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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Neumarkt-Idee: Eine Bibliothek auch für Gamer
 
Bibliothek statt Neumarkt-Center
Zwischenüberschrift:
Mehr Multimedia-Tummelplatz, weniger Bücher: Eine Idee macht Karriere
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Dürfen Gamer in die Stadtbibliothek, um sich gegenseitig virtuell abzuschießen? So befremdlich bildungsbeflissene Menschen diesen Gedanken finden mögen für moderne Bibliotheken, wie sie in Amsterdam, Helsinki oder Aarhus entstanden sind, ist das gar keine Frage. Sie verstehen sich als multmedialer Freiraum, in dem jeder willkommen ist, auch wenn er sich nicht für Bücher interessiert. Eine Bibliothek dieses Typs ist jetzt auch für den Neumarkt im Gespräch. Nachdem sich der Center-Investor Unibail Rodamco Westfield von seinen Plänen verabschiedet hat, macht die Idee in Osnabrück Furore. Dahinter steckt die Konzeptgruppe Plan B, die vor zwei Jahren eine alternative Planung für den Neumarkt vorgelegt hatte. Für sie ist die Bibliothek ein Ort der sozialen Stadtgesellschaft″.

Osnabrück Nach dem Aus für das Einkaufszentrum scheint auf einmal möglich, dass am Neumarkt eine neue Stadtbibliothek entsteht. Nach Vorbildern wie in Amsterdam, Aarhus oder Helsinki könnte auch Osnabrück einen modernen Erlebnisraum bekommen, an dem sich Menschen treffen, um zu lernen und zu spielen, zu lesen und zu diskutieren, zu konstruieren oder zu kochen.

Rumhängen ist ausdrücklich erlaubt! Oodi, die neue Stadtbibliothek in Helsinki, versteht sich als offenes Haus, in dem jeder willkommen ist, solange er die anderen nicht stört. Bücher spielen da eher eine Nebenrolle, dafür gibt es überall W-Lan, und wer sich irgendwo auf den Rampen, Treppen oder Sitzmöbeln niederlässt, kann allein oder mit anderen forschen, recherchieren und sein Wissen austauschen. Gruppenräume stehen zur Verfügung, in denen diskutiert oder gemeinsam gekocht werden kann, es gibt PC-Arbeitsplätze und Spielecomputer, 3-D-Brillen und sogar 3-D-Drucker.

So einen multimedialen Tummelplatz wünscht sich die Konzeptgruppe Plan B auch für Osnabrück. Als der Kulturberater Reinhart Richter vor zwei Jahren Gleichgesinnte suchte für eine Alternativplanung zum Einkaufscenter, hatte er eine Bibliothek schon im Blick. Heute, nach dem Aus für das Neumarkt-Center, zeichnet sich im Rat volle Rückendeckung für Plan B ab, der auf eine bunte Mischung aus Büros und Geschäften, Wohnungen und Hochschuleinrichtungen abzielt. Ganz nebenbei hat damit auch die Idee von einer modernen Stadtbibliothek am Neumarkt Karriere gemacht.

Den Vordenkern aus der Konzeptgruppe geht es nicht um eine klassische Leihbücherei, sondern um einen offenen Raum, der so attraktiv ist, dass er Besucher aus nah und fern magisch anzieht: mit E-Games und Virtual Reality, Video- und Tonstudios, Multimedia-Arbeitsplätzen und IT-Workspaces, Kinderwelten und Ruheräumen, einer Bühne und einem Café, möglichst an sieben Tagen in der Woche. Sie sind überzeugt, dass mit diesem Angebot wieder soziales Leben in die kommerziell verdichteten Zentren der Städte zurückkehren wird.

Von einem Ort der demokratischen Stadtgesellschaft″, spricht der Diplom-Psychologe Jörg Petersson, einem Ort der Information des gegenseitigen Zuhörens, des Gespräches, des organisierten und spontanen Treffens″. Menschen aller Altersgruppen könnten in diesem Erlebnisraum Medienkompetenz erwerben und lernen, die digitale Zukunft mitzugestalten. Ziel sei es, mit der neuen Bibliothek einen Wohlfühlort zu schaffen den wichtigsten Treffpunkt und Aufenthaltsort der Stadt″.

Die Initiative Plan B orientiert sich bei ihren Überlegungen vor allem an der 2007 eröffneten Openbaren Bibliothek Amsterdam (OBA). Aber auch die neuen Bibliotheken in Stuttgart, im dänischen Aarhus und im finnischen Helsinki werden als Vorbilder angesehen. Als idealen Standort in Osnabrück sehen die Ideengeber den Neumarkt, weil er zentral liegt und von einigen Zehntausend jungen Menschen täglich frequentiert wird.

Überrascht ist die Konzeptgruppe über die breite Unterstützung, die sie momentan aus verschiedenen Richtungen erfährt. So erklärt der Freundeskreis der Stadtbibliothek Osnabrück in einer Stellungnahme, dass sich eine neue, große und attraktive Bibliothek mit hoher Aufenthaltsqualität am Neumarkt″ zu einem starken Publikumsmagneten entwickeln würde. Eine solche Einrichtung wirke gemeinschaftsstiftend und gemeinschaftsfördernd, außerdem wirke sie ganz nebenbei der Verödung der Innenstädte entgegen. Von einem Ausrufezeichen im Zentrum der Stadt″ spricht der Informatikprofessor Oliver Vornberger, der Vorsitzende des Freundeskreises. Nach seiner Ansicht müsste eine neue Stadtbibliothek gegenüber der heutigen über die fünffache Fläche verfügen.

Beifall aus der Politik

Zustimmung kommt aber auch aus der Politik. Zuerst war es der CDU-Landtagsabgeordnete Burkhard Jasper, der sich in einer Veranstaltung seiner Partei unter großem Beifall dafür aussprach, die Idee einer modernen Bibliothek zu prüfen. Inzwischen haben auch andere Fraktionen Sympathie für das Projekt bekundet.

Die Kosten für eine zeitgemäße Bibliothek beziffert Initiator Reinhart Richter mit 3000 Euro pro Quadratmeter. Derzeit verfügt die Stadtbibliothek Osnabrück über knapp 2000 qm, bei der fünffachen Fläche müssten also 30 Millionen Euro kalkuliert werden. Das lasse sich auch preiswerter machen, glaubt Richter. Er hofft, dass die Stadt das Areal am Neumarkt zum Sanierungsgebiet erklärt und Städtebauförderungsmittel dafür einwirbt. Dann könnte die Stadt mit erheblichen Zuschüssen von Bund und Land auch für die Bibliothek rechnen.

Bildtexte:
Gamer willkommen: In einer modernen Bibliothek tragen Computerspiele dazu bei, Schwellenängste herabzusetzen.
Spielen, Ausruhen, Lesen, Arbeiten: Eine moderne Stadtbibliothek wie Oodi in Helsinki versteht sich als Erlebnisraum für Kultur, Bildung und Freizeit einer aktiven Bürgerschaft. Ein Modell für Osnabrück?
Fotos:
Rainer Lahmann-Lammert

Kommentar
Ein Ort, an dem die Wölfe friedlich werden

Kultur statt Kommerz? Eine moderne Bibliothek wäre ein Highlight für ganz Osnabrück und ein Hoffnungsschimmer für den Neumarkt, wo der Center-Entwickler Unibail Rodamco Westfield mit seiner Schrottimmobilie die Stadtentwicklung für unbestimmte Zeit lahmlegt. Damit hier keine Legenden entstehen: Es geht nicht um das komplette Center-Areal, sondern um eine vergleichsweise kleine Teilfläche. Und die sollte möglichst zentral liegen. Für eine neue Stadtbibliothek wäre der Neumarkt ideal.

Die Fürsprecher eines solchen Vorhabens beziehen sich gern auf den amerikanischen Soziologen Ray Oldenberg, der schon vor Jahrzehnten den Begriff von einem dritten Ort″ geprägt hat, einem Ort neben der Arbeitsstätte und dem Familiendomizil, an dem Gemeinschaft entstehen und wachsen kann. Auf neutralem Boden soll das sein, zwanglos soll es dort zugehen, und wenn es gut läuft, entwickelt sich ein lockerer Austausch auch zwischen Menschen unterschiedlicher sozialer Herkunft.

Hat eine Bibliothek das Zeug, auch die einsamen Wölfe aus dem Großstadtdschungel zu integrieren? Sie vielleicht zu gewinnen, Verantwortung zu übernehmen für sich, für andere und für ihr Umfeld? Ja, dafür gibt es inzwischen gute Beispiele. Und dabei wird klar, dass Bildung weiterhin das Ziel ist, aber dass eine soziale Erfahrung den Weg dorthin ebnet. rll@ noz.de
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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