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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrück rettet die Welt
Zwischenüberschrift:
Mut zur Pionierarbeit: In Osnabrück soll jede Beschlussvorlage künftig !Auswirkungen auf den Klimaschutz" nachweisen. Die Maßnahme hat weitreiche Konsequenzen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Wenn Detlef Gerdis aus dem Fenster sieht, im Chefbüro des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz der Stadt Osnabrück, sieht er ins Grüne. Eigentlich. Manche Baumkrone ist jetzt schon tiefbraun, manche vollständig kahl, und das liegt nicht am Herbst. " Das ist die Trockenheit", sagt Gertis bitter. " Eine Folge der Klimakrise. Geht das so weiter, wird viel Grün aus dem Stadtbild verschwinden."
Maßnahmen gegen die Klimakrise zu entwickeln, ist für Gertis seit vielen Jahren Alltag. Aber das sein Fachbereich damit bundesweit Aufsehen erregt, ist etwas Besonderes. Am gestrigen Dienstag war es so weit. Gertis gab die Mitteilungsvorlage VO/ 2019/ 4559 in den Rat: " Anstrengungen für kommunale Klimapolitik verstärken". Ihr Titel ist dröge. Aber was drinsteht, hat Kraft.
" Ab sofort" werde der Rat, " die Auswirkungen auf das Klima bei relevanten Entscheidungen besser berücksichtigen" und " Lösungen bevorzugen, die sich positiv auf den Klimaschutz auswirken." Osnabrück hat zwar nicht, wie Konstanz, den Klimanotstand ausgerufen. Aber VO/ 2019/ 4559 bedeutet fast dasselbe. Jede der jährlich rund 800 Beschlussvorlagen muss künftig " Auswirkungen auf den Klimaschutz" nachweisen.
Gibt es welche, positive oder negative, für mehr als ein Jahr Dauer, mit mehr als 10 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr, dann tritt Gertis´ Fachbereich auf den Plan. Sind sie " relevant negativ", für bis zu 5 Jahre und länger, bis 400 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr und darüber, erarbeitet er " klimaverträglichere Alternativen". Auch eine Verzichtsempfehlung hat er im Arsenal.
" Soweit wir wissen", sagt Gertis, " sind wir die erste Kommune, die dafür ein Verfahren entwickelt hat." Umweltamtslei-

-- Prüfauftrag reiht sich an Prüfauftrag, von der Verbesserung des Regionalverkehrs bis zur Klimaneutralität für kommunale Gebäude --

ter vieler Städte haben an dieser Pionierarbeit Interesse, das Deutsche Institut für Urbanistik, der Deutsche Städtetag.
DasProblem: An die Alternativen und Empfehlungen ihrer Fachverwaltung müssen Osnabrücks Politiker sich nicht halten. " Aber dann wissen sie zumindest, was sie da entscheiden", sagt Gerdis. " Wichtig ist vor allem, dass das Klimabewustsein nicht erst einsetzt, wenn längst Fakten geschaffen sind. Durch verfrühte Ausschreibungen zum Beispiel."
Dass die Mitteilungvorlage VO/ 2019/ 4559, obwohl interfraktionell gewollt, " nicht überall auf Begeisterung stößt", isz Gertis klar. Schließlich setzt das neue Maßnahmepaket die Bereitschaft zur Selbstkritik voraus, zum Wandel. Den Oberbürgermeister nimmt es in die Pflicht, öffentlich über den fortschritt zu berichten. Den stadteigenen Stadtwerken fordert es eine Strategie zum Ausstieg aus fossilen Energieträgern ab. Prüfauftrag reiht sich an Prüfauftrag, von der Verbesserung des Regionalverkehrs bis zur Klimaneutralität für kommunale Gebäude. Ehrgeizig.
Tobias Demircioglu, Greenpeace Osnabrück, sieht in alldem " Schritte in die richtige Richtung". Entscheidend sei indes, " wie ernst die Politik dieses Instument nimmt, was es konkret bewirkt". Etwa für neue Baugebiete: " Pflicht zur Photovoltalk oder Solarthermiel", fordert Demircioglu. " Bauen nur, wo es auch ÖPNV gibt! Keine Vollversiegelung von Autostellflächen!" Zu tun gebe es viel. " Überall. Dringlichst."
Das ist richtig. Osnabrücks " Masterplan 100 Prozent Klimaschutz" sieht eine Senkung der Kohlendioxid-Emissionen um 95 und des Energieverbrauchs um 50 Prozent bis zum Jahr 2050 vor, im Vergleich zu 1990, und bisher sehen die Resultate mager aus.
Aber der Druck ist hoch. Auch durch die örtliche Fridays for Future-Bewegung (FFF). Sie war am Dienstag ebenfalls Thema im Rat. Gertis hat zu ihrer " drastische Veränderungen" fordernden Resolution, jüngst vor 8.000 Demonstierenden Oberbürgermeister Wolfgang Griesert (CDU) übergeben, eine Stellungsnahme geschrieben - sehr positiv.
Die Bäume vor seinem Fenster rettet das leider nicht.

Bildtext:
Musste aufgrund der verbindlichen Bauleitkriterien von 2008 gebaut werden: Osnabrücks größte Photovolkanlage auf dem Dach des Möbelhauses Boss
Foto:
Stadt Osnabrück
Autor:
Harff-Peter Schönherr


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