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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Bus und Bahn für fünf Mark
Zwischenüberschrift:
ÖPNV-Lockangebot im Advent 1993 und ′94 / Warum die Osnabrücker „Sternkarte″ scheiterte
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Mit der Sternkarte″ konnten früher im Advent bis zu vier Personen gemeinsam mit Bus und Bahn nach Osnabrück und aufs Land fahren für Preise ab fünf Mark. Bei Fahrgästen war das Angebot sehr beliebt. Doch Einzelhändler in der Region sorgten dafür, dass es schnell wieder verschwand.

Zwar nicht kostenlos wie heute in Münster, aber immerhin sehr billig Bus und sogar Bahn fahren: Das ging früher an den Adventssamstagen auch im Raum Osnabrück. Die Sternkarte″ brachte hier in den Neunzigern bis zu vier Personen gemeinsam in die Stadt und aufs Land je nach Entfernung für nur fünf, acht oder zwölf Mark. Was so manchem Einzelhändler im Umland gar nicht schmeckte...

Im ersten Jahr wurde das Angebot rege genutzt: 3183 Sternkarten gingen ausweislich alter Zeitungsartikel über den Schalter, mehr als 10 000 Fahrgäste machten 1993 an den vier Adventssamstagen von dem übertragbaren Tagesticket Gebrauch. Um das erhöhte Verkehrsaufkommen bewältigen zu können, fuhren die Busse der Stadtwerke Osnabrück und des Regionalverkehrs Münsterland (RVM) wie an normalen Werktagen. Im Umland wurden zusätzliche Fahrten angeboten. Das von der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos) verfolgte Konzept Bahn und Bus aus einem Guss″ schien aufzugehen.

Doch schon im darauf folgenden Herbst stand die Sternkarte unter keinem guten Stern″ mehr, wie unsere Redaktion damals berichtete. Der Landkreis Osnabrück zog sich aus der Finanzierung zurück und riss damit ein dickes Loch in die Kasse der Anbieter. Grund für den Ausstieg: Einzelhändler in den Städten und Gemeinden rund um Osnabrück fürchteten, die Sternkarte könne ihnen das Weihnachtsgeschäft vermiesen, weil die Kunden bei Fahrpreisen zwischen fünf und zwölf Mark lieber ins Oberzentrum strömen würden. Besonders starke Widerstände gegen das Kombi-Ticket habe es in Melle gegeben, hieß es.

Tausendfach verkauft

Zwar gelang es der Planos, das ÖPNV-Lockangebot grundsätzlich aufrechtzuerhalten. Allerdings fiel die Sternkarte 1994 bereits deutlich kleiner aus, genauer: Ihr Geltungsbereich schrumpfte auf einen Bruchteil zusammen. Ziele wie Quakenbrück und Ibbenbüren entfielen. Stattdessen war nun von Osnabrück aus betrachtet Endstation in Belm, Bissendorf, Georgsmarienhütte, Hasbergen, Lotte und Wallenhorst.

Trotzdem blieb die Sternkarte aus Sicht der Planos ein relativer Erfolg″. 2734 verkaufte Fahrscheine stehen für das zweite Jahr zu Buche. Das sind 449 weniger als bei der Premiere. Allerdings stieg im Stadtbusnetz die Zahl der Fahrgäste mit Fünf-Mark-Ticket um 50 Prozent. Wobei dieser Wert auf der Annahme fußt, dass auf jede Sternkarte im Durchschnitt drei Benutzer kommen.

Den Fortbestand des Sonderfahrscheins sicherte diese Bilanz jedoch nicht im Gegenteil: Ab 1995 finden sich im NOZ-Archiv keine Belege mehr für eine Neuauflage der Sternkarte. Auf Anfrage unserer Redaktion erklärt Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer: Das Angebot wurde damals unter anderem aufgrund mangelnder Unterstützung wieder eingestellt.″

Heute gibt′s Tagestickets

Aber wäre es nicht eine Überlegung wert, die Sternkarte nach knapp 25 Jahren aus ihrem Dornröschenschlaf zu wecken? Oder im Raum Osnabrück einen neuen, attraktiven Fahrgast-Köder für die Vorweihnachtszeit auszulegen? Jetzt, wo in Münster das Busfahren an den Adventssamstagen sogar komplett kostenlos sein soll.

Die Stadtwerke sehen hier offenbar keine Notwendigkeit zur Nachahmung, halten das bestehende Tarifangebot der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) für ausreichend. Im Vergleich zur Sternkarten-Zeit sei es ganz anders und vielfältiger″, sagt Hörmeyer. So gebe es zum Beispiel das Familien-Tagesticket: Damit können maximal zwei Erwachsene plus alle familienangehörigen Kinder bis einschließlich 14 Jahre innerhalb bestimmter Tarifzonen einen Tag lang beliebig viele Busfahrten unternehmen montags bis freitags ab 9 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen bereits ab Betriebsbeginn. In Osnabrück und Belm (Tarifzone 0) kostet es 6, 90 Euro bzw. 6, 60 Euro als Handyticket, im Landkreis (Tarifzonen 1 bis 9) zwischen 7, 10 und 14, 30 Euro.

Hörmeyer: Zudem verfolgen wir den Ansatz, die Menschen durch ein insgesamt verbessertes ÖPNV-Angebot zum Umstieg vom Auto auf den Bus zu bewegen.″ Dazu gehörten vor allem ein neues, ausgebautes Liniennetz ab Februar 2020, der Aufbau eines leistungsfähigen P+ R-Systems sowie verschiedene Maßnahmen zur Beschleunigung des Busverkehrs.

Thomas Polewsky, Mitglied im Fahrgastbeirat Osnabrücker Land und einer derjenigen, die sich an die Sternkarte noch erinnern können, stellt vor diesem Hintergrund fest: Es wäre natürlich schon eine Verbesserung des Angebots, wenn an den Adventssamstagen der Busverkehr wie montags bis freitags stattfände.″ Auch so etwas habe es vor einigen Jahren schon gegeben.

Damals hätten die Geschäfte samstags aber schon um 14 Uhr geschlossen und die Busse dann von 10- auf 20-Minuten-Takt umgestellt. Heute bestehe in Osnabrück samstags tagsüber durchgehend ein Viertelstundentakt, der in den Außenbezirken mitunter auf einen Halbstundentakt zurückfalle. Polewsky: Da wird mancher lieber das Auto nehmen, als 25 Minuten auf den nächsten Bus zu warten.″

Bildtext:
Bei Fahrgästen beliebt, bei Einzelhändlern weniger: Mit der preiswerten Sternkarte konnten vor 25 Jahren Fahrgäste in und um Osnabrück an den Adventssamstagen Busse und Bahnen benutzen.
Fotos:
Benjamin Kraus, Stadtwerke Osnabrück; Fotomontage: NOZ
Autor:
Sebastian Stricker


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