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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Was darf das Schwimmen kosten?
Zwischenüberschrift:
Bäderchef Hermle steht im Ausschuss Rede und Antwort
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Bäderchef Wolfgang Hermle von den Stadtwerken hat es derzeit nicht leicht. Sein Haus soll wirtschaftlich arbeiten, gleichzeitig wird jeder Schritt zu mehr Wirtschaftlichkeit von Politik, Vereinen und Stadtverwaltung kritisch beäugt. Da nimmt es kaum wunder, dass Osnabrücks oberster Schwimmmeister in der jüngsten Sitzung des Schul- und Sportausschusses die meiste Redezeit in Anspruch nehmen durfte.

Dabei gingen die Themen das eine oder andere Mal kräftig durcheinander. Derer gab es drei: die Veränderung des Abrechnungssystems der Schwimmzeiten im Rahmen des Schulschwimmens und das Anfängerschwimmen. Diese beiden Themen standen auf der Tagesordnung. Das dritte Thema schwappte per aktuelle Tagespolitik immer wieder in die Diskussion hinein: die veränderte Abrechnungsgrundlage der Stadtwerke für das Vereinsschwimmen.

Zankapfel der Parteien

Beginnen wir mit Letzterem. Die Osnabrücker Schwimmvereine, die zum Teil Vertreter in die Sitzung im Rathaus entsandt hatten, sehen sich mit einem neuen Abrechnungsmodus (18, 40 Euro pro Bahn und pro Stunde) konfrontiert. Erste Berechnungen der Vereine kommen zu dem Ergebnis, dass die Belastungen allerdings durchaus unterschiedlich ausfallen können. Während größere Vereine mit vielen aktiven Schwimmern profitieren und möglicherweise günstiger dastehen, kommen auf kleinere Vereine mit nur wenigen Aktiven Mehrkosten zu.

Während die veränderte Preisstruktur im Aufsichtsrat der Stadtwerke auch bei den dort vertretenen Mitgliedern aus der Lokalpolitik keinen Widerspruch erregte, wurde das Thema, als es dann das erste Mal das Licht der Öffentlichkeit erblickte, auch bei den Parteien zum Zankapfel.

Wir haben das nicht gemacht, um das Ergebnis der Bäder zu verbessern″, stellte Hermle im Ausschuss klar. Es sei vielmehr darum gegangen, die Auslastung der Wasserflächen zu optimieren und Leerstände zu vermeiden, während an anderer Stelle Vereine auf Wasserzeiten warten müssten. Wir wollen ein transparentes Verfahren″, so Hermle. Der Vertreter des Stadtsportbundes im Ausschuss, Ralph Bode, zeigte sich überzeugt, dass eine gemeinschaftliche Lösung gefunden werde. Wenn die finanzielle Belastung zu hoch wird, müssen wir entweder das Tarifmodell der Stadtwerke oder die Vereinsförderung überdenken.″ Die Sportkommission solle möglichst noch vor den Herbstferien zusammenkommen und das Thema diskutieren.

Kritische Fragen

Wie schon beim Thema Vereinsschwimmen, so musste sich Hermle auch beim Thema Schulschwimmen kritischen Fragen der Politiker stellen. Hier stand der SWO-Bäderchef allerdings nicht alleine da. Unterstützung bekam er aus der Verwaltung, die den Weg eines neuen Abrechnungssystems für das Schulschwimmen mitgeht. Kern ist hier eine Verteuerung der Schwimmzeiten zulasten des städtischen Haushalts. Auch hier soll die Berechnung in Zukunft nach belegten Bahnen erfolgen. Die Bäderbetriebe rechnen vor, dass die Bahnen grundsätzlich mit acht bis 15 Schülern zu belegen sind. tatsächlich sind es aber 6, 25 Schüler. Durch dieses Modell erfolgt aus Sicht der Stadt Osnabrück eine transparente und nachvollziehbare Abrechnungsgrundlage auf der Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Badewesen″, heißt es in einer Vorlage des Fachbereichs Schule und Sport.

Hinter dieser drögen Formulierung steckt nach Hermles Worten allerdings noch ein bisschen mehr als nur die Auslastung der Bahnen. Seinen Worten nach könnten die Verantwortlichen steuerrechtlich in kurzes Gras kommen, wenn die Auslastung nicht den allgemeingültigen Gepflogenheiten angepasst werde. Die Frage sei, wie die Bäderbetriebe sauber″ mit ihren Flächen umgehen können. Der Verrechnungsmodus müsse klar nachvollziehbar sein. Anderenfalls könnte das Finanzamt eine verdeckte Gewinnausschüttung der Stadtwerke an die Stadt erkennen mit den dann zu erwartenden fiskalischen Folgen.

Eines sei aber gesetzt, so Hermle: Wir werden jeder Schule die Wasserflächen, die sie braucht, zur Verfügung stellen.″ Eine Beschlussempfehlung für den Rat mochte der Fachausschuss in der Sache noch nicht abgeben. Thomas Klein (Grüne) wünschte, das Thema noch einmal in den Fraktionen zu beraten. Dem Wunsch wurde entsprochen.

Dem Wunsch der FDP, das Anfängerschwimmen zu fördern, wurde hingegen nicht entsprochen. Allerdings ist auch dieses Thema noch nicht final vom Tisch. Während die Verwaltung nach einer intensiven Betrachtung der Rahmenbedingungen wie Wasserflächen und gesetzlichen Vorgaben eine Förderung durch Zuschüsse an die Vereine in Höhe von etwa 35 000 Euro ablehnt, schlagen auch zwei Herzen in der Politiker Brust.

An der Bedeutung eines möglichst breiten Angebotes für das Anfängerschwimmen bestand kein Zweifel. Wohl aber an der Frage, ob es Aufgabe der Stadt sei, dieses Angebot zu finanzieren. Während Robert Seidler (FDP) für seine Fraktion an der Forderung Ziel muss am Ende sein, dass alle Kinder kostenlos schwimmen lernen können″ festhielt, meinte Klein: Unsere Möglich- keiten, das realistisch umzusetzen, halte ich für begrenzt.″

Gespräch mit Tonne

Was auf diesem Feld geht oder gehen könnte, loten die Stadtwerke nach Hermles Worten gerade aus. Er sieht die beste Zugriffsmöglichkeit auf die kleinen Nichtschwimmer in den Grundschulen. Eine Intensivierung des Angebots könnte nach seinen Worten zu einer deutlich besseren Schwimmerquote bis zum Abschluss der vierten Klasse führen. Nach Hermles Worten arbeiten die Bäderbetriebe derzeit an einem Modell, wie vor allem auch das Potenzial der Schwimmmeister in die Schwimmausbildung in den Schulen eingebracht werden kann. Gespräche mit der Landesschulbehörde und auch mit Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne habe es bereits gegeben.

Eine Entscheidung gab es auch in dieser Sache nicht. Allerdings will sich die Politik mit dem Thema im Zuge der Haushaltsberatungen wieder befassen.

Bildtext:
Bundesweit sind nur 41 Prozent der Grundschüler nach Abschluss der vierten Klasse sichere Schwimmer. Diese Quote soll dringend verbessert werden.
Foto:
Michael Gründel
Autor:
Dietmar Kröger


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