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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Naturschützer fordern strengeren Schutz für Wälder im Südkreis
Zwischenüberschrift:
Teutoburger Wald/Kleiner Berg: Warum das Umweltforum dem Landkreis „Klientelpolitik″ vorwirft
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Umweltschützern geht die beschlossene Verordnung für das Landschaftsschutzgebiet Teutoburger Wald/ Kleiner Berg im Osnabrücker Südkreis nicht weit genug. Der Vorsitzende des Umweltforums als Dachverband der Umweltverbände in der Region spricht von einer unsäglichen Klientelpolitik″. Warum die beschlossenen Naturschutzregeln nach Ansicht des Umweltforums meilenweit hinter den gesetzlichen Anforderungen zurückbleiben″.

Worum geht es? Nach den Landesvorgaben für Schutzgebiete müssen sechs Habitatbäume je Hektar erhalten werden. Nach der massiven Kritik der privaten Waldbesitzer hat der Landkreis sich jedoch im Laufe des Verfahrens dazu entschlossen, die öffentliche Hand stärker zu belasten als die Privatwaldbesitzer. Daher sind in den Wäldern mit Lebensraumtypen der öffentlichen Hand zukünftig sogar zehn Habitatbäume je Hektar zu sichern und in den Privatwäldern lediglich vier.

Was sind Habitatbäume? Als Habitatbäume bezeichnet man absterbende Bäume, die bis zum natürlichen Zerfall vor Ort bleiben müssen, weil sie in den unterschiedlichen Alters- und Zerfallsstadien Lebensraum für bestimmte geschützte Arten liefern. Dazu gehören zum Beispiel Käfer oder auch Höhlen für Fledermäuse. Habitatbäume sind nach der Ende September im Kreistag beschlossenen Verordnung jedoch nicht im gesamten Schutzgebiet vorgesehen, sondern ausschließlich in den Bereichen mit den sogenannten Lebensraumtypen und mit Fortpflanzungs- und Ruhestätten für Fledermäuse.

Warum kritisieren Umweltschützer einen Deal″ mit Waldbesitzern? Bei der beschlossenen Verordnung für das Landschaftsschutzgebiet Kleiner Berg kann von strengeren Naturschutzregeln keine Rede sein″, moniert Andreas Peters, der Vorsitzende des Umweltforums, in einer Mitteilung. Die Kreispolitik habe offensichtlich immer noch nicht verstanden, dass es nicht um einen Deal″ zwischen Kreispolitikern und der Interessenvertretung der Waldbauern, sondern um die Umsetzung von klar definierten EU-Naturschutzvorgaben geht. Hier gibt es keine Verhandlungsspielräume″, betont Peters. Er erinnert an die umstrittene Entscheidung für nur einen Meter breite Gewässerrandstreifen in Schutzgebieten und kritisiert, dass sich das Verfahren lückenlos in die stümperhafte und von externen, fachfremden Interessen bestimmte Ausweisungspraxis des Landkreises einreiht″.

Sollten Waldbesitzer entschädigt werden? Das Umweltforum habe vor anderthalb Jahren einen eigenen Entwurf für eine EU-konforme Verordnung vorgelegt. Diese hätte für einen Großteil des Schutzgebietes eine Schutzzone vorgesehen, in der überhaupt keine Nutzung erlaubt wäre. Laura Guhlemann vom Umweltforum fügt hinzu: Solche Maßnahmen könnten als strengere Regeln gelten. Nicht aber die Auflage, dass nur eine geringe Anzahl Totholz- und Habitatbäume auf Privatflächen innerhalb eines europäischen Schutzgebietes stehen gelassen werden müssen.″
Das Umweltforum fordert zudem, dass Waldbesitzer für ihre Nutzungseinschränkungen auch entschädigt werden.

Ist die Verordnung für das Schutzgebiet EU-konform? Der Kleine Berg bei Bad Laer umfasst eine Fläche von gut 600 Hektar. Davon gehören rund 530 Hektar, aufgeteilt in viele kleine Parzellen, privaten Waldbesitzern. Circa 70 Hektar sind Landeswald. Mit der Verordnung des Landkreises für das Schutzgebiet soll eine EU-Richtlinie zur Einrichtung eines Netzes von ökologischen Schutzgebieten umgesetzt werden. Das Umweltforum zeigt sich jedoch überzeugt, dass die Verordnung in dieser Form nicht EU-konform ist, und glaubt daher, dass diese Verordnung wieder kassiert wird″.

Was sagen die Waldbesitzer? Viele Waldeigentümer hingegen halten die aktuelle Schutzgebietsverordnung des Landkreises bereits für zu streng, da sie selbst darüber entscheiden wollen, ob und wann ein Habitatbaum entnommen wird. Ludger Spiegelburg hatte als Geschäftsführer der Kulturlandschaft Osnabrücker Land (KOL), der gut 200 Waldbesitzer angehören, kritisiert, dass Artenschutz vornan stehe, Ressourcenschonung und ressourcennahe Nutzung aber ignoriert würden. Die Verschärfung der Naturschutzregeln sei für viele Waldbauern eine Zumutung.

Bildtext:
Der Schutz bedrohter Fledermausarten ist einer von vielen Gründen, weshalb das Gebiet Teutoburger Wald/ Kleiner Berg als Schutzgebiet ausgewiesen wird. Das Umweltforum fordert in dem Gebiet deutlich mehr Schutz für die Tiere als bislang vorgesehen.
Foto:
dpa/ Holger Hollemann
Autor:
Jean-Charles Fays


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