User Online: 4 | Timeout: 13:14Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Schadet die Böllerei der Gesundheit?
Zwischenüberschrift:
Mediziner zu Verbots-Debatte
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) will das Böllern an Silvester in Osnabrück und 97 weiteren deutschen Städten wegen der Feinstaubbelastung verbieten lassen. Thomas Lob-Corzilius, Umweltmediziner und Kinderarzt aus Osnabrück, hält den Antrag der DUH aus umweltmedizinischer Sicht für nachvollziehbar″.

Bringt uns die Silvesterböllerei um? Eine klare Antwort: Sie bringt akut niemanden um″, sagt Lob-Corzilius im Gespräch mit unserer Redaktion. Aber sie kann insbesondere bei kleinen Kindern und kranken Erwachsenen zu Gesundheitsbeeinträchtigungen führen″, sagt der renommierte Experte. Er blickt auf eine 30-jährige Karriere als Umweltmediziner und Kinderarzt zurück. Er habe Kinder behandelt, die aufgrund der Luftverschmutzung mit entsprechenden Symptomen an Neujahr zu ihm gekommen seien.

Insbesondere Asthmatiker könnten in der Silvesternacht akute Probleme mit dem Feinstaub (PM10) kriegen dazu könne die einmalig erhöhte Belastung durch Raketen und Knaller ausreichen. Das Spektrum der Folge könne bis zu einer bedrohlichen Atemnot″ reichen, so Lob-Corzilius. Ein gut kontrollierter Asthmatiker müsse sich aber keine großen Sorgen machen, sofern nicht andere Dinge wie ein Infekt hinzukämen.

Gefährdeter seien Menschen mit anderen Lungenkrankheiten, die sich nicht so gut in den Griff bekommen ließen wie Asthma, so Lob-Corzilius weiter. Hier könne ein Feuerwerk zu Krankheitsverschlechterungen führen″.

Die Deutsche Umwelthilfe hatte vergangene Woche Verbotsanträge an 98 deutsche Städte geschickt. Das Ziel: ein Verbot der Silvesterböllerei. Die DUH begründet ihre Anträge mit der Feinstaubbelastung an Neujahr, die in manchen Städten förmlich explodiert. In Osnabrück hatte sie in den vergangenen drei Jahren zwischen 12 und 67 Mikrogramm betragen.

Keine Panik verbreiten

Alarmismus würde Lob-Corzilius aber nicht machen. Das macht die Umwelthilfe auch nicht.″ Ein gesunder erwachsener Mensch muss sich bei einem einmaligen Peak keine Sorgen machen″, versichert er. Rauchen und auch Passivrauchen, inbesondere in geschlossenen Räumen, seien allemal schädlicher″.

Aus umweltmedizinischer Sicht ist der Antrag aber berechtigt″, sagt Lob-Corzilius. Schließlich würde ein Siebtel der Feinstaubbelastung eines Jahres an Silvester in die Luft geblasen – „ ein Problem, das im Kern gar nicht nötig ist″, sagt er. In anderen Ländern wie Frankreich oder Spanien wird schließlich auch nicht so viel geböllert″. Allerdings wäre ein Verbot kaum zu kontrollieren. Eine Kontrolle ginge nur über Kaufverbote.″

Verbot wohl nicht möglich

Die Stadt Osnabrück kommt in einer vorläufigen Einschätzung zu dem Ergebnis: Ein pauschales Feuerwerksverbot ist rechtlich wohl nicht zu halten. CDU und SPD lehnen ein solches ohnehin ab, die Grünen hingegen begrüßen die Diskussion und verweisen eben auf die Belastung für Kinder und kranke Menschen.

Der Umweltmediziner erachtet die Grenzwerte der EU als zu lasch. Sie begrenzt den Jahresmittelwert auf 40µg/ m³. 35-mal im Jahr dürfen binnen 24 Stunden mehr als 50 Mikrogramm gemessen werden. Formal werden die EU-Normen in Osnabrück erfüllt, und dennoch sind diese doppelt so hoch, wie die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt″, sagt Lob-Corzilius. Nur weil die EU-Werte eingehalten werden, ist Feinstaub nicht kein Problem.″

Im Übrigen sei nicht nur Feinstaub mit einem aerodynamischen Durchmesser von weniger als zehn Mikrometern (PM10) problematisch, sondern auch der mit einer Größe von 2, 5 (PM2, 5). Der sei sogar besonders problematisch″ aufgrund der möglichen daraus resultierenden Langzeitfolgen, so Lob-Corzilius. Dem Umweltbundesamt zufolge können die feinen Partikel tiefer in die Atemwege eindringen, dort länger verbleiben und die Lunge nachhaltig schädigen.

Und ist der Umweltmediziner in der Silvesternacht selbst draußen? Nein, draußen sei er nicht mehr häufig, und geknallt habe ich schon lange nicht mehr″.

Bildtexte:
Schön, laut, bunt aber auch unbedenklich? Umweltmediziner Dr. Thomas Lob-Corzilius sieht die jährliche Silversterböllerei kritisch.
Umweltmediziner Dr. Thomas Lob-Corzilius.
Fotos:
Archiv/ Gert Westdörp, Archiv/ Jörn Martens
Autor:
Jörg Sanders


Anfang der Liste Ende der Liste