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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wohnhaus von Ratten befallen
 
Im Haus von Ratten umzingelt
Zwischenüberschrift:
Junge Mutter fühlt sich im Kampf gegen Schädlinge alleingelassen
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück In einem Mehrfamilienhaus in Eversburg haben sich Ratten eingenistet. Die bisherigen Versuche eines Kammerjägers haben noch keinen durchschlagenen Erfolg gehabt, wie der Hausverwalter und Bewohner schildern. Die Ratten finden in den Kellerräumen ausreichende Schlupfwinkel und Nahrung. Angelockt hatte die Nager wahrscheinlich ein Müllberg, der sich über mehrere Monate im Garten aufgetürmt hatte. Mieter, die ausgezogen sind, hinterließen dort Sperrmüll und Unrat und kümmerten sich nicht weiter darum. Das Haus verfügt über 58 Wohnungen, wobei die Mehrzahl in Besitz privater Eigentümer ist. Eine junge Mutter, die mit ihrem elf Monate alten Kind in dem Haus wohnt, traut sich kaum noch in den Keller. Sie fühlt sich im Kampf gegen die Ratten alleingelassen.

Osnabrück Samira* stampft zwei-, dreimal mit den Füßen auf, bevor sie mit uns die Kellertreppe hinabsteigt. Damit die Ratten weggehen″, sagt die 23-Jährige. Sie ist der Verzweiflung nahe, denn sie führt seit Wochen einen Kampf gegen die Ratten in ihrem Haus und fühlt sich damit alleingelassen.

Wir sind in einem Mietshaus mit 58 Wohnungen in Eversburg. Aus der Ferne macht das Gebäude einen guten Eindruck, die Fassade ist vor nicht allzu langer Zeit erneuert worden. Stutzig wird, wer am Eingang die verbogenen Briefkästen entdeckt und im Flur den handgeschriebenen Zettel an der Kellertür: Es sind wieder Ratten im Keller alle Türen zumachen.″

Samira will uns zeigen, wo die Ratten leben hofft aber inständig, dass sich keine blicken lässt. Ich hab solche Angst...″ Die Vorstellung, dass ihr eines der Tiere nahe kommen könnte, macht sie fast wahnsinnig. Sie wohnt mit ihrem Mann und ihrem elf Monate alten Sohn seit etwas mehr als einem Jahr in der Erdgeschosswohnung und hört nachts, wie die Nager durchs Gemäuer trippeln. Zum Beweis hat sie mit dem Handy die Lauf- und Knackgeräusche aufgenommen. Eindrucksvoller als die Tonaufnahmen sind die Videos, die Samira von ihrem Küchenfenster aus gemacht hat: Ratten wuseln am helllichten Tag hektisch über den Rasen.

Müll im Garten

Etwas ist nicht in Ordnung in dem Haus. Samira erzählt: Bis vor zwei Wochen lagerten im Innenhof Berge von Müll, zum Teil unter ihrem Küchenfenster. Frühere Bewohner hätten ihren Sperrmüll einfach zurückgelassen und seien fortgezogen. Auch in Kellergängen hätten sich Hinterlassenschaften gehäuft. Zwei Jahre, so habe sie von Bewohnern gehört, habe der Müllberg draußen gelegen.

Der Hausverwalter bestätigt das Müllproblem. Ja, er habe dafür gesorgt, dass zwei Container aufgestellt worden seien, um Unrat und Sperrmüll zu beseitigen. Samira hat dann zusammen mit einigen Bewohnern den Abfall in die Container geworfen. Schlimm war das″, sagt sie. Es ist doch nicht meine Aufgabe, den Müll anderer Leute wegzuräumen.″

Der Hausverwalter sieht die Wohnungseigentümer und Mieter in der Pflicht. Sein Auftrag beschränkt sich auf die Gemeinschaftsanlagen wie Flure, Treppen, Fassade, Garten. 35 oder 36 der insgesamt 58 Wohnungen in dem Haus sind nach seinen Angaben in Privatbesitz. Die Eigentümer sind gefordert″, sagt er. Sie müssten dafür sorgen, dass die Mieter die Wohnungen pfleglich behandelten und den Müll ordnungsgemäß entsorgten. Ich will ja helfen″, versichert er, aber an der privaten Wohnungstür ende seine Vollmacht.

Dass es ein Rattenproblem gibt, beschönigt der Hausverwalter nicht. Ein Kammerjäger ist seit Monaten in seinem Auftrag im Einsatz. Draußen hat der Schädlingsbekämpfer die Löcher, durch die die Ratten ins Innere gelangen, mit blau gefärbtem Giftschaum verschlossen.

Samira zeigt uns im Keller die Köder, die hinter den Waschmaschinen ausgelegt sind die die klugen Tiere aber nach ersten schlechten Erfahrungen offenbar nicht mehr antasten. Unter der Decke sind nachträglich Rohre und Kabelstränge verlegt worden. Die Mauerdurchbrüche zu den Nachbarräumen sind offen geblieben. Ein Paradies für die Ratten, die sich auf den Rohren wie auf Autobahnen durch den gesamten Unterbau bewegen können.

Die privaten Kellerräume hinter verhängten Holzgittertüren sind zum Teil bis unter die Decke vollgepackt. Wenn nicht hier, wo sonst fühlen sich Ratten richtig wohl? Auch Samiras Mann hat in einem Kellerraum Möbelstücke und sonstigen Hausrat gelagert. Das fassen wir nicht mehr an, das kommt alles weg″, sagt sie.

Anzeige erstattet

Alles müsste raus und weg, der Meinung ist auch der Hausverwalter. Doch dazu brauchte es die Zustimmung der Eigentümer und Mieter womit wir wieder beim Kernproblem sind: Es kümmert sie nicht. Oder sie haben eine grundsätzlich andere Auffassung, was als sauber und aufgeräumt gelten kann. So steht Samira im Kampf gegen die Ratten ziemlich einsam da. Immerhin verspricht der Hausverwalter, dass die Löcher in den Kellerwänden von einer Fachfirma zügig geschlossen werden sollen.

Das Haus geriet vor drei Jahren einmal in den Blick der Staatsanwaltschaft. Der Hausverwalter hatte Anzeige gegen einen Vermieter erstattet, weil dieser nach seiner Auffassung Mietwucher betrieb. Eine Zwei-Zimmer-Wohnung sei mit bis zu zehn Personen belegt gewesen, so die Aussage des Hausverwalters. Die Staatsanwaltschaft fand keine Beweise, dass der Eigentümer eine Zwangslage der Mieter ausgenutzt haben könnte, und stellte das Ermittlungsverfahren ein.

Samira würde am liebsten so schnell wie möglich ausziehen. Doch wohin? Der Wohnungsmarkt bietet kaum Alternativen.* Name geändert

Bildtexte:
Zettel an der Kellertür.
Ein Rattenloch ist mit blauem Giftschaum verfüllt und einem Stein abgedeckt.
Auf diesen Rohren trippeln die Ratten von einem Kellerraum in den nächsten.
Fotos:
Gert Westdörp
Autor:
Wilfried Hinrichs


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