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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ökostrom für mehr grüne Energie vor Ort
 
Ein Cent fürs Klima
Zwischenüberschrift:
So fördern Ökostrom-Kunden den Ausbau erneuerbarer Energien in Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
 
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Originaltext:
Osnabrück Kunden der Stadtwerke Osnabrück leisten einen unmittelbaren Beitrag zum Ausbau von erneuerbarer Energie in der Region, wenn sie einen Ökostrom-Tarif mit sogenanntem Klimacent abschließen. Bei diesem Angebot zahlen sie freiwillig einen Cent pro verbrauchter Kilowattstunde extra in einen Topf ein, der vom Anbieter jährlich um 25 000 Euro aufgestockt wird. In den vergangenen 20 Jahren kamen so bereits 800 000 Euro zusammen auch wenn die Gruppe der Klimacent-Zahler ziemlich gering ist.

Das Geld wurde nach Angaben der Stadtwerke vor allem in den Bau von Solaranlagen auf öffentlichen Gebäuden gesteckt. Schulen, Museen und Bäder kamen bereits in den Genuss der Förderung, ebenso Verwaltungssitze und Kindergärten. Als Nächstes sind Vereinsheime an der Reihe.

Osnabrück Seit 1999 bieten die Stadtwerke Osnabrück einen besonderen Ökostrom-Tarif an: Dabei zahlt jeder Kunde freiwillig einen Cent pro verbrauchter Kilowattstunde extra. Dieser Klimacent″ fließt in einen Topf zum Ausbau grüner Energie vor Ort. In 20 Jahren kamen auf diese Weise schon 800 000 Euro zusammen.

Mit ihrem Klimacent-Tarif gingen die Stadtwerke damals ganz neue Wege beim Ökostrom. Dahinter steht ein innovatives Partnermodell, bei dem Anbieter und Kunde gemeinsam in die Errichtung von Anlagen zur regenerativen Stromerzeugung investieren. Und zwar nicht irgendwo, sondern bei uns in der Region.

Das geht so: Jeder Kunde, der sich für dieses spezielle Angebot entscheidet, begleicht nicht nur seine jährliche Ökostrom-Rechnung, sondern legt abhängig vom Verbrauch noch eine bestimmte Summe obendrauf. Anfangs waren das vier Pfennig pro Kilowattstunde (kWh), später zwei Cent. Heute ist es genau ein Cent. Beispiel: Wer im Jahr 3000 kWh verbraucht (was ungefähr der Durchschnittswert eines Zwei-Personen-Haushalts ist), zahlt also freiwillig 30 Euro mehr. Dieses Extra-Geld wandert in einen separaten Topf, den die Stadtwerke jedes Jahr mit 25 000 Euro aufstocken. Die gesamten Mittel werden anschließend komplett in die heimische Produktion von grüner Energie gesteckt.

Bisher sind rund 800 000 Euro im Klimacent-Topf gelandet″, berichtet Stadtwerke-Sprecherin Lisa Hoff auf Anfrage unserer Redaktion. Das heißt: Im Laufe von 20 Jahren hat der Versorger ungefähr eine halbe Million Euro beigesteuert. Den Rest brachten die Kunden auf.

Dabei scheint Ökostrom im Allgemeinen bei den Stadtwerken Osnabrück nach wie vor ein Nischenprodukt zu sein. Gerade einmal 3 von 100 Kunden entscheiden sich dafür, wie das Unternehmen weiter mitteilt. Selbst nach den Reaktorunfällen in Japan sei dieser Anteil nur kurzfristig gestiegen obwohl der Preisunterschied zu einem vergleichbaren Tarif für SWO-Kunden mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh derzeit bei weniger als zehn Euro pro Jahr liege.

Den Ökostrom-Tarif mit Klimacent nutzen den Angaben zufolge knapp 300 Kunden. Diese handelten jedoch aus voller Überzeugung″ und seien besonders treu. Größter Einzelabnehmer dürfte die Stadt Osnabrück sein.

Wie der Eigenbetrieb Immobilien- und Gebäudemanagement auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt, bezieht sie seit 2014 den Ökostrom-Tarif mit Klimacent für die Schulen und mitversorgte, angrenzende Gebäude, die am Energiesparprogramm Schalt mal ab! teilnehmen. Mit rund 3900 Megawattstunden beträgt dies etwa 40 Prozent des Stromverbrauchs der städtischen Gebäude″, sagt Leiter Dirk König. Dafür zahle die Stadt jährlich etwa 58 000 Euro an Mehrkosten, wovon 46 000 Euro über den Klimacent in den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien durch die Stadtwerke fließen würden.

Die Liste der seit 1999 mit dem Klimacent geförderten Projekte ist jedenfalls lang. Zahlreiche Dächer etwa von Schulen wurden mit Fotovoltaik-Anlagen belegt, außerdem weitere öffentliche Gebäude wie das Nettebad, die Stadtwerke-Zentrale oder das Museum am Schölerberg. Eine der größten Fotovoltaik-Anlagen entstand 2011 am Außenlager der Stadtwerke im Hafen: Mit einer Modulfläche von 400 Quadratmetern liefert sie jährlich bis zu 37 000 Kilowattstunden Sonnenenergie. An der Nackten Mühle wurde mithilfe des Klimacents auch ein Wasserkraftwerk installiert.

Hinzu kamen in jüngerer Zeit Solaranlagen inklusive Stromspeicher auf zehn Kindertagesstätten. Dafür hatten die Stadtwerke 2017 eigens das Programm Sonneküken″ aufgelegt. Bei acht Einrichtungen wurden die Anlagen bereits installiert. Die beiden übrigen sollen bis Jahresende folgen.

Wir werden nicht müde, weitere und neue Partner für den Ausbau der Sonnenstromerzeugung zu finden″, betont Stadtwerke-Energievertriebsleiter Eckhard Reimler. Aktuell hat das Unternehmen ein Auge auf Vereinsheime geworfen. Das Versprechen lautet: Planung, Bau und Installation der Solaranlage übernehmen die Stadtwerke, ebenso die kompletten Kosten. Der Verein braucht sich um nichts zu kümmern. Er bekommt den Strom vom eigenen Dach sogar geschenkt.

Interessierte gemeinnützige Vereine können sich bis zum 3. November im Internet auf swo.de/ klimacent um dieses Paket bewerben. Drei erhalten den Zuschlag.

Bildtext:
Beispiel Kita Lüstringen: Der Ausbau von Solaranlagen in Osnabrück wurde in den vergangenen 20 Jahren zu einem beträchtlichen Teil mit Mitteln aus dem Klimacent-Topf der Stadtwerke gefördert. Gespeist wird dieser von einer kleinen Gruppe Ökostrom-Kunden und dem Versorger selbst.
Foto:
Stadtwerke Osnabrück

Kommentar
Keiner will wechseln

Fukushima hin, Fridays for Future her: Nur 3 von 100 Stromkunden der Stadtwerke Osnabrück entscheiden sich für Ökostrom. Selbst wenn in Japan ein Atomkraftwerk explodiert oder die Jugend weltweit für den Klimaschutz auf die Straße geht, zeigen die Verbraucher vor Ort kaum Wechselwillen. Dabei ist der Preisunterschied zum Standardtarif nach Angaben des Versorgers aufs Jahr gesehen kaum der Rede wert.

Wer einen Ökostrom-Tarif wählt, lehnt Atom- und Kohlekraft bewusst ab. Und leistet mit seiner Nachfrage einen aktiven Beitrag zum Ausbau der regenerativen Energien. Für den Ökostrom-Tarif mit Klimacent der Stadtwerke Osnabrück gilt das in besonderem Maße. Denn hier profitiert die Region unmittelbar. Schade, dass das Angebot auch nach 20 Jahren bei nur wenigen Hundert Kunden verfängt. Und so defensiv beworben wird: Wer heute auf den Internetseiten der SWO nach Stromtarifen sucht, bekommt ihn nicht einmal angezeigt.

s.stricker@ noz.de
Autor:
Sebastian Stricker


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