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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Allein auf weiter Flur
Zwischenüberschrift:
Gasthaus „Meyer im grünen Tal″ in Hellern
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Seit 1986 gibt es in Hellern die Alte Kasse″ als Stadtteiltreff. Doch was war vorher, wo kamen die Helleraner gesellig zusammen? Einen beliebten Ort zeigt die Postkartenansicht aus den 1930er-Jahren: das Kaffeehaus Meyer im grünen Tal″, Besitzer Gustav Meyer, an der Großen Schulstraße.

Mit Kaffeegarten und Kegelbahn verfügte die Gaststätte über die typischen Attribute, die der Kranz von Ausflugslokalen in angenehmer Spaziergangsentfernung rund um Osnabrück aufbot, um das geschätzte Publikum″ aus der Stadt anzulocken.
Die Straßenbahn ging bis zum Schweizerhaus an der Rheiner Landstraße, später bis zum Heger Friedhof, und von dort aus war Meyer in einer bequemen halben Stunde zu erreichen. Das grüne Tal″ der Düte kam dem im 19.Jahrhundert erwachten Naturverständnis und dem wachsenden Bedürfnis nach Erholung entgegen. Wie auf dem Bild zu erkennen, war das Gasthaus von Naturpur″ umgeben. Die heutige fast geschlossene Bebauung der Großen Schulstraße auf beiden Straßenseiten lag noch in weiter Ferne.
Aber auch für die Geselligkeit und das Vereinswesen in der bis 1972 eigenständigen Landgemeinde Hellern spielte das Gasthaus Meyer einewichtige Rolle. Den alteingesessenen Bewohnern des heutigen Osnabrücker Stadtteils ist der wohlbeleibte Wirt mit dem Spitznamen Pönnsken-Meyer″ noch ein Begriff. Vielleicht bekam er diesen Beinamen, damit er nicht mit Schnotten-Meyer″ verwechselt wurde, dem Bäcker am Pottgraben. Der verdankte seinen wenig schmeichelhaften Scherznamen bekanntlich den Gebäckteilchen mit Puddingfüllung wegen deren schwer zu beschreibender Farbgebung.
Pönnsken-Meyer″ jedenfalls war ein beliebter Wirt, der es verstand, Vereine und Gesellschaften an sein Lokal zu binden. Der Skatvereinim grünen Tal″ hatte den Namen gleich mit adoptiert. Die Karnevalisten von Hermania Hellern″ feierten hier so manche Sitzung. Deren langjähriger Präsident Franz („ Fränzi″) Wagener rühmt besonders den Grünkohl, den Meyers Küche bereitete: Der war unübertroffen, dafür kamen die Leute von weither.″
Links von der Eingangstür war ein kleiner Kramladen. Generationen von Schulkindern kamen dort nach der Schule vorbei. Es gab nicht nur Schreibbedarf, sondern für wenige Groschen auch die beliebten Heinerle″-Wundertüten, die Überraschungseier der Fünfzigerjahre. Im Gegensatz zu den späteren Ü-Eiern boten sie den Vorteil, dass sich vor dem Kauf ertasten ließ, was drin war. Bei etwas Glück und ausreichender Geduld der Verkäuferin konnte man dann die Plastilin-Figur des Indianers mit der bedrohlicher hobenen Tomahawk-Axtergattern, wenn einem dienoch fehlte.
Schräg gegenüber, etwas weiter in Richtung Schule, erhob sich noch bis in die Sechzigerjahre ein begrünter Bunker. Im letzten Krieg sollte er den Schulkindern Schutz vor Bombenangriffen bieten, damit sie nicht jedes Mal bei den häufiger werdenden Luftalarmen nach Hause laufen mussten. Er wurde aber nie fertiggestellt. Nachkriegsschulkinder werden sich daran erinnern, dass die Klassenfotos stets vor dem Hintergrund des Schulbunkers geknipst wurden.
Heute ist von alldem nichts mehr zu sehen, beide Seiten der Großen Schulstraße sind bebaut. Die Gaststätte Meyer im grünen Tal″ ging mit entkernter Bausubstanz im linken Teil des Gesundheitszentrums Hellern″ auf. Unternehmer Ralf Oeverhaus, der das leer stehende Gasthaus zu Beginn der Neunzigerjahre erwarb, hat hier ein Sub-Zentrum für den Stadtteil entwickelt. Arztpraxen, Apotheke und andere gesundheitsnahe Dienstleister″ haben sich in dem auffälligen gelben Gebäudekomplex eingerichtet. Das grüne Tal″ lebt im Namen der Apotheke und einer Siedlungsstraße fort.

Bildtexte:
Ein beliebtes Ausflugslokal war das Kaffeehaus Meyer im grünen Tal″ an der Großen Schulstraße in Hellern damals noch selbstständige Landgemeinde, heute Osnabrücker Stadtteil. Ansichtskarte aus den 1930er-Jahren nach einem Foto von H. Veith (Sammlung Helmut Riecken)
Von Grün zu Gelb: Ein Gesundheitszentrum nimmt heute den Platz des Gasthauses ein.
Foto:
Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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