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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
„Hubi″ macht den Fahrplan überflüssig
Zwischenüberschrift:
Wie ein Robotershuttle in Osnabrück den ÖPNV revolutioniert
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Hubi″ erobert die Straße: Nach erfolgreichem Test auf dem Stadtwerke-Hof dreht der selbstfahrende Minibus jetzt Proberunden im Osnabrücker Wissenschaftspark. Dort soll er Fahrgäste auf Bestellung zur nächsten Linienbus-Haltestelle bringen oder von dort abholen. Fragen und Antworten zu einem einzigartigen Feldversuch.

Warum heißt der Minibus Hubi? Der Spitzname ist abgeleitet von dem Begriff Hub Chain″. So heißt das von den Osnabrücker Stadtwerken geleitete Förderprojekt, in dem seit 2018 daran getüftelt wird, wie sich ein getakteter und ein bedarfsabhängiger öffentlicher Nahverkehr sinnvoll kombinieren lassen. Das englische Wort hub″ steht dabei für Knotenpunkt, chain″ für Kette. Dahinter steckt die Idee, dünn besiedelte und vom ÖPNV bislang unzureichend erschlossene Gebiete etwa am Stadtrand oder auf dem Land durch neuartige Vehikel wie selbstfahrende, abrufbereite Shuttles mit dem örtlichen Linienbus-System zu verzahnen. Das Hub-Chain-Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird vom Bund mit drei Millionen Euro bezuschusst.

Wie läuft das Hubi-Experiment in Osnabrück ab? Der Praxistest besteht aus drei Teilen. Phase 1 startete im Juni 2019, als der fahrerlose und vollelektrische Minibus vom Typ Easymile EZ10 zunächst im geschützten Rahmen zeigen musste, was er kann und was nicht. Dazu drehte er knapp fünf Monate lang mit maximal Tempo 15 seine Runden auf dem Betriebshof der Stadtwerke, wo ihm ein 800 Meter langer Kurs mit sechs Haltestellen einprogrammiert worden war. Nach insgesamt über 1000 Kilometern, in denen Hubi mehr als 1000 Fahrgäste chauffierte, ist Projektleiterin Sandra van Tongern von der Zuverlässigkeit des knubbeligen Sechssitzers überzeugt: Hubi erkennt Hindernisse auf 80 Meter Entfernung und hält sofort an, wenn ihm plötzlich etwas in die Quere kommt. Von seiner fest vorgegebenen Fahrlinie weicht er dank Satellitensteuerung keine vier Millimeter ab.″ Nur einmal habe es fast gekracht, als das Roboterfahrzeug trotz seiner zahlreichen Sensoren und Kameraaugen die geöffnete Heckklappe eines parkenden Autos übersah. Grund: Sie befand sich in einem toten Winkel.

Wie geht der Praxistest weiter? In Phase 2 bewegt sich Hubi erstmals auf öffentlichen Straßen. Als Testgelände dient der Osnabrücker Wissenschaftspark. Hier soll das Fahrzeug vor allem im sogenannten On-Demand-Verkehr ausprobiert werden. Das heißt, Fahrgäste können das Shuttle per App anfordern, damit es sie rechtzeitig zur nächstgelegenen Bushaltestelle bringt oder von dort abholt. Am Westerberg steuert der Minibus auf einem erlernten, 1, 1 Kilometer langen Parcours vier Stationen an: Innovationscentrum Osnabrück (ICO), Albert-Einstein-Straße, Friedrich-Jansen-Straße und Sedanstraße. Es besteht Anschluss an die montags bis freitags alle 20 Minuten verkehrende Stadtbus-Linie 22 (Hauptbahnhof–Wissenschaftspark/ ICO). Hubi selbst ist an diesen Tagen zwischen 14 und 18 Uhr im Einsatz.

Wann genau beginnt der Test im Wissenschaftspark? Die Vorbereitungen vor Ort laufen seit dem 11. November. Sobald der Tüv den Versuchsaufbau abgenommen hat und die behördlichen Ausnahmegenehmigungen für die Testfahrten vorliegen, darf Hubi loslegen. Nach Angaben der Stadtwerke soll das im Dezember der Fall sein. Anfangs wird der Minibus in Dauerschleife kurven, sodass Nutzer zwar nach Belieben zusteigen, aber noch keine individuellen Fahrtwünsche anmelden können. Erst im Februar und März soll der persönliche Hol- und Bringdienst auf Abruf getestet werden.

Worauf müssen sich Autofahrer am Westerberg einstellen? Die Stadt Osnabrück richtet für die Dauer des Tests ein Parkverbot entlang des gesamten Rundkurses ein und erklärt die Sedanstraße vorübergehend zur Tempo-30-Zone.

Fährt Hubi wirklich ganz von selbst? Ja und nein. Grundsätzlich ist das Fahrzeug autonom unterwegs, wird also allein vom Computer gesteuert. Trotzdem ist immer ein sogenannter Steward an Bord, der Strecke und Verkehr überwacht und bei Bedarf per Hand eingreifen kann.

Welche Vorteile bietet On-Demand-Verkehr für Kunden und Anbieter? On-Demand-Verkehr macht den Fahrplan überflüssig″, sagt Werner Linnenbrink, Leiter Mobilitätsangebot bei den Osnabrücker Stadtwerken. Über eine speziell entwickelte Mobilitätsplattform im Internet buchbare Minibusse, die Fahrgäste nach Bedarf vollautomatisch gewissermaßen von der eigenen Haustür zu den Knotenpunkten übergeordneter Linien befördern (oder umgekehrt), seien etwas ganz Neues, das kennt die ÖPNV-Welt so noch nicht″. Das Wichtigste bei diesem Service, betont Linnenbrink, sei die Anschlussgarantie. Im Hub-Chain-Projekt kommunizierten Hubi und die Linie 22 in Echtzeit miteinander, damit das Shuttle zum Beispiel stets wisse, um wie viele Minuten der Stadtbus sich gegebenenfalls verspätet. Hubi wartet dann entsprechend länger an der Umstiegshaltestelle.″ Für Verkehrsunternehmen biete sich durch On-Demand-Verkehr die Chance, auch solche Gegenden an das ÖPNV-Netz anzubinden, die bislang vom Taktverkehr abgehängt sind.

Wer darf Hubi nutzen und was kostet das? Jeder darf mit Hubi fahren, und je mehr es sind, desto besser″, sagt Projektleiterin van Tongern. Denn die Stadtwerke wollen möglichst viel über das Kundenverhalten lernen: Welche Gruppen machen von dem Angebot mehr Gebrauch, welche weniger? Wie weit im Voraus wird der Service bestellt? Interessierte können ihre Fahrt mit Hubi schon jetzt über die Hub-Chain-App buchen, wenn sie sich zuvor im Internet auf der Seite hubchain.de als Testnutzer registrieren. Die Fahrt mit Hubi ist kostenlos.

Wird Hubi auch noch auf dem Land getestet? Ja, und zwar ebenfalls in unserer Region. Ursprünglich sollte der Praxistest Mitte 2020 in Mecklenburg-Vorpommern (Amt Röbel/ Müritz) fortgesetzt werden. Doch wie sich jetzt herausstellte, bietet die Landschaft dort zu wenig Punkte, an denen sich das autonome Fahrzeug orientieren kann″, erklärt Linnenbrink. Hubi werde deshalb nach seinem Einsatz in der Stadt auch im Landkreis Osnabrück unterwegs sein, und zwar voraussichtlich bis einschließlich Juli. Anschließend erfolge die Auswertung, ehe das Hub-Chain-Projekt Ende 2020 ausläuft.

Wann ist der On-Demand-Verkehr anwendungsreif? Stadtwerke-Chef Linnenbrink glaubt, dass ein entsprechender Service etwa ab 2022 in und um Osnabrück zum festen ÖPNV-Angebot gehören kann. Es gibt mehrere Bereiche in der Stadt, wo ich mir On-Demand-Verkehr mit kleinen Roboterwagen gut vorstellen kann.″ Aber bis die Shuttles völlig autonom fahren und nicht mehr von Stewards begleitet werden, dürften seiner Meinung nach mindestens drei weitere Jahre″ vergehen.

Bildtext:
Hubi vor dem ICO: Die Stadtwerke Osnabrück testen den selbstfahrenden Minibus als abrufbaren Shuttledienst auf öffentlichen Straßen.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Sebastian Stricker


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