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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Immer nur Stau auf dem Weg in die Stadt?
Zwischenüberschrift:
Gutachter sagt: Osnabrücker City ist gut erreichbar
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Neigen die Osnabrücker dazu, ihre Stadt schlechtzureden? Martin Kremming aus Lübeck, der den Handelsstandort Osnabrück sehr genau kennt, sagt: Die City ist gut erreichbar, das Parkplatzangebot hervorragend″ und der Einzelhandel auf Zack. Nur: An ihrem Ruf müsste die Stadt arbeiten

Martin Kremming analysiert seit gut 15 Jahren professionell den Einzelhandel in der Stadt. Der Diplomgeograf der Beratungsfirma Cima erstellte zwei Gutachten über die Folgen eines Einkaufszentrums am Neumarkt und 2009 das Märkte- und Zentrenkonzept, das er jetzt im Auftrage der Stadt auf den neuesten Stand gebracht und dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt vorgestellt hat. Kremming ist mit den Fakten ebenso vertraut wie mit der Gemütslage der Händler. Und er kann vergleichen.

Wie gut ist die City erreichbar? Gut″, findet Kremming. Sowohl mit dem Auto wie mit öffentlichen Verkehrsmitteln sei die Erreichbarkeit der Innenstadt problemlos gewährleistet. Osnabrück müsse den Vergleich mit Bielefeld, Münster oder Oldenburg nicht scheuen. Alle Standorte hätten sich in den vergangenen Jahren verbessert, sagte Kremming unserer Redaktion. Osnabrück aber auch. Die Stadt spielt in einer Liga mit den Nachbarstädten.″

Der Fachmann bescheinigt der Friedensstadt ein hervorragendes Parkangebot″. Die Parkhäuser böten genügend Kapazitäten und seien gut verteilt″ in der City. Das Phänomen, dass sich samstags vor dem L+ T-Parkhaus eine lange Autoschlange bildet, kann auch Kremming nicht erklären: Die Leute warten lieber, als ein Parkhaus weiter zu fahren.″

Der Fachmann ist sich bewusst, dass er mit seiner Einschätzung zur Erreichbarkeit Widerspruch provoziert. Die öffentliche Meinung ist über die Verkehrspolitik, gelinde gesagt, gespalten. Das zeigt sich auch in der Umfrage, die die Beratungsfirma Cima in Zusammenhang mit der Aktualisierung des Märkte- und Zentrenkonzeptes durchgeführt hat. 18, 4 Prozent der Befragten zählten die Erreichbarkeit zu den Stärken der Innenstadt. 17 Prozent ordnen die Verkehrssituation (Busse und Autos) bei den Schwächen ein. Befragt wurden 497 Passanten in der Fußgängerzone und 1122 Menschen online.

Was können Stadt und Einzelhandel besser machen? Die größte Schwäche der Innenstadt ist: Sie hat keine Stärke. Sie hat kein Image. 61, 5 Prozent der Befragten antworteten auf die Frage nach den Stärken der Innenstadt, dass ihnen dazu nichts einfalle. Das tut weh″, sagte Kremming bei der Präsentation der Ergebnisse. Er empfiehlt dem Stadtmarketing und dem Einzelhandel, die City als Marke″ zu entwickeln. Die Kunden müssten mit dem Standort etwas Positives im Kopf verbinden.

Der Neumarkt und die Johannisstraße müssen nach dem Ergebnis der Umfrage ganz oben auf dem Aufgabenzettel der Stadtpolitik stehen. Dort sehen die Befragten den größten Handlungsbedarf und die größte Schwäche in der City. Kremming verlor in der Ausschusssitzung nur wenige Worte über das Problemchen″ am Neumarkt. Musste er auch nicht: Jedem ist die Dringlichkeit bewusst.

Wie gefährlich ist die Online-Konkurrenz für die City? 24, 5 Prozent der befragten Passanten sagten, dass sie 2018 im Vergleich zu 2015 seltener zum Einkaufen in die Innenstadt gekommen sind. In der Onlinebefragung liegt der Anteil der City-Verweigerer deutlich höher: Knapp 60 Prozent antworteten, sie seien weniger in der Innenstadt unterwegs und kauften vermehrt im Internet. Die Abwanderung in andere Städte oder ins Umland spielt mit jeweils rund zehn Prozent nur eine untergeordnete Rolle.

Der Internethandel ist eine Gefahr, findet der Fachmann. Seine Empfehlung allerdings bleibt vage: Die Stadt Osnabrück muss Antworten auf die Herausforderungen der Online-Konkurrenz finden.″ Eine Antwort kann sein, die Innenstadt bunter″ zu machen, wie Ausschussmitglied Jens Meier sagte. Die City der Zukunft brauche eine Mischung aus Freizeit, Kultur, Gastronomie und Handel.

Wie haben sich die Passantenfrequenzen in der Innenstadt seit 2012 verändert? Die renovierte Hasestraße ist mit einem Zugewinn von 66 Prozent die große Gewinnerin in der Frequenzzählung. Gewonnen hat auch die Altstadt (plus 23 Prozent). Verlierer sind der Neumarkt (minus 24 Prozent) und die südliche Große Straße (minus 21 Prozent), die unter Baustellen litten. Die Cima ließ die Passanten von Hand zählen. Sie verzichtete auf die Daten der Laserzählautomaten, um die Ergebnisse von 2012 und 2018 vergleichen zu können. Die Zahl der Passanten habe sich insgesamt nicht nennenswert verändert, sagte Kremmiing. Es gebe keinen kritischen Frequenzverlust″. Schwankungen, die zuletzt für Diskussionen sorgten, seien ganz normal″.

Wozu braucht die Stadt ein Märkte- und Zentrenkonzept? Das Konzept definiert Nahversorgungszentren, Stadtteilzentren und das Hauptzentrum Innenstadt. Es sagt, wo welche Sortimente angeboten werden dürfen. Die Politik hat damit ein Steuerungsinstrument in der Hand, um große Handelshäuser auf der grünen Wiese zu verhindern, die Nahversorgung in den Stadtteilen zu sichern und die Innenstadt weiter zu stärken.

Was sagen die Zahlen über den Handelsstandort? Die Zahl der Betriebe im Einzelhandel ist von 2009 bis 2018 um 16, 5 Prozent gesunken. Die Verkaufsfläche allerdings hat sich mit 397 000 Quadratmeter kaum verändert (plus 1, 2 Prozent). Auch der Gesamtumsatz des Osnabrücker Einzelhandels ist mit 1, 2 Milliarden Euro etwa gleich geblieben. Der Einzelhandel ist gut unterwegs″, schloss Ratsmitglied Wulf-Siegmar Mierke (UWG) aus diesen Zahlen. Was uns fehlt, ist eine positive Öffentlichkeitsarbeit. Wir reden unsere Stadt schlecht.″

Bildtext:
Das Parkplatzangebot in Osnabrück sei hervorragend″, sagt Handelsexperte Martin Kremming. Er wundert sich allerdings auch, dass oft so viele Autofahrer vor dem L+ T-Parkplatz warten, statt ein anderes Parkhaus anzusteuern. Das Foto entstand an einem Samstag im Februar 2019.
Foto:
Archiv/ Jörn Martens

Kommentar
Zu viel Gemecker

Wir erlauben uns eine Wiederholung. Als Leder Rabe vor genau einem Jahr das Aus verkündete, kommentierten wir an dieser Stelle: Wachsender Onlinehandel, steigende Mieten, mehr Verkehr: Faktoren, auf die die Einzelhändler wenig Einfluss haben. Einfluss haben sie allerdings auf die Stimmung in der lokalen Geschäftswelt und den Ruf Osnabrücks als Einkaufsstadt. [...] Doch es hat sich ein Hang zum Miesmachen und Schlechtreden breitgemacht. Warum ist das Lamentieren vieler Händler über Staus in der Innenstadt stets lauter als die Werbung für komfortable Parkhäuser in zentraler Lage? Warum findet sich die Kaufmannschaft nicht zu einer Image-Offensive zusammen, die die Vorzüge Osnabrücks herausstellt?

Ein Jahr ist das her. Was ist passiert, um Stimmung und Image zu bessern? Richtig: nichts.

w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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