User Online: 1 | Timeout: 12:49Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadt kauft Zentrale der Para-Kliniken
 
Warum die Stadt die Paracelsus-Zentrale kauft
Zwischenüberschrift:
Verwaltung braucht mehr Platz und setzt damit ein Immobilienkarussell in Gang
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Auf der Suche nach zusätzlichen Büroräumen für ihre Mitarbeiter ist die Stadt fündig geworden: Sie kauft den Paracelsus-Kliniken das Gebäude der Konzernzentrale an der Sedanstraße ab. Der Preis: 6, 6 Millionen Euro. Das ist am Rande der Ratssitzung am Dienstagabend bekannt geworden, in der die Fraktionen heftig über weitere strategische Immobilienkäufe stritten. SPD-Fraktionshef Frank Henning warb eindringlich dafür, das ehemalige Finanzamt an der Hannoversche Straße zu erwerben, damit die Stadt die Entwicklung dort selbst steuern kann. Das Gebäude steht für 850 000 Euro zum Verkauf, ist aber asbestbelastet. Eine Sanierung würde fast 16 Millionen Euro kosten, ein Abriss und Neubau knapp 24 Millionen, sagt die Verwaltung. Was wird aus dem alten Finanzamt und der Para-Zentrale?

Osnabrück Die Stadt Osnabrück hat die Konzernzentrale der Paracelsus-Kliniken gekauft. Warum? Und was wird aus der Para-Zentrale? In Osnabrück dreht sich ein Immobilienkarussell. Fahren wir eine Runde mit.

Auf dem Karussell stehen drei Liegenschaften: die Paracelsus-Konzernzentrale, das ehemalige Finanzamt Osnabrück-Land und der Parkplatz an der Dominikanerkirche. Sie alle spielen eine Rolle bei der Suche der Stadt nach zusätzlichen Büros. Über 70 Stellen sollen laut Haushaltsplan 2020 geschaffen werden. Also: Die Verwaltung braucht mehr Platz.

Paracelsus-Zentrale

Die Stadt hat die Paracelsus-Konzernzentrale gekauft, weil die Verwaltung hohen Flächenbedarf″ hat, wie Finanzchef Thomas Fillep sagt. Er geht davon aus, dass Paracelsus mittelfristig″ ausziehen und das Haus dann für Abteilungen der Stadtverwaltung zur Verfügung stehen wird.

Für 6, 6 Millionen Euro hat die Stadt nach Informationen unserer Redaktion die Immobilie an der Sedanstraße (nicht zu verwechseln mit dem Krankenhaus am Natruper Holz) erworben. Paracelsus bleibt als Mieter bis auf Weiteres in dem Gebäude. Paracelsus-Sprecherin Dirten von Schmeling sagte am Mittwoch, die Initiative sei von der Stadt ausgegangen und für den Paracelsus-Vorstand durchaus überraschend″ gekommen.

Das Kaufangebot fügte sich aber offenbar gut in die Überlegungen des Para-Eigentümers, die Konzernzentrale neu zu strukturieren. Die Porterhouse Gruppe aus der Schweiz hat die Paracelsus-Kliniken 2018 übernommen. Felix Happel, 37-jähriger Porterhouse-Eigentümer, hat klare Vorstellungen von einer modernen Bürowelt, die sich in dem Verwaltungsgebäude nicht umsetzen lassen. Die Zentrale ist für unsere Bedürfnisse zu groß. Zu viel Platz, zu viel Repräsentanz″, sagte Para-Sprecherin von Schmeling. Porterhouse pflege eine andere Unternehmenskultur. Die Konzernzentrale werde vorerst in dem Gebäude bleiben, bis sich etwas anderes ergebe. Doch eines sei sicher, versicherte die Unternehmenssprecherin: Die Konzernzentrale behält ihren Sitz in Osnabrück.″

Der Kauf macht vermutlich auch den Weg frei zum Bau einer Straße, die den Wohn- und Wissenschaftspark in der ehemaligen Kaserne von Norden erschließen soll. Schon 2013 vor der Bürgerbefragung über die Entlastungsstraße West hatte der Rat den Bau dieser 600 Meter langen Nordtangente zwischen der Natruper Straße und Sedanstraße beschlossen.

Ehemaliges Finanzamt

Dass die Stadt an der Sedanstraße zugegriffen hat, hat möglicherweise auch mit dem Rückzug an anderer Stelle zu tun: Der geplante Kauf des ehemaligen Finanzamtes an der Hannoverschen Straße ist geplatzt. Eine Mehrheit des Stadtrates folgte am Dienstag nicht dem Vorschlag der SPD, dem Land das ehemalige Finanzamt abzukaufen, um es unter anderem für die Verwaltung zu nutzen. CDU/ BOB und Grüne setzten sich mit ihrem Antrag durch: Die Stadt kauft nicht, weil der Preis zu hoch ist.

Das Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften bietet das alte Finanzamt im Internet für 850 000 Euro zum Kauf an. 760 000 Euro kostet das Grundstück (3987 qm), das Gebäude hat einen Restwert von 90 000 Euro. Im Januar schien der Kauf schon in trockenen Tüchern. Einschließlich der Sanierung kalkulierte die Stadt mit Gesamtkosten von 6, 5 Millionen Euro.

Doch dann die Ernüchterung: Gutachter stellten fest, dass das 1951 errichtete Gebäude von oben bis unten mit asbesthaltigem Material verputzt ist. Solange es nicht angerührt wird, besteht keine Gefahr. Doch bei einer Renovierung müsste das Haus komplett entkernt werden.

Die Kosten einer Grundsanierung werden sehr unterschiedlich eingeschätzt. Frank Henning (SPD), der sich vehement für den Kauf einsetzt, geht von 2, 4 Millionen Euro aus und beruft sich dabei auf ein Schreiben des Finanzministeriums. Der Eigenbetrieb Immobilien der Stadt taxiert die Kosten auf 15, 9 Millionen Euro. Abriss und Neubau würden demnach sogar 23, 6 Millionen Euro kosten. Angesichts dieser Zahlen lehnen CDU/ BOB und Grüne den Kauf der mutmaßlichen Schrottimmobilie ab. Die Stadt ist raus aus dem Geschäft.

Henning hält es für eine Fehlentscheidung, die Immobilie dem freien Markt zu überlassen. Die Stadt müsse sich solche, für die Stadt strategisch wichtige Flächen sichern, um die Entwicklung steuern zu können. Die Sanierung könnten private Unternehmen oder städtische Tochtergesellschaften billiger umsetzen als die Stadt selbst.

Henning ließ in der Ratssitzung durchklingen, dass die Verwaltung die Sanierungskosten extra hoch angesetzt habe, um den Kauf zu torpedieren. Man wolle offenbar keinen Verwaltungssitz an dieser Stelle. Nebenan im ehemaligen Telekomgebäude ist ein Teil der Stadtverwaltung untergebracht. Die Stadt zahlt dafür im Jahr 120 000 Euro Miete.

Parkplatz am Hasetorwall

Henning glaubt, dass es in der Verwaltung starke Kräfte gibt, die die Büros lieber zentral gebündelt haben wollen. Als möglicher Standort für ein Bürohaus kommt der Parkplatz an der Dominikanerkirche (Hasetorwall) in Betracht. Die SPD-Fraktion will dort keine Büros, sondern Wohnungen. Ihr Vorschlag: Bau eines mehrstöckigen Wohngebäudes auf Stelzen, damit darunter Parkraum erhalten bleibt.

CDU/ BOB und Grüne setzten sich im Rat mit einer weniger weitgehenden Variante durch. Die Verwaltung soll ein Konzept zur optimierten Unterbringung″ von Verwaltungseinheiten erarbeiten, das auch bisher nicht genutzte städtische Grundstücke wie den Parkplatz Dominikanerkloster in den Blick nimmt, um hier Mischnutzungen mit Büros und Wohnungen zu ermöglichen.

Das Karussell dreht sich weiter.

Bildtexte:
Die Paracelsus-Zentrale ist das Gebäude im Vordergrund mit dem runden Büroturm. Links die Paracelsus-Klinik, rechts oben der Wohn- und Wissenschaftspark. Der Grünstreifen in der Mitte ist die Trasse für die Erschließungsstraße.
Ehemaliges Finanzamt.
Parkplatz am Dominikanerkloster.
Fotos:
Gert Westdörp, Jörn Martens

Kommentar
Der Entlastungsstraße einen Schritt näher

Blicken wir ein Jahr zurück: Als die Stadt als Trägerin des Klinikums mit der Paracelsus-Spitze über eine Fusion der beiden Kliniken verhandelte, brachten die städtischen Verhandlungsführer auch das Gebäude der Konzernzentrale ins Spiel. Gewiss spielte die Suche nach passenden Büros für die Verwaltung eine Rolle, aber die wichtigere Triebfeder war wohl die Aussicht, endlich die lange geplante Nordtangente bauen zu können. Georg Krukemeyer, der frühere Paracelsus-Eigentümer, hatte sich stets gegen diese Straße gewehrt, weil sie seiner Konzernzentrale sehr nah kommen würde. Dieses Problem ist gelöst.

Das Teilstück ist gleichsam die nördliche Verlängerung der Entlastungsstraße West, die 2014 in der Bürgerbefragung gescheitert ist. Der Bebauungsplan für den Wissenschaftspark sieht diese Straße ausdrücklich vor, um den zusätzlichen Verkehr aufzunehmen. Die vielen Wohnungen, der erweiterte Uni-Campus und die neuen Firmen erzeugen erheblichen Autoverkehr, der nicht durch die ohnehin belasteten Wohnstraßen ringsum geführt werden soll. Die Stadt steht im Wort. Sie hat den Anliegern des Wohn- und Wissenschaftsparks den nördlichen Straßenanschluss versprochen. Ein Unternehmer hat schon mit Klage gedroht, sollte die Straße nicht kommen. Und kommt sie, wird die Diskussion um die Entlastungsstraße wieder aufleben.

w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


Anfang der Liste Ende der Liste