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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Die Tiere des Waldes im Visier
Zwischenüberschrift:
Jäger halten die Wildbestände im Gleichgewicht – auch aus Liebe zur Natur
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
BISSENDORF. Sobald Hans-Joachim Nieberg den Motor seines Geländewagens aus macht, herrscht tiefe Ruhe im Zittertal. Grillen zirpen in der Abenddämmerung, es duftet nach reifem Getreide. Da″, sagt Nieberg leise und deutet auf die Wiese: Eine Ricke mit zwei Kitzen hat sich aus der Deckung des Waldes gewagt und beginnt zu äsen. Kein Schuss wird heute den Frieden stören. Hans-Joachim Nieberg ist zwar Jägermeister, doch für die täglichen Streifzüge durch sein Revier braucht er kein Gewehr.

Zu behaupten, er kenne jedes Tier in seinem knapp 500 Hektar großen Revier, wäre vermessen doch wenn einer den Überblick über den Wildbestand im gemeinschaftlichen Jagdbezirk Uphausen-Eistrup hat, dann Hans-Joachim Nieberg. Jeden Tag durchstreift der bärtige Ingenieur im Vorruhestand den Bezirk, meist zu Fuß. Nur bei der großen Runde, auf der er Fallen für Raubwild wie Fuchs, Dachs oder Marder kontrolliert, nimmt er den Geländewagen.
Nicht weit von der Ricke und ihren zwei Kitzen halte sich bestimmt auch ein Rehbock auf, sagt er. Denn das Rehwild lebt nicht im Rudel wie etwa das größere Damwild, sondern in Familienverbänden. Und es gibt zuviel davon. Wir haben die Abschusspläne in den letzten 20 Jahren um 400 Prozent erhöht″, betont Nieberg, der nicht nur in seinem Revierjagt, sondern seit zehn Jahren auch als Jägermeister für den Altkreis Osnabrück-Land tätig ist, eine von vier Jägerschaften im Landkreis Osnabrück. In einer Kulturlandschaft wie dieser kann sich das Rehwild zu stark vermehren″, sagt Nieberg.
Jäger sind gesetzlich verpflichtet, den Wildbestand zu regulieren. Die Rehe, die gern an frischem Grün knabbern, würden die Wälder sonst erheblich schädigen. Das Verhältnis von weiblichen zu männlichen Rehenliege bei drei bis vier zu eins, sagt Hendrik Pannenborg, stellvertretender Vorsitzender der Jägerschaft Osnabrück-Land. Das liege nicht nur an Trophäenjägern, die auf Geweihe aus sind. Die meisten Jäger verhielten sich korrekt, so Pannenborg. Niebergs Erfahrung ist die: Viele ältere Jäger sind immer noch der Meinung, es gebe zuwenig weibliches Rehwild.″

Mehr als nur schießen

Hans-Joachim Nieberg hat im Alter von 35 Jahren nicht nur des Schießens wegen den Jagdschein gemacht. Alles andere die Natur beobachten, Biotope schaffen interessiert mich genauso.″ Er selbst hat auf einer 6500 Quadratkilometer großen Wiese in Uphausen ein Feuchtbiotop angelegt. Sie glauben nicht, was da alles hochgeht, wenn wir näher ranfahren″, sagt er. Hasen, Enten, Rebhühner sogar die Bekassine, eine Schnepfenart, habe sich wieder angesiedelt, schwärmt er.
Vom ursprünglichen Umfeld der Tiere ist in der von Feldern dominierten Landschaft nicht mehr viel übriggeblieben. Die Jäger legendaher Hecken an, um Rückzugsmöglichkeiten zwischen Wäldern zu schaffen. Oder sie sorgen dafür, dass auf Lichtungen neben viel befahrenen Straßen Mais angebaut wird, um die Tiere von der Straße wegzulocken.
Nieberg steuert den Rochusberg in Uphausen an und fährt in den Wald. Es ist kurz vor 22 Uhr, doch die Scheinwerfer bleiben aus. Der Jäger deutet auf einen unscheinbaren Hügel. Dort ist ein Dachsbau gelegen, bis zu acht Meter tief″, sagt er. Stundenlang habe er schon im Hochsitz auf der Lauer gelegen und die Tiere beobachtet. Alte Dachsbauten sind regelrechte Wohngemeinschaften. Ganz unten liegt der Dachs, darüber der Fuchs, ganz oben manchmal sogar Kaninchen″, so Nieberg.
Füchse sind am schlauesten″, schwärmt er. Um einen Einzigen zu schießen, brauche er 20 bis 25 Abende, in denen er im Hochsitz lauert. Das macht er nicht zur zum Spaß. Ein Fuchs nimmt 130 Kilo Nahrung jährlich zu sich″ Niederwild wie Hasenetwa. Schon bei zehn Füchsen bleibt da nicht mehr viel für uns Jäger übrig.″ Und abgesehen vom Eigeninteresse: Einige Arten würden hieraus gerottet, wenn wir nicht eingreifen würden.″
Es ist 22.30 Uhr, als die letzte Drossel verstummt. Hans-Joachim Nieberg liebt diesen Augenblick. Von einem Moment auf den anderen schweigt die ganze Tierwelt″, sagt er. Dann hört man nichts weiter als das Rauschen des Waldes. Und mit etwas Glück ein Knacken im Unterholz. Dann heißt es Stillhalten im Hochsitz vielleicht ist es ja sogar ein Fuchs.

Bildtext:
Sein Fernglas hat Hendrik Pannenborg als Jäger und Bezirksförster immer dabei. Das Reh ist im Landkreis Osnabrück das am häufigsten vorkommende Schalenwild. Aber auch Raubtiere wie der Dachs sind in unseren Wäldern heimisch.
Fotos:
dpa, Jörn Martens
Autor:
Sandra Dorn


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