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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Mehr staatliche Hilfe für Aufforstungen
 
Kahlschlag auf Hunderten Hektar Waldfläche
Zwischenüberschrift:
Warum der Forstwirtschaftsrat eine 100-prozentige staatliche Förderung für Wiederaufforstungen fordert
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Nach immensen Waldschäden in der Region fordert der Hasberger Georg Schirmbeck als Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrats eine 100-prozentige staatliche Förderung für Wiederaufforstungen, da vielen Waldbesitzern aktuell das Geld dafür fehle.

Osnabrück Hunderte Hektar Wald haben Borkenkäfer und Dürre im Osnabrücker Land dahingerafft. Angesichts der immensen Dimension der Schäden fordert der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrates, Georg Schirmbeck aus Hasbergen, deutlich mehr Unterstützung vom Staat: Wenn auch die kleinen Waldbesitzer für eine Wiederaufforstung motiviert werden sollen, brauchen wir eine 100-prozentige öffentliche Förderung.″

Wie werden private Waldbesitzer bislang gefördert? Bislang bekommen private Waldbesitzer bei der Pflanzung von Mischwäldern mit mindestens 30 Prozent Laubbaumanteil staatliche Förderungen von bis zu 70 Prozent. In der Region Osnabrück sind durch Borkenkäfer, Dürre und nicht zuletzt durch einen Pilz, der eine Million Eschen absterben lässt, Hunderte Hektar Wald irreparabel geschädigt. Wälder in unserer Region müssen mit Millionen wiederaufgeforstet und besser gegen den Klimawandel gewappnet werden. Bundesweit war bislang davon die Rede, dass es um 180 000 Hektar geschädigte Fläche gehe. Schirmbeck weist jedoch darauf hin, dass die Größe der geschädigten Waldfläche noch nicht abschließend beurteilt werden könnte, und prognostiziert: Wir werden bestimmt auf 250 000 bis 300 000 Hektar Schadflächen kommen.″

Warum reichen 800 Millionen Euro bundesweit nicht aus? Die bislang in Aussicht gestellten 550 Millionen Euro vom Bund und 250 Millionen Euro von den Ländern, die in den kommenden vier Jahren bundesweit ausgezahlt werden sollen, seien ein erster Schritt. Danach werde aber noch deutlich mehr Geld benötigt. Erst einmal gehe es darum, dass die vom Borkenkäfer befallenen Fichten aus dem Wald kommen. Da die Sägewerke voll sind, werden viele Stämme aktuell aber noch monatelang in den Wäldern gestapelt, bevor sie abtransportiert und verarbeitet werden können. Neben Lagerplätzen außerhalb der Wälder bräuchte es Schirmbeck zufolge noch deutlich mehr Förster, da diese durch die Folgen der extremen Dürrejahre 2018 und 2019 am Anschlag arbeiteten. Obendrein hat die Landwirtschaftskammer seiner Einschätzung zufolge zu viele Försterstellen eingespart. Als Sofortmaßnahme schlägt Schirmbeck vor, dass die Landwirtschaftskammer Niedersachsen zunächst einmal zehn Förster einstellt. Allerdings seien diese aufgrund der großen Nachfrage rar gesät.

Wie stark sind private Waldbesitzer in der Region betroffen? Eine große Gefahr sieht Schirmbeck darin, dass kleinere Waldbauern sich aus Frustration über den drastisch eingebrochenen Holzmarkt nicht mehr um die dringend notwendige, aber zugleich kostenintensive Aufforstung kümmern.

Joachim Kellermann von Schele ist mit 260 Hektar Wald im Wiehengebirge in Bissendorf-Schledehausen einer der größten privaten Waldbesitzer in unserer Region. Er beklagt in diesem Jahr einen Schaden von rund 100 000 Euro. Etwa 40 000 Euro davon mache der Erlösausfall durch den Preisverfall der Fichte auf dem Holzmarkt aus, der Rest entfalle auf Wiederaufforstungsmaßnahmen. Wegen der von Borkenkäfern angerichteten Schäden musste in seinem Wald in diesem Jahr seinen Angaben zufolge statt der sonst üblichen 400 Festmeter fast fünfmal so viel gefällt werden. So wurden sechs Hektar entwaldet. Fast 60 000 Euro müssen somit in die Wiederaufforstung investiert werden″, erläutert Kellermann von Schele. Teilweise werde er dabei auf Laubholz, teilweise aber auf Nadelholz wie Fichte, Lärche oder Douglasie setzen.

In seiner Funktion als stellvertretender Vorsitzender des Kreisforstverbands mit 6500 Mitgliedern macht Kellermann von Schele aber deutlich: Ohne Nadelholz geht es nicht.″

Warum geht es nicht ohne die Fichte? Die Nachfrage dominiere den deutschen Holzmarkt deutlich. Aufgrund seines gleichmäßigen, geraden Wuchses und seiner geringeren Dichte eigne es sich ideal als Bauholz. Ein Fehler sei jedoch gewesen, dass vor Jahrzehnten große Flächen wie etwa am Südhang des Dörenbergs mit Fichten besetzt worden seien, wie sich insbesondere nach diesen beiden trockenen Sommern herausgestellt habe. In diesem Bereich gab es infolge der Dürre eine Borkenkäferplage, die sowohl im Staatswald als auch bei Privatwaldbesitzern die größten Waldschäden in unserer Region zur Folge hatte.

Welche Baumarten empfehlen Umweltverbände? Das Umweltforum weist als Dachverband der Umweltverbände im Osnabrücker Land darauf hin, dass noch nicht abschließend beurteilt werden könne, ob die staatlichen Hilfen im Umfang von 800 Millionen Euro in den kommenden vier Jahren ausreichen, da sich in den nächsten Jahren der Umfang der Schäden noch vergrößern könne. Mit der staatlichen Unterstützung sollten dem Vorsitzenden des Umweltforums, Andreas Peters, zufolge Wiederaufforstungsmaßnahmen gefördert werden. Auf Basis der forstlichen Standortskartierung sei eine geeignete Baumartenwahl zu treffen. Peters fordert: Vor dem Hintergrund des Klimawandels sollten besonders angepasste Baumarten ausgewählt werden. Da Waldbäume als Bestandteil des Waldökosystems beispielsweise auch Nahrungsgrundlage für viele Tier- und besonders Insektenarten wie auch für Pilzarten sind, ist es wichtig, den Schwerpunkt auf heimische, standortangepasste Baumarten zu legen.″

Es müsse vermieden werden, großflächig nur eine oder wenige Baumarten zu verwenden. Peters hält es für besonders wichtig, auch auf Naturverjüngung zu setzen, um natürlich gewachsenen Baumarten langfristig in den Bestand aufzunehmen. Kleinere Freiflächen bis zu einem halben Hektar, insbesondere größerer Forstbetriebe, bedürften keiner Wiederaufforstungen, sondern der Pflege der sich im Laufe der Jahre einstellenden Naturverjüngung.

Bildtext:
Kahlflächen (hier im Gehn bei Bramsche) müssen aufgeforstet werden. Vielen Waldbesitzern fehlt aber das Geld.
Foto:
Beinke
Autor:
Jean-Charles Fays


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