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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Den Dümmer-Anwohnern stinkt′s
Zwischenüberschrift:
Blaualgen im Naherholungsgebiet: Ursachenbekämpfung kostet das Land Millionen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK/ DAMME. Den Anwohnern des Dümmers stinkt es gewaltig. Nicht nur, weil sich das Binnengewässer gerade mal wieder in eine miefige Brühe verwandelt. Auch die Tatsache, dass der Eigentümer das Land Niedersachsen ihrer Ansicht nach nichts dagegen unternimmt, macht sie wütend. Jetzt formieren sich die Leid geplagten zum Protest.

So etwas habe ich noch nie gesehen″, erzählt Thomas Bunte, der am Dümmer ein Ferienhaus besitzt. Er war mit seinem Boot auf dem See unterwegs. Doch von Wasser keine Spur. Der Bug pflügte durch Tonnen von toten Fischen. Seit Jahrzehnten fährt Bunte an das Gewässer nordöstlich von Osnabrück. Immer mal wieder machen sich Blaualgen breit, aber so schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie″, sagt Bunte.
Er ist die alljährliche Plage leid. Auf der Internetplattform Facebook hat er am Sonntagabend die Gruppe Rettet den Dümmer″ gegründet und innerhalb kürzester Zeit 400 Anhänger gefunden. Sie wollen auf das Problem aufmerksam machen. Wen? Hannover. Dort hängt der Dümmer in der Prioritätenliste hinten an″, vermutet Bunte.
Wenn der Segler von Hannover spricht, dann meint er die niedersächsische Landesregierung. Der See gehört dem Land. Niedersachsen kassiert eine sogenannte Befahrensgebühr für jedes Boot, das auf dem Dümmer unterwegs ist. So kommen im Jahr laut Umweltministerium rund 150 000 Euro zusammen. Erste Segelklubs behalten die Gebühr ein, weil sich an der Algen-Situation nichts ändert.
Dabei hatte die Landesregierung bereits in den 1980-ern beschlossen, das Problem zu beseitigen. Die langfristige Sanierung des Dümmerraumes″ hatte man sich auf die Fahnen geschrieben. Dass das so lange dauert, hatte damals aber wohl niemand gedacht. Und wohl auch nicht, dass es so teuer wird.
Um der Algen Herr zu werden, muss der Zufluss von Phosphat gestoppt werden. Das stammt aus der Landwirtschaft, gelangt beim Düngen in den Boden und sucht sich von da aus seinen Weg unter anderem in die Hunte. Die wiederum fließt durch den Dümmer.
Im letzten Jahr wurde die Umleitung des Bornbaches fertiggestellt. Zehn Millionen Euro hat das laut Umweltministerium gekostet. Der Bachstand im Verdacht, neben der Hunte Hauptzulieferer des Phosphats zu sein. Tatsächlich sank der Gehalt im Dümmer. Aber die Algen kamen wieder.
Das Dümmer-Sanierungs-konzept sah von vornherein eine zweite Stufe vor den Bau eines Großschilfpolders, eine Art natürliches Klärwerk, das das Huntewasser filtern soll. Rund 20 Millionen Euro müssten dafür veranschlagt werden. Die Landesregierung ist dabei, die Vorplanungen insofern zu verfeinern, dass eine Investitionsentscheidung getroffen werden kann″, teilt das Umweltministerium auf Nachfrage unserer Zeitung mit.
Den Dümmer-Anwohnern wie Thomas Bunte geht das alles zu langsam. Die Protestler erhalten jetzt Unterstützung von der lokalen Politik. Margarete Schlick (SPD), Bürgermeisterin der Dümmer-Gemeinde Lembruch, hat gestern einen Brief an Ministerpräsident David McAllister geschrieben. Das Land ist gefordert. Wenn es so weiterläuft, gehen wir in die Knie″, sagt die Kommunalpolitikerin, die hauptberuflich Segelboote am Dümmer verleiht.
Wenn der See endgültig kippt, ist er nicht mehr hinzubekommen″, warnt Dammes Bürgermeister Gerd Muhle (CDU) und fordert ein Eingreifen des Landes. Wir hier vor Ort müssen Dampf machen und Hannover zeigen, dass uns das nicht gefällt.″ Deswegen wird sich seine Stadt einer Resolution anschließen, die die Samtgemeinde Lemförde verfasst. Auch der Landkreis Diepholz hat ein Schreiben abgeschickt. In Hannover drückt man mittlerweile aufs Tempo: Auf den Weg gebracht werden sämtliche Planungen noch in diesem Jahr″, teilt das Umweltministerium zum Thema Großschilfpolder mit. Auf ihn setzen die Dümmer-Anwohner ihre Hoffnung.

Bildtext:
Tonnenweise tote Fische trieben in den vergangenenTagen im Dümmer.
Foto:
Bielefelder Segel-Club

KOMMENTAR
Es gibt kein Zurück

Die Situation am Dümmer ist einfach widerlich. Tote Fische, silbriges Wasser, Gestank. Und das alle Jahre wieder. Was für ein Urlaubsparadies vor unserer Haustür! Wenn sich an der Situation nicht bald etwas ändert, ist der Dümmer tot. Nicht nur als Gewässer, sondern auch als Erholungsgebiet. Denn wer planscht schon gern ein einem Güllesee?
Die Lösung des Problems schlummert seit Jahrzehnten in Hannoveraner Schubladen. Die erste Stufe die Umleitung eines Baches hat das Land Niedersachsen für rund zehn Millionen Euro realisiert. Hinzukommen weitere Millionen für andere Maßnahmen. Jetzt zeigt sich, dass das bei Weitem nicht reicht. Es ist Zeit für Stufe zwei. Dumm nur, dass der Großschilfpolder mit 20 Millionen Euro um einige steurer ausfällt.
Das wusste die Landesregierung aber, bevor sie den ersten Schritt unternommen hat. Mit der Investition hat sich das Land unter Zugzwang gesetzt. Denn wenn der Dümmer jetzt sich selbst überlassen wird, dann wären die Steuergelder verschwendet. Was bleibt, wäre ein stinkendes Millionen-Grab. Das kann nicht im Sinne der Landesregierung sein. Und deshalb muss es heißen: weitermachen.
Zu denken gibt dabei aber, dass der schädliche Einfluss der intensiven Landwirtschaft auf die Umwelt selbst mit riesigen Investitionen nicht in den Griff zu bekommen ist. Der Dümmer ist ein mahnendes Beispiel dafür, dass etwas gewaltig schiefläuft. Wie wäre es da, wenn sich die Landwirte an den Kosten der Beseitigung beteiligen?
Autor:
Dirk Fisser


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