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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Kleine Steine, große Denkanstöße
Zwischenüberschrift:
Jusos und Junge Grüne putzen in Osnabrück Stolpersteine
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Die Novemberpogrome am 9. und 10. November 1938 liegen 81 Jahre zurück. In Osnabrück hat eine Initiative aus Jungsozialisten (Jusos) und Grüner Jugend nun einen Beitrag zur Erinnerungskultur geleistet: 20 Stolpersteine im Stadtgebiet wurden von Schmutz und Moos befreit und so wieder zum Glänzen gebracht.

Wir möchten zeigen, wie Jugend erinnern kann, und gleichzeitig darauf aufmerksam machen, dass so etwas nie wieder passieren sollte″, erklärte Konstantin Saalfeld. Der 17-Jährige war einer der Teilnehmer der Aktionsgruppe aus insgesamt 18 Mitgliedern beider Jugendorganisationen, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten, gemeinsam die Opfer des Holocausts in den Blick zu rücken.

Dazu wurden mehrere Stolpersteine in der Innen- und Altstadt sowie im Katharinenviertel aufgesucht. Die zehn mal zehn Zentimeter großen Betonwürfel, die mit einer beschrifteten Messingplatte versehen sind, dienen dem Gedenken der in der Zeit von 1933 bis 1945 Ermordeten oder aus Deutschland Vertriebenen jeweils an ihrem letzten freiwillig gewählten Osnabrücker Wohnort.

Der Kaufmann von nebenan, der plötzlich nicht mehr da war, der nette Nachbar, dessen Haus von heute auf morgen leer stand, die Kinder, deren Schulbänke vom einen auf den anderen Tag frei blieben Hunderte Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle, Regimegegner oder Menschen mit Behinderungen wurden von den Nationalsozialisten festgenommen, in den Keller des Osnabrücker Schlosses verfrachtet, wo die Gestapo ihren Sitz hatte, in Konzentrationslagern vergast, erschossen, gehenkt oder zu Tode gefoltert egal ob Mann, Frau oder Kind, egal ob jung oder alt.

Luca Wirkus, Sprecherin der Grünen Jugend, griff sich eine spezielle Reinigungspaste, schrubbte und polierte die Oberfläche der kleinen Metallplatte in der Nähe des Nikolaiortes, bis sie wieder glänzte und die Inschrift klar und deutlich sichtbar wurde: Hier wohnte Olga Meyer, geborene Israel, Jahrgang 1880. Flucht 1937 Holland, interniert Westerbork, deportiert 20.04.1943 Sobibor, ermordet 23.04.1943.″

Meyer durfte gerade einmal 63 Jahre alt werden, bevor die Nazis sie ermordeten. Nachdenklich schaute die Gruppe auf den Stein, während Luca Wirkus den Lebenslauf vorlas.

Die Jugendlichen zogen Richtung Krahnstraße weiter, machten dann Halt vor dem eingelassenen Stein für Gertrud David. Passanten liefen vorbei, warfen einen kurzen Blick auf die Gruppe. Nur wenige blieben stehen. So wie eine 64-jährige Osnabrückerin. Ich finde es gut, dass sich junge Leute dafür engagieren″, sagte sie, zu meiner Schulzeit wurde das alles noch verschwiegen″. Die Herderstraße und das Mahnmal an der Alten Synagogenstraße waren die nächsten Anlaufpunkte.

Nach knapp zwei Stunden waren 20 Stolpersteine frisch poliert. Insgesamt gibt es von ihnen mehr als 70 000 in mehr als 22 Ländern. Rund 300 befinden sich in Osnabrück.

Auch wenn die Steine noch so klein sind, geben sie Denkanstöße. Das war auch während der Putzaktion von Jusos und Grüner Jugend in Osnabrück immer wieder festzustellen: Putzen und polieren, damit die Erinnerung nicht verschleiert wird.

Bildtext:
Den Menschen das Gedenken an die Opfer des NS-Regimes in den Blick zu rücken, das hat sich eine Initiative aus Jusos und Grüne Jugend zur Aufgabe gemacht.
Foto:
Elvira Parton
Autor:
Monika Vollmer


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