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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrück ist „nachhaltigste Großstadt″
 
Die nachhaltigste Großstadt – wie geht das?
Zwischenüberschrift:
Stiftung erklärt Osnabrück deutschlandweit zum Vorbild
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Die Stadt Osnabrück ist für ihre Konzepte zur bürgernahen und ökologischen Stadtentwicklung mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet worden. Träger ist die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung, kommunalen Spitzenverbänden, Wirtschaftsvereinigungen, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Forschungseinrichtungen. TV-Moderator Stefan Schulze-Hausmann und Günther Bachmann vom Rat für Nachhaltige Entwicklung überreichten die Auszeichnung am Montagabend Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. Der Preis, der seit 2008 in verschiedenen Kategorien vergeben wird, ist mit 30 000 Euro dotiert. Osnabrück hat die Jury mit Ideen überzeugt, die in der Kommunalpolitik nicht alltäglich sind.

Osnabrück Warum ausgerechnet Osnabrück? Warum ist die Friedensstadt am Montagabend als nachhaltigste Großstadt Deutschlands 2020″ ausgezeichnet worden? Weil sie enkeltauglicher″ geworden ist, wie Oberbürgermeister Wolfgang Griesert beim Festakt im Rathaus sagte.

TV-Moderator Stefan Schulze-Hausmann und Günther Bachmann vom Rat für Nachhaltige Entwicklung überreichten die Auszeichnung am Montagabend im Friedenssaal. Sichtbar wird der Preis durch eine faustdicke glänzende Metallkugel, erlebbar wird er durch das Preisgeld in Höhe von 30 000 Euro.

Das Geld soll in die Kindergärten und Schulen fließen, um dort nachhaltige Mobilität″ und die Verkehrssicherheit zu fördern, wie Griesert sagte. Konkret ist zum Beispiel der Bau einer Radabstellanlage an einer Schule geplant. Nachhaltigkeit sei eine Gemeinschaftsaufgabe, sagte Griesert. Daher gebühre die Auszeichnung allen Osnabrückern, die sich dafür einsetzen, die Stadt ein Stück weit enkeltauglicher zu machen″.

Warum bekommt Osnabrück den Preis? Die Stadt ist für ihre bürgernahe, ökologische und soziale Stadtentwicklung ausgezeichnet worden. Die Jury war besonders beeindruckt von der Steuerung durch strategische Ziele″. 2016 formulierten Rat und Verwaltung acht Ziele, die bis 2020 erreicht werden sollen. Sie richten sich zum Beispiel auf eine sozial- und umweltgerechte Stadtentwicklung″, auf Perspektiven für junge Menschen, nachhaltige Mobilität oder finanzielle Handlungsfähigkeit. Ob und wieweit diese Ziele erreicht werden, kann jeder im Internet (osnabrueck.de/ kosmos) anhand vieler Zahlen und Daten kontrollieren.

Die Jury würdigte außerdem die vielen Möglichkeiten, sich als einfacher Bürger an Planungsprozessen zu beteiligen. Beispielhaft steht dafür die Entwicklung des Masterplans Innenstadt. Etwa 100 Osnabrücker haben in zwei Workshops zusammen mit Experten und unter professioneller Moderation Konzepte für Osnabrück 2030″ erarbeitet. Der Masterplan sieht eine dichtere Bebauung, mehr Grün und weniger Platz für das Auto vor.

Von einem Festival der Beteiligungen″, schwärmte Moderator Schule-Hausmann während der Preisvergabe,

Vorbildlich ist Osnabrück nach Meinung der Jury beim Klima- und Ressourcenschutz. Der Masterplan 100 Prozent Klimaschutz″, die Umstellung des Nahverkehrs auf Elektrobusse, die Vernetzung regionaler Erzeuger durch das Projekt Wirtschaftsförderung 4.0″, die Initiative Plastikfreies Osnabrück″, der außerschulische Lernort im Museum am Schölerberg und das bundesweit erste Solardachkataster seien herausragende Beispiele, wie Osnabrück ein Nachhaltigkeitsbewusstsein schon bei den Kleinsten verankert″, heißt es in der Begründung. Auch die soziale Nachhaltigkeit würdigte die Jury. Osnabrück gebe Neuankömmlingen ein praxisnahes Konzept an die Hand, um sich im Integrationsdschungel″ zurechzufinden.

Wer verleiht den Nachhaltigkeitspreis? Die Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. ist von Stefan Schulze-Hausmann, Wissenschaftsjournalist und Anwalt, ins Leben gerufen worden. Zweck ist laut Satzung, durch die jährliche Vergabe des Preises eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Die Stiftung verleiht den Preis an Unternehmen und Kommunen. Partner sind unter anderem die Rewe Group, Volkswagen, Evonik, Der Grüne Punkt, Henkel und Vaillant. Die Jury besteht aus Wissenschaftlern, Vertretern der kommunalen Spitzenverbände, Mitgliedern des Rates für Nachhaltige Entwicklung und gemeinnützige n Organisationen.

Bildtexte:
Bürgerbeteiligung. Fast 100 Bürger entwickelten in mehreren Workshops Konzepte für die Stadtentwicklung, den Masterplan Innenstadt.
Eneregiewende. Osnabrück führte als erste Stadt ein Solarkatster ein. Hausbesitzer können sehen, ob ihr Haus für Fotovoltaik geeignet ist.
Mobilität. Osnabrück steht bei der Umstellung des Nahverkehrs auf Elektrobusse bundesweit an der Spitze. Die nächsten 40* Busse sind bestellt.
Wirtschaft. Im Projekt " Wirtschaftsförderung 4.0" bringt die Stadt in Kooperation mit dem Wuppertal Institut regionale Erzeuger zusammen.
Fotos:
J. Martens, Archiv/ S. Hehmann, Archiv/ D. Ebener
* es sind 49 bestellt (richtiggestellt vom NUSO-Archiv)

Kommentar
Ein anderer Blick

Die nachhaltigste Großstadt Deutschlands! Das klingt doch nach was. Dieser Titel lässt keine Deutungen zu, keine Relativierungen. Osnabrück geht voran, steht an der Spitze der Bewegung, ist Vorbild für alle Großstädte in Deutschland. Was ist von dieser Auszeichnung zu halten?

Sicher ist Osnabrück kein Musterschüler auf allen Gebieten. In der Verkehrspolitik zum Beispiel gehen die Meinungen weit auseinander. Mancher Pendler wird wahrscheinlich laut auflachen, wenn er im Autoradio von der Auszeichnung hört. Aber auch passionierte Radfahrer werden sich unterm Helm den Kopf kratzen.

In der Gesamtschau allerdings ist die Begründung der Jury schlüssig und nachvollziehbar. Die Stadtpolitik an gemeinsam erarbeiteten Zielen zu orientieren und die Zielerreichung schonungslos mit stichhaltigen Daten und Zahlen zu verifizieren ist zwar kompliziert und oft nervig aber ein wirkungsvoller Kompass. Auch die vielfach erprobte und sehr aufwendige Bürgerbeteiligung ist in der Tat vorbildlich. Schon 2001 hat die Stadt beim Bürgergutachten zum Neumarkt damit Maßstäbe gesetzt.

Es ist kein Nobelpreis, kein Oskar. Aber der Preis lenkt den Blick auf Dinge, die im politischen Alltag oft übersehen werden. Das macht ihn wertvoll.

w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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