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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Der Wald als Kindergarten
Zwischenüberschrift:
Ob Sonne, Wind, Regen oder Schnee: Kinder spielen und lernen im Hörner Bruch in Sutthausen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Der Windstreift durch die saftig grünen Baumwipfel und bringt die Blätter zum Rascheln. Hier und da ein Vogelzwitschern, sonst Stille. Doch die währt nicht lange. Aus der Ferne sind Stimmen zuhören. Sie kommen näher und werden lauter.

Singende, lachende Kinderstapfen mit ihren zwei Erzieherinnen durch den Wald. Einen Bollerwagen, bepackt mit Isomatten, Bastelsachen und Wasser, haben sie bei sich.
Sie wollen zum Erdhügel, einem ihrer liebsten Plätze im Wald. Hier kennen sie sich gut aus, denn es ist ihr Kindergarten ihr Waldkindergarten im Hörner Bruch in Sutthausen. Die Kinder setzen ihre kleinen Rucksäckeab, packen Butterbrote und Trinkflaschen aus. Erst einmal frühstücken.
Erzieherin Nina Krausezieht ein Fläschchen mit Ölaus ihrem Rucksack. Kinder, kommt zum Einölen″, ruft sie. Der süßlich schwere Duft von Zedernöl kriecht einem in die Nase. Das hilft gegen Zecken, Mücken und andereInsekten″, erklärt Krause.
Im Wald dürfen sich die Kinder austoben. Sie wälzensich im Sand und schlitternden Erdhügel hinunter. Austrockenem Heu werden Flügel, Stöcker zu schweren Ritterschwertern. Auf einer Plane liegen Wachsmaler und Buntstifte. Lucy liegt auf dem Bauch und malt ein buntes Fantasietier. Lasse bastelt Indianerschmuck aus Papier.
Die Kleinen sollen dabei auch lernen, verantwortungsbewusst mit der Umwelt umzugehen. Wir setzen hier auf das Minimalprinzip. Weniger ist mehr″, sagt Gruppenleiterin Christiane Wessel. Fünf Liter Wassernehmen sie in einem Kanister mit. Mehr soll am Tag nicht verbraucht werden. Energie benötigen sie kaum, nur wenn sie sich mal in ihren Bauwagen zurückziehen und die Gasheizung anmachen. Wenn Kinder und Erzieherinnen zur Toilette müssen, gehen sie mit einer Rolle Klopapier ins Gebüsch oder hinter einen Baum.
Der Waldkindergarten ist das ganze Jahr geöffnet. Ob es regnet, hagelt oder schneit, alle sind immer draußen an der frischen Luft. Regen macht den Kindern nichts aus, sie haben Spaß dabei″, sagt Christiane Wessel. Nur bei starkem Sturm, Gewitter oder Unwettern geht die Gruppe in einen Ausweichraum im Ort.

Die Alternative: Waldtag

Statt im Wald bewegen sich die Jungen und Mädchen der Kindertagesstätte St. Barbara für gewöhnlich in Gruppenräumen. Doch im Mai waren die Erzieherinnen zum ersten Mal mit allen Kindern im Wald am nahen Natruper Holz. Drei Kindergartentage verbrachten sie dort. Alle packten gemeinsam an und bauten aus Holz Stühle, Toiletten und Bedachungen zum Schutz vor Regen.
Den Kindern hat das total gut gefallen. Schlechtes Wetter ist eher ein Erwachsenenproblem″, erzählt Judith Sonsmann, Erzieherin in der Kita. Auch die Resonanz der Eltern war weitgehend positiv.″ Es habe allerdings einpaar Eltern gegeben, die ihre Kinder an Bedenken, dass die Kinder sich dreckig machen könnten″, weiß Sonsmann aus Erfahrung.
Für die Kinder sei es eine gute Gelegenheit, ihre Sinneswahrnehmungen zu schärfen. Sie fühlen, riechen, hören und probieren auch mal Regenwürmer.″ Spielsachen aus der Kita werden nicht mitgenommen. Die Jungen und Mädchen sollen ihre Fantasie anregen und mit dem spielen, was der Wald ihnen bietet. So haben sie sich ein Tannenzapfenbad gebaut. Das haben sie in der Kita auch, nur aus vielen bunten Plastikbällen.
Judith Sonsmann und ihre Kollegen werden mit den Kindern nun regelmäßig in den Wald gehen. Der Tag habe allen gutgetan, und sie lernen gleichzeitig, bewusst mit der Umwelt umzugehen. Es gibt sogar Kinder, die waren noch nie im Wald.″

Bildtexte:
Bastelstunde unter freiem Himmel: Die Kinder aus dem Waldkindergarten kennen es nicht anders, sie sind immer an der frischen Luft.
Drei Tage Spaß im Wald hatten die Kindergartenkinder von St. Barbara Osnabrück.
Fotos:
Michael Hehmann, Nadine Gertken

Im Kommen
Waldkindergärten setzen auf das Konzept der Waldpädagogik. Kinder sollen soziale Kompetenz, Kreativität und Persönlichkeit durch den Alltag in der Natur lernen und besser entwickeln können. In der Natur sollen vor allem die Sinne der Kinder geschärft werden. Sie hören Geräusche wie Vogelstimmen, Plätschern oder Knacken. Sie haben Hautkontakt mit Erde, Blättern, Moos, Sand, sie bauen Buden aus Stöckern und Ästen, sie klettern, springen und laufen durch den Wald. Die Kinder lernen den verantwortungsvollen Umgang mit Natur, ihren Lebewesen und der Umwelt. Dabei wird auf den Umgang mit Stiften, Bastelutensilien oder Musikinstrumenten nicht verzichtet. Deutschlandweit gibt es 1400 solcher Kindergärten, die Tendenz ist stegend.

Spiele im Wald
Bäume ertasten: Mit verbundenen Augen wird ein Kind an mehrere Bäume geführt, um diese zu ertasten. Anschließend geht es wieder zurück zum Ausgangspunkt. Nun müssendie Bäume wiedererkannt und benannt werden. Auf der Pirsch im Wald: Entlang eines Weges durch den Wald werden verschiedene Waldtiere aus Pappe aufgestellt. Jedes Kind läuft nun diesen Weg entlang und versucht sich alle Tiere zu merken.Extrapunkte gibt es für die richtige Nennung der Reihenfolge. Waldboden riechen: In verschiedenen Bechern wird jeweils unterschiedliche Erde (Waldbodenerde, Torf, Lehm, Sand) gefüllt. Jedes Kind muss mit verbundenen Augen riechen und sagen, um welche Erde es sich handelt. Internet für Kinder: http:// kinder.wald.de/
Autor:
Kathrin Pohlmann


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