7), wo zurzeit immer mittwochs von 19 bis 21 Uhr die S4F-Vortragsreihe Klimawandel und Klimaschutz″ stattfinde. Nächste Veranstaltung sei am Mittwoch, 20. November, ein Referat von Professor Markus Große Ophoff: Der fachliche Leiter und Prokurist des Osnabrücker Zentrums für Umweltkommunikation einer Einrichtung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) spricht dann zum Thema Pariser Klimaschutzabkommen: Wie funktioniert das? Aktueller Stand und globale Erkenntnisse″. S4F-Sprecherin Meyer: Wir laden alle, die mehr verstehen wollen, herzlich dazu ein.″

Bildtext:
Die Fridays-for-Future-Bewegung, hier ein Bild vom Klimastreik Ende September in Osnabrück, erscheint dem Frankfurter Physiker Jörg Huber irrational″. Warum, darf er bei einem Vortrag an der Universität erklären.
Foto:
Archiv/ David Ebener
Autor:
Sebastian Stricker


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