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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Hunderte Stadtbäume vertrocknet
 
So kontrolliert die Stadt ihre 60 000 Bäume
Zwischenüberschrift:
Osnabrücker Baumpfleger im Dauereinsatz / Auch Schädlinge werden zum Problem
 
Schäden durch Trockenheit / Ein Sturm, und ein abgestorbener Ast kann abbrechen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Den Osnabrücker Bäumen geht es schlecht. Kranke und tote Exemplare fällen sowie abgestorbene Äste entfernen hat beim Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) derzeit hohe Priorität. Die Schäden gehen in die Hunderte″, sagt Thomas Maag, beim OSB verantwortlich fürs Stadtgrün.

Bei fast jedem zweiten Baum stellen seine Kollegen derzeit abgestorbene Äste fest. Und wie schlimm die Trockenheit in diesem Jahr den Bäumen zugesetzt hat, wird sich erst im nächsten Frühjahr so richtig zeigen. Es kann sein, dass wir dann Bäume haben, die gar nicht mehr austreiben werden″, sagt Maag.

Der Regen in diesem Herbst hilft nicht mehr viel. Zwei trockene Jahre in Folge haben den 20 000 Straßenbäumen und 40 000 Bäumen in Grünanlagen sowie auf Friedhöfen arg zugesetzt. Hinzu kommen die Bäume in den städtischen Wäldern. Auf dem Schölerberg werden Ende des Monats rund 60 verdurstete Bäume gefällt und auf dem Schinkelberg Anfang Dezember rund 40 jeweils überwiegend Buchen. Natürlich fallen Bäume nicht von heute auf morgen um″, so Maag. Aber irgendwann schon und der OSB muss die Verkehrssicherheit gewährleisten.

Birken sind die Ersten, die den Geist aufgeben″, sagt Thomas Maag. Ihr Wurzelwerk ist sehr flach. In den Osnabrücker Grünanlagen und auf den Friedhöfen zählt die Birke mit sieben und zehn Prozent zu den Hauptbaumarten. Bei der Linde ist es teilweise auch extrem″, so Maag. Jeder fünfte Straßenbaum ist eine Linde. Hinzu kommen die Schädlinge.″ Und damit meint Thomas Maag nicht den Eichenprozessionsspinner, sondern Pilze und Bakterien, die den durch die Trockenheit bereits geschwächten Bäumen weiter zusetzen.

Hilft es, wenn Anwohner den Baum vor dem eigenen Haus bewässern? Immer″, sagt Maag, vor allem bei Jungbäumen: Da ist jeder Liter wertvoll.″ Jetzt im Herbst und Winter sei eine Bewässerung nicht nötig. Doch im Frühjahr, wenn die Bäume austreiben wollen und es längere Zeit trocken ist, dann gerne. Bei stattlicheren Exemplaren von 1, 50 Meter Stammumfang allerdings sei ein Eimer Wasser ein Tropfen auf den heißen Stein. Solche Bäume brauchen mehrere 100 Liter Wasser täglich.″ Und trotzdem: Besser ein Tropfen als gar nichts.

Welche Bäume kommen mit den veränderten Klimabedingungen klar? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Stadt schon länger. Ende des Jahres will der OSB ein neues Stadtbaumkonzept vorlegen und im September erst hat der Osnabrücker Rat das Budget fürs städtische Baumpflanzprogramm erhöht.

Klimawandel heißt nicht, dass es keine harten Winter mehr gibt″, betont Experte Thomas Maag. Die Extremereignisse nehmen zu.″ Die neuen Bäume müssen ebenso mit Trockenphasen klarkommen wie mit Stürmen. Neben dieser sogenannten Klimaresilienz spielen auch der gewünschte Schatten und der Grundwasserspiegel bei der Auswahl eine Rolle. Und dann soll das Straßenbild auch noch möglichst einheitlich sein. Maag: Die Eier legende Wollmilchsau gibt es eigentlich nicht.″

Osnabrück Es ist eine Sisyphusarbeit. Jedes Jahr im Herbst statten Daniel Oelgeschläger und seine Kollegen beim Osnabrücker Servicebetrieb (OSB) jedem einzelnen der 60 000 Stadtbäume einen Besuch ab und protokollieren seinen Zustand. In diesem Jahr sieht es nicht gut aus.

Wir treffen uns in der Abbiostraße vor der Grundschule Widukindland, und mit ein paar Schritten sind wir in einem kleinen Waldstück. Am Rande des Spazierweges stehen zahlreiche Buchen. Ein Blick nach oben in die Krone der vordersten, und selbst dem Laien ist klar: Diesem Baum geht es schlecht.

Die unteren Äste sind bereits abgebrochen, und die oberen sind kahl. Am Stamm hat sich außerdem ein weißer Pilz breit gemacht. Daniel Oelgeschläger zückt sein Tablet, wählt den Baum auf einer digitalen Karte als Punkt aus und vermerkt: stark geschädigt″. Hier werden bald die Baumpfleger vorbeikommen und entscheiden, ob der Baum gefällt werden muss oder nicht. Wäre Gefahr in Verzug, würde der gelernte Gärtner das sofort melden. Ein paar Schritte weiter ist eine weitere Buche betroffen. Und drei sind in diesem Sommer bereits gefällt worden, erzählt Oelgeschläger.

Mitte September hat der 31-jährige Gärtner seinen Kontrollgang gestartet. Der OSB hat die Stadt dafür in zwölf Reviere eingeteilt. Daniel Oelgeschlägers Revier umfasst das Widukindland und einen Teil des Stadtteils Schinkel, außerdem streift er die Dodesheide und die Gartlage. 6000 bis 7000 Bäume stehen in seiner Verantwortung. Der Herbst ist für Kontrollgänge die ideale Jahreszeit: Dann sind die Fruchtkörper von Pilzen gut zu sehen und noch hängen die Blätter an den Ästen, erläutert Oelgeschlägers Vorgesetzter Thomas Maag, beim OSB verantwortlich fürs Grün.Platane ohne Rinde

Zurück an der Straße, begutachtet Oelgeschläger eine Platane vor der Grundschule Widukindland, die einen Teil ihrer Rinde abgeworfen hat. Platane halt″, sagt der 31-Jährige. Wirft die Rinde ab, denn die wächst nicht mit. Wie eine Schlange, die sich häutet.″ Ansonsten geht es diesem Baum prächtig. Auf einem digitalen Stadtplan ist die Platane wie jeder andere Baum als Punkt eingetragen. Oelgeschläger tippt den Punkt an, und es öffnet sich eine Maske. Fäule, Pilzfruchtkörper″, wählt er aus. Moment mal, er hat doch eben noch gesagt, dass es dem Baum gut geht! Der Gärtner zeigt auf den Wurzelballen. Kaum erkennbar ist dort eine kleine offene Stelle. Wenn man öfters das Revier abläuft, dann sieht man das.″ Aber der Schaden ist winzig. So eine Macke an der Wurzel macht so einem gesunden Baum eigentlich nichts.″ Oelgeschläger protokolliert also als Gesamtzustand gesund bis leicht geschädigt″. Besser geht es in dem System nicht.

Den Platanen haben die letzten beiden trockenen Jahre nicht so sehr zugesetzt wie etwa Birken oder Linden. Die Platane ist sehr robust″, erklärt der Fachmann. Sie kommt aus Südeuropa.″ Warum nur Ginkgos?

Welche Bäume in welcher Straße stehen, ist teilweise der Mode der jeweiligen Zeit geschuldet. In der Heinrichstraße in der vorderen Wüste beispielsweise stehen ausschließlich Ginkgos die galten damals als schick. Und die Wüstenstraße ist dominiert von Baumhaseln, deren Früchte aussehen wie buschige Haselnüsse. Bei ihnen hatten die Grünplaner ein gutes Händchen bewiesen. Der Baum stammt aus dem vorderasiatischen Raum, weiß OSB-Grünexperte Thomas Maag. Er ist gut geeignet und sehr robust.″

Bei der gesunden Platane in der Abbiostraße richtet Baumkontrolleur Daniel Oelgeschläger sein Hauptaugenmerk auf anderes: Kommen die ausladenden Äste schon an die Straßenlaterne heran? Berühren sie die Hauswand? Dann müssen seine Kollegen mit der Säge ran und die Äste zurückschneiden. Doch die haben momentan schon genug damit zu tun, abgestorbene Äste aus anderen Bäumen zu entfernen, damit sie nicht zur Gefahr werden.

So romantisch, wie Oelgeschlägers Arbeit anmutet, ist sie nicht. Denn nicht überall stehen die Bäume in ruhigen Wohnstraßen oder Wäldchen, wo das Laub sich in Stille golden färbt. Seine Kontrollgänge führen den Gärtner auch an viel befahrene Straßen wie die Bohmter Straße. Immerhin steht dort auf den Fahrbahnteilern seine Lieblingsbaumart: der Liquidamber, der eine leuchtend rote Herbstfärbung hat und ansonsten dem Ahorn ähnelt.

Für dieses Jahr hat Oelgeschläger nun sämtliche Bäume in seinem Revier kontrolliert. Die Schäden von diesem Jahr sehen wir erst im nächsten Frühjahr″, sagt er, wenn die Bäume wieder austreiben oder nicht.″

Bildtexte:
6000 bis 7000 Bäume stehen im Revier von Daniel Oelgeschläger. Für sie trägt er die Verantwortung.
Jeder Osnabrücker Baum ist digital erfasst.
Dieser Buche geht es nicht gut. Sie könnte zur Gefahr werden.
Fotos:
Jörn Martens

Kommentar
Mein Freund, der Baum . . .

Es soll ja immer noch Menschen geben, die den Klimawandel leugnen oder die behaupten, dass er sie persönlich nicht betreffe. Vielleicht sollten diese Menschen mal einen Blick auf die Bäume in ihrer Straße oder in der nächsten Grünanlage werfen. Birken und Linden geht es schlecht und in Waldstücken am Schinkel- und Schölerberg wird die Stadt in den nächsten Tagen Buchen fällen müssen.

Es tut weh, 150 Jahre alten Bäumen beim Vertrocknen zusehen zu müssen. Bei stattlichen Exemplaren, die viele Meter tief wurzeln, hilft kein Gießen. Sie sind den neuen klimatischen Bedingungen in unseren Breitengraden hilflos ausgeliefert trockenen Sommern, Stürmen und anderen Extremereignissen.

Denn die aktuelle Wetterlage sollte nicht vergessen lassen, dass dieses und das vorige Jahr insgesamt zu trocken waren. Im nächsten Frühjahr wird sich anhand der Bäume, die nicht mehr austreiben werden, dann zeigen, ob die Schäden noch größer sind als bislang angenommen.

Wenn die Stadt nun ein neues Baumkonzept entwickelt, ist das global betrachtet nichts weiter als der Versuch, mit den neuen Klimabedingungen klarzukommen. Die Ursachen liegen woanders. Hier ist jeder Einzelne gefordert, darüber nachzudenken, was er fürs Klima tun kann. Die Bäume vor unseren Haustüren erinnern daran tagtäglich.

s.dorn@ noz.de
Autor:
Sandra Dorn


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