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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Reisen mit gutem Gewissen
 
CO2 per Zahlung ausgleichen
 
Zu viele Touristen ein Problem
Zwischenüberschrift:
Wie nachhaltig reagieren große Reiseveranstalter auf den Klimawandel?
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Kann man angesichts des Klimawandels noch mit gutem Gewissen Reisen machen? Die großen Veranstalter sind darum bemüht, solche Bedenken bei Urlaubern zu zerstreuen. Keiner von ihnen kommt mehr ohne Nachhaltigkeitsstrategie aus. Was bringt das?

Was erst einmal auffällt: Je nach Veranstalter gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichen Maßnahmen, wie Nachfragen bei Tui, DER Touristik und FTI zeigen. Die Bandbreite reicht von zertifizierten, nachhaltigen Hotels über den reduzierten CO2-Ausstoß in den Konzernzentralen und weniger Plastik in allen Bereichen bis hin zu neuen Ausflugsprogrammen, bei denen die Unterstützung der lokalen Bevölkerung im Mittelpunkt steht. Mehr als Marketing

Glaubt man den Veranstaltern, geht es bei all den Konzepten um mehr als nur Marketing. Wir setzen ganzheitlich an″, sagt Franziska Tritscher, Nachhaltigkeitsmanagerin von Tui Deutschland. Das fange bei Reisebüros an, gehe bei Fliegern, Bussen und Schiffen weiter bis hin zu den Hotels in den Urlaubsregionen. Man versuche an jedem Schräubchen der Reise″ zu drehen.

Das fängt im Kleinen an und endet im Großen: So werden beispielsweise auf den Schiffen von Tui Cruises Badeschlappen nicht mehr in Plastikhüllen gepackt und statt Einwegbehältern in den Bädern nachfüllbare Shampoo-Flaschen eingesetzt. Auf den neuen Schiffen sollen Silikonbeschichtungen an der Bordaußenwand unter Wasser helfen, Kraftstoff zu sparen.

DER Touristik hat nach eigenen Angaben rund 2000 Hotels im Portfolio, die durch Nachhaltigkeitsstandards zertifiziert seien. FTI nennt eine ähnliche große Zahl an nachhaltigen Unterkünften in seinem Angebot.

Ganz neu ist das Thema allerdings nicht. Schon in den 80er Jahren haben erste Veranstalter Umweltbeauftragte gehabt, erklärt die Tourismusforscherin Prof. Claudia Brözel von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Nur: Im Gegensatz zu den Achtzigern scheint es bei allen großen Veranstaltern so zu sein, dass nun das Bemühen um Nachhaltigkeit eine strategische Entscheidung ist, die auf das ganze Unternehmen wirkt.″

Die ganze Produktpalette kann das aus Brözels Sicht aber nicht erfassen. Denn die klassischen Veranstalter bedienten auch Segmente, in denen sie preissensibel sind, zum Beispiel Kurzreisen. Dort spiele Nachhaltigkeit vermutlich eine untergeordnete Rolle. Die Veranstalter werden also nicht übermorgen total eco werden, weil es

dafür gar nicht die Nachfrage gibt″, so Brözel. Dabei betonen die Veranstalter alle, dass Kunden Nachhaltigkeit grundsätzlich wichtiger werde. Entscheidend ist sie bei der Auswahl der Reise allerdings eher selten.

Es gibt aber eine Tendenz: FTI berichtet von einer stetig steigenden Nachfrage nach nachhaltigen Reisen, ohne jedoch konkrete Zahlen zu nennen. In seinem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht gibt Tui an, dass 2018 konzernweit mehr als 9, 2 Millionen Gäste in für Nachhaltigkeit zertifizierten Hotels übernachtet haben, rund elf Prozent mehr als im Vorjahr.

Doch hier zeigt sich ein weiteres Problem: Zertifizierungen gibt es viele. Welche Nachhaltigkeitsbemühungen im Einzelnen dahinterstecken, ist auf den ersten Blick nicht immer zu erkennen. Viola Wohlgemuth von Greenpeace sieht die Öko-Label im Tourismus-Bereich kritisch: Viele seien nicht unabhängig, intransparent und nicht direkt vergleichbar. Sie spricht von einem Siegel-Dschungel″.

Aus Sicht von Wohlgemuth sind die Siegel zudem Feigenblätter. Flugreisen und auch Kreuzfahrten seien ein Schlag ins Gesicht für jede Klimaschutzbemühung″, erklärt die Expertin. Sie sind klimaschädlich und lassen sich auch durch Öko-Labels nicht schönreden.″ Während bei Landwirtschaft und dem Verkehrsaufkommen angesichts des Klimawandels inzwischen kontrovers über die Treibhausgas-Emissionen diskutiert werde, blende man solche Faktoren beim Thema Reisen gerne aus″, kritisiert Wohlgemuth. CO2-Kompensation

Einige Veranstalter bieten den Kunden aber inzwischen an, mit Spenden an Klimaschutzorganisationen die CO2-Emissionen ihrer Reise zumindest zu kompensieren. Aber kann das die Lösung sein? Oder wäre der konsequente Weg nicht eher, weniger Flugreisen und Kreuzfahrten verkaufen zu wollen?

Tourismusforscherin Claudia Brözel sieht solche Ansätze skeptisch. Auf Flüge zu verzichten und nur noch in der Nähe Urlaub machen, sei nicht die Lösung, findet sie. Denn das gehe zum einen zu Lasten der Menschen, die vom Tourismus leben, also der sozialen Nachhaltigkeit. Zum anderen gehe es bei Urlauben nicht nur um Erholung, sondern auch darum, durch andere Eindrücke neue Kraft zu gewinnen.

Bildtext:
Mit Ausflügen in besonderem Maß die lokale Bevölkerung unterstützen das ist ein Ansatz, mit dem sich Veranstalter bemühen, ihr Angebot nachhaltiger zu machen.
Foto:
Frank Rumpenhorst/ dpa-tmn

Osnabrück Urlauber können etwas für die Umwelt tun, indem sie zum Ausgleich für den CO2-Ausstoß durch ihren Flug Geld an Klimaschutzprojekte zahlen. Im Internet gibt es zahlreiche Anbieter für solche Kompensationszahlungen. Die Idee: Das durch den Flug ausgestoßene CO2 wird an anderer Stelle eingespart. Hierfür kauft der Reisende Emissionszertifikate.

Achten sollte man bei der Auswahl eines Projekt darauf, dass es ohne die Zertifikatserlöse nicht hätte durchgeführt werden können, erläutert das Umweltbundesamt (UBA) in seinem neuen Ratgeber Freiwillige CO2-Kompensation durch Klimaschutzprojekte″. Beispiele sind Projekte zur Aufforstung von Wäldern oder für die Regeneration von Mooren. Hier wird CO2 gebunden.

Seriöse Anbieter erkenne man unter anderem daran, dass sie nicht nur an Kompensationen ein Interesse zeigen, sondern ihren Kunden auch raten, Emissionen möglichst zu vermeiden oder zu verringern. Sie sollten auch offenlegen, welchen Projekten in welchen Ländern die Zahlungen zukommen.

Hilfreich können Qualitätsstandards sein, an die sich die Projekte halten. Zu den international am weitesten verbreiteten gehören laut UBA der Gold Standard″ und der Verified Carbon Standard″.

Manche Airlines bieten direkt bei der Buchung Ausgleichszahlungen an. Hier sollte man sich die Berechnungsmethode des sogenannten CO2-Fußabdrucks genau anschauen. Wird sie nicht transparent erläutert, raten die Experten des Umweltbundesamtes zum Nachrechnen.

Bildtext:
Flugreisende können den verursachten CO2-Ausstoß finanziell kompensieren,
Foto:
Rumpenhorst/ dpa-tmn

Osnabrück Proteste gegen Touristen auf Mallorca, Klagen in Kreuzfahrtzielen wie Venedig und Dubrovnik, Besuchermassen in Rom und Amsterdam: Overtourism″ ist derzeit ein viel diskutiertes Thema. Vielerorts herrscht der Eindruck: Es ist einfach zu viel.

Für den Tourismusforscher Prof. Torsten Kirstges von der Jade-Hochschule in Wilhelmshaven ein schwierig zu regulierendes Thema: Die Besucherzahlen zu begrenzen, geht nur bei bestimmten Sehenswürdigkeiten. Der Zugang mit Kreuzfahrtschiffen zu einer Insel lässt sich beschränken oder der Eintritt in Nationalparks. Aber die meisten Urlaubsziele, vor allem die Städte, haben nur eine natürliche Begrenzung: die Zahl der Unterkünfte und Betten.″ Dort könne man den Aufenthalt zumindest verteuern oder erschweren.

Kirstges rät Reisenden, möglichst auf die Nebensaison auszuweichen. Und wer unbedingt in der Hochsaison besondere Hotspots besuchen will, muss seine Reise gut planen. Angemeldete Gruppen werden bei vielen Sehenswürdigkeiten zum Beispiel schneller reingelassen. Und wer sich am Massentourismus wirklich stört, der wird immer Destinationen finden, die sich erholsam und nachhaltig bereisen lassen. Meist treten sich die Touristen nur an wenigen Orten wirklich auf die Füße.″
Autor:
dpa, tmn, Tom Nebe


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