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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Mais und Milch in Textilien
 
Kleidung im Kreislauf halten
 
Siegel für nachhaltige Kleidung
 
Das macht nachhaltige Mode aus
Zwischenüberschrift:
Wie aus Lebensmitteln nachhaltige Kleidung wird
 
Von der Fast Fashion zur Slow Fashion
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Die Modebranche sucht nach neuen Wegen, nachhaltig zu produzieren. Ein Ansatz: Lebensmittelreste wie Maisabfälle, Kokosnussschalen oder getrockneter Kaffeesatz werden in der Polymer-Produktion eingesetzt. Das Ziel ist unter dem Strich, weg vom Erdöl zu kommen. Der Weg ist allerdings noch weit. Und selbst diese neuen Produktionsansätze sind nicht zwangsläufig nachhaltig.

Welche Ansätze gibt es für Lebensmittel in Kleidung? Maisabfälle haben sich in Membranen bewährt und ersetzen hier Polyester-Fasern. Sie sorgen für gutes Feuchtigkeitsmanagement″, erklärt der Fachjournalist Ralf Stefan Beppler. Das heißt, sie leiten Feuchtigkeit wie Schweiß gut von der Haut nach draußen, so dass sie an der Außenseite der Textilien verdampfen kann.

Aus dem Pflanzenzucker der Maispflanze wird Polylactid hergestellt. Das ist ein Sammelbegriff für biologisch abbaubare Plastikstoffe aus Milchsäure. Polylactid ist der aus Erdöl hergestellten Polyester-Faser ähnlich, so Klaus Opwis vom Deutschen Textilforschungszentrum Nord-West in Krefeld. Die Faser hat einen Nachteil, der zugleich ein Vorteil ist: Ihre Ketten gehen unter bestimmten klimatischen Bedingungen kaputt.

Das ist etwa für die Haltbarkeit einer Outdoor-Jacke nicht wünschenswert. Aber unter bestimmten Bedingungen sind die Fasern kompostierbar″, ergänzt Opwis. Auch wenn er betont, dass es dafür mehr braucht, als nur die Kleidung auf den Komposthaufen im Garten zu werfen. Es braucht schon mehr Temperatur dafür.″ Das zeigt auch: An Polylactid müsse noch viel geforscht werden, aber als Ersatz für Erdöl-Produkte habe es seine Berechtigung.

Ein gefragter Rohstoff sind Beppler zufolge Kokosnussschalen. Aus ihnen lässt sich Aktivkohle herstellen, welche in der Kleidung unter anderem eine geruchsabweisende Wirkung hat. Die Technologie der US-Firma 37.5 nutzen bereits viele Sport- und Outdoormarken. Auch Fasern aus getrocknetem Kaffeesatz sorgen für einen ähnlichen Effekt, die Firma Vaude setzt unter anderem auf sie.

Zudem nutzen die Experten Milch, die nicht mehr als Lebensmittel genutzt werden darf, für die Herstellung von Filz. Die sogenannte QMilk-Faser wird aus Kuhmilch hergestellt, die nicht als Lebensmittel verwendet werden durfte. Statt sie wegzukippen, wird sie zur Textilfaser. Hier sind es proteinische Rückstände der Milch, die verwendet werden, nicht Milchsäure. Cooler Ansatz″, findet Textilforscher Klaus Opwis.

Auch Farben lassen sich aus Lebensmittel-Resten gewinnen: Bestandteile von Walnussschalen, Orangenschalen oder Roter Bete setzen verschiedene Firmen ein, zum Beispiel die Outdoor-Hersteller Patagonia und Kathmandu.

Alle Ansätze klingen gut. Doch wie nachhaltig sind sie unterm Strich? Alles, was tatsächlich aus Resten gemacht wird, ist toll″, bewertet Viola Wohlgemuth von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Lebensmittelreste in Kleidung zu verwenden, das passiere industriell erst seit einigen Jahren.

Sie hält es für einen wichtigen Schritt, der aber noch in der Nische steckt. Ihren Informationen zufolge sind 70 Prozent aller eingesetzten Polymere immer noch erdölbasiert. Darum finde ich alle Ansätze mit kompostierbaren oder biologisch abbaubaren Alternativen erstmal gut.″

Allerdings geht es hier um die Details: Werde ein Lebensmittel lediglich in großen Mengen für die Produktion der Klamotten hergestellt, könne das aus ökologischen Gesichtspunkten wieder kritisch sein. Und dass Lebensmittel in Kleidung verarbeitet sind, heißt nicht automatisch, dass die Stücke biologisch abbaubar sind.

Außerdem können die Biostoffe mit anderen Polymeren vermischt sein, was dazu führen könnte, dass sie nicht mehr recycelt werden können. Sortenreine Produkte sind besser. Es sei wichtig, Nachhaltigkeit zu Ende zu denken, betont Wohlgemuth.

Auch Textilforscher Opwis sagt: Für die Wiederverwertung müssen Textilprodukte in der Regel sortenrein sein″. Manchmal könne man sie trennen, aber vielfach sei das aufwendig und rechne sich nicht. Das sollte man bei allen Sachen, die man auf einer grünen Schiene fährt, mitbedenken″, betont der Experte.

Grundsätzlich hält Opwis aber biobasierte Polymere in absehbarer Zeit für immer wichtiger nicht nur aus Umweltschutzgründen. Erdöl wird immer knapper und man muss sich Gedanken machen, was es dann gibt. Wir wollen uns ja weiterhin mit etwas kleiden″, sagt Opwis. Darum sei es elementar, dass sich die Forschung jetzt darüber Gedanken macht.

Und das tut sie: Es gibt Projekte, die der Frage nachgehen, wie Textilien aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden können″, heißt es von einer Sprecherin des Gesamtverbandes der deutschen Textil- und Modeindustrie. Damit werden der Erdölverbrauch verringert und neue Möglichkeiten bei der Kreislaufwirtschaft eröffnet.″

Bildtext:
Vaude setzt in einigen seiner Produkte wie hier bei der Softshell Jacke auf S.Café-Fasern. Dieses Material wird aus recyceltem Kaffeesatz gewonnen und soll geruchsabweisende Wirkung haben.
Foto:
Martin Erd/ Vaude/ dpa-tmn

Osnabrück Wer nachhaltiger shoppen möchte, muss seinen Konsum ändern ohne sich etwas zu verbieten. Es geht darum, wenigr, aber wertiger kaufen″, sagt Sophia Schneider-Esleben, Designerin für Nachhaltigkeit aus Kassel. Der bewusste, nachhaltige Modekonsum wird im Gegensatz zur Fast Fashion auch Slow Fashion genannt.

Am besten denkt man vor jedem Kauf bewusst nach: Lohnt sich der Preis

für die Qualität? Würde ich das Teil jeden Tag tragen? Kann ich mir ein ähnliches Teil für den einen Abend nicht auch von jemandem leihen? Wenn man sich doch in ein Teil verliebt hat, lieber eine Nacht darüber schlafen und schauen, ob die Liebe bis zum nächsten Tag anhält Spontankäufe also generell vermeiden.

Gut sind natürlich Klassiker, die sich vielfältig kombinieren lassen und so mehr zum Einsatz kommen können etwa Blusen, Hemden, Pullover oder Jeans in gedeckten Farben. Natürlich sollen der Spaß an der Mode und die Abwechslung dabei nicht zu kurz kommen. Viel braucht es dafür aber nicht. Designerin Schneider-Esleben rät: Ein paar farbige Highlights sorgen für den besonderen Kniff im Alltagsoutfit.″ So schrumpft insgesamt die Zahl der Schrankhüter ein positiver Nebeneffekt der ganzen Sache.

Eine Faustregel des nachhaltigen Handelns lautet: Je länger ein Stück im Umlauf ist, desto besser. Secondhand hat die beste Ökobilanz, was den Wasserverbrauch und Pestizide angeht″, sagt Dominique van de Pol, Expertin für Nachhaltigkeit. Oft lässt sich so auch viel Geld sparen. Daher sind gute Anlaufstellen Flohmärkte, Secondhand-Läden und entsprechende Online-Plattformen.

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Secondhand hat die beste Ökobilanz.
Foto:
Gabbert/ dpa

Osnabrück Wer nach Leitplanken beim Kauf nachhaltiger und sozialverträglich hergestellter Kleidung sucht, kann sich an Siegeln orientieren. Von denen gibt es aber jede Menge. Laut Greenpeace erfüllen drei Siegel höchste Anforderungen in Bezug auf Chemikalienmanagement, Recycling und Arbeitnehmerrechte: jenes vom internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN Best), der Global Organic Textile Standard (GOTS) und Made in Green″ von Oeko-Tex.

Die vom Bundesentwicklungsministerium betriebene Plattform Siegelklarheit.de nennt neben diesen drei Kennzeichen noch einige weitere eine sehr gute Wahl, darunter das bluesign-Label, das Siegel der Fair Wear Foundation oder das EU Ecolabel für Textilien.

Seit September 2019 gibt es noch das staatliche Siegel Grüner Knopf″, das nachhaltig sozial und ökologisch hergestellte Kleidung kennzeichnen soll aber auch umstritten ist. Zum Beispiel kritisiert Greenpeace das Siegel, weil es nach deren Angaben nicht die gesamte Herstellungskette berücksichtigt.

Bei einem von Stiftung Warentest durchgeführten Test überzeugte das Siegel Global Organic Textile″ (GOTS) am meisten. Bei Kleidung mit dem GOTS-Siegel komme nur Bio-Baumwolle zum Einsatz, die Verarbeitungsbetriebe müssen soziale Mindeststandards gewähren.

Osnabrück Vier Modekollektionen jährlich, für jede Jahreszeit eine so war das mal. Längst bringen die Firmen bis zu zwölf Kollektionen im Jahr in die Läden. Die Preise werden günstiger und die Qualität gleichzeitig schlechter″, sagt Verena Bax, Ressourcen-Expertin vom Naturschutzbund (Nabu). Rund 70 Stücke kauft jeder Deutsche im Jahr. Fast Fashion nennt sich das.

Doch es gibt einen Gegentrend: Neben der Nutzung von ökologischem Material wollen immer mehr Menschen, dass ihre Kleidung unter fairen Arbeitsbedingungen produziert wird die Slow Fashion.

Fair, nachhaltig oder eco-fair wo liegen die Unterschiede? Viele Begriffe tummeln sich in der nachhaltigen Modewelt. Auf den ersten Blick scheinen sie ähnlich, doch es gibt Unterschiede. Wer von fairer Mode spricht, meint gute Arbeitsbedingungen entlang der Produktionskette. Grün″ ist Mode, wenn sie aus ökologisch abbaubaren Materialien besteht und bei der Herstellung weitestgehend auf den Einsatz von Chemikalien verzichtet wurde.

Beide Aspekte lassen sich aber auch vereinen, erklärt Sophia Schneider-Esleben, Designerin für Nachhaltigkeit aus Kassel und Mitglied im Verband der deutschen Mode- und Textildesigner. Eco-fair fasst ökologische Materialien und faire Produktionsbedingungen zusammen.″ Auch hier wird so wenig Chemie wie möglich eingesetzt.

Schwierig ist es mit dem Begriff nachhaltig″. Denn was nachhaltig ist und was nicht, wird von jedem Designer und Label anders interpretiert. Die meisten setzen daher Schwerpunkte und spezialisieren sich entweder auf den fairen oder ökologischen Aspekt″, sagt Dominique van de Pol, Mode- und Trendexpertin für Nachhaltigkeit aus Essen. Nur wenige vereinen beides. Was einem selbst am Herzen liegt, muss also jeder für sich selbst entscheiden.

Wie erkennt man faire und ökologische Mode? Ob auf diese Aspekte geachtet wurde, zeigen zertifizierte Siegel. Meistens sind sie direkt am Etikett angebracht. Die App Siegelklarheit″, initiiert vom Bundesentwicklungsministerium (kostenlos in iTunes und im Google Play Store) kann helfen, sie zu verstehen: Dazu einfach das Siegel mit der Kamera des Smartphones scannen und die Informationen so abrufen. Das Problem: Manche Labels können sich eine Zertifizierung nicht leisten″, erklärt Designerin Schneider-Esleben. Sie empfiehlt, sich gerade bei kleineren Labels im Internet oder im Geschäft beim Händler über die Produktionsbedingungen zu informieren.

Sind diese Kleidungsstücke nicht vergleichsweise teuer? Selbst mit kleinem Budget findet man mittlerweile bei den großen Ketten Kollektionen aus Bio-Materialien. Durch den gezielten Kauf von Bio-Kollektionen zeigt man dem Unternehmen, wohin die Richtung gehen sollte″, sagt van de Pol. Der Preis für ein T-Shirt aus Bio-Baumwolle liegt dabei oft nur minimal höher als der für ein Marken-T-Shirt aus konventioneller Baumwolle.

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Wer von fairer Mode spricht, meint gute Arbeitsbedingungen entlang der Produktionskette.
Foto:
Kay Nietfeld/ dpa/ dpa-tmn
Autor:
dpa, tmn, Tom Nebe, Jule Zentek


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