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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zoo: Ein neues Präsidium und eine Klage
 
Streit im Zoo wird wohl vor Gericht entschieden
Zwischenüberschrift:
Trägergesellschaft hat ein neues Präsidium, aber ob die Wahl Bestand hat, werden Juristen klären müssen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Mehr als 400 Teilnehmer sind zur außerordentlichen Mitgliederversammlung der Zoogesellschaft gekommen. Wohl mehrheitlich in dem Glauben und von dem Wunsch beseelt, einen Schlussstrich unter den Streit der vergangenen Wochen ziehen zu können. Dieser Wunsch wurde ihnen aber nur unter Vorbehalt erfüllt. Zwar ist das Präsidium des Vereins durch die Wahl von Diana Coppenrath, John McGurk und Marco Athen nun wieder komplett, nachdem auf der vorangegangenen Sitzung bereits Fritz Brickwedde und Michael Wendt in die Ämter des Präsidenten und des Schatzmeisters gewählt wurden. Ob diese Wahl aber auch Bestand hat, wird voraussichtlich ein Gericht entscheiden müssen. Offenbar wurde von einem Mitglied bereits Klage eingereicht.

Osnabrück Die gute Nachricht zuerst: Die Osnabrücker Zoogesellschaft hat ein neues Präsidium. Die Mitglieder wählten am Mittwochabend Diana Coppenrath, John McGurk und Marco Athen an die Seite von Zoopräsident Fritz Brickwedde und Schatzmeister Michael Wendt. Jetzt die schlechte Nachricht: Ob die Wahl Bestand hat, muss wahrscheinlich ein Gericht klären.

Wie nicht anders zu erwarten, war die außerordentliche Mitgliederversammlung in den Räumen des Zentrums für Umweltkommunikation der Bundesstiftung Umwelt zunächst geprägt von einem juristischen Schlagabtausch. Gegenstand war die am 21. August durchgeführte Mitgliederversammlung, an deren Ende nach chaotischem Verlauf Reinhard Sliwka als Präsident abgewählt worden und das Restpräsidium zurückgetreten war. In einem neuen Wahlgang hatte sich Fritz Brickwedde bereit erklärt, das Präsidentenamt interimsweise zu übernehmen, um die Zoogesellschaft und damit auch die Zoo gGmbH wieder in ruhigeres Fahrwasser zu führen.

Ob ihm am Mittwochabend ein Schritt in diese Richtung gelungen ist, liegt letztendlich in der Hand derjenigen, die dem Vernehmen nach Klage gegen die Versammlung vom 21. August eingereicht haben. Um wen genau es sich handelt, ist nicht bekannt. Die Klage soll aber, so viel war am Rande der Veranstaltung zu hören, aus den Reihen des alten Präsidiums kommen. Er sei nicht involviert, betonte Reinhard Sliwka auf Nachfrage, ebenso wie Wolfgang Schenk. Claudia Haarmann und Karin Bruchhausen waren zu einer Stellungnahme zu diesem Thema nicht bereit. Haarmann erklärte auf Nachfrage zu wissen, wer die Klage eingereicht habe, wolle den Namen aber nicht preisgeben. Wird die Klage nicht zurückgezogen, dürfte vor Gericht fortgesetzt werden, was auf der Versammlung begann nämlich der Austausch juristischer Argumente über die Rechtmäßigkeit der Augustsitzung, wie in der Folge dann wahrscheinlich auch über diejenige der Versammlung am Mittwochabend.

Darauf wies auch Moritz Gallenkamp, Rechtsanwalt und Mitglied der Zoogesellschaft, hin. Gallenkamp schlug deshalb vor, den Abend lediglich zu einer Aussprache zu nutzen. Danach könne formgerecht zu einer neuen Versammlung eingeladen und sämtliche Beschlüsse rechtssicher neu gefasst werden. Dieses Vorgehen lehnte Brickwedde ab. In einer Stellungnahme erklärte der von Brickwedde um seine Einschätzung gebetene Rechtsanwalt Tjark Symalla, dass die erste Versammlung juristisch sauber gelaufen sei. Es bestehe kein Zweifel daran, dass die seinerzeit zurückgetretenen Präsidiumsmitglieder rechtswirksam ihre Ämter aufgegeben hätten. Die Vereinssatzung lasse keinen anderen Schluss zu.

Das muntere Hin und Her der Argumente fand auch kein Ende, als Wolfgang Schenk, Mitglied des alten Präsidiums, die Annullierung der letzten Versammlung beantragte unter der Maßgabe, dass bei einer Neuwahl weder Sliwka noch Brickwedde antreten sollten.

Auch dieses Anliegen wurde von Brickwedde negativ beschieden, weil die Rechtslage eindeutig sei. Zudem könne es keinen Mitgliederbeschluss geben, der Sliwka oder ihm die freie Entscheidung für oder gegen eine Kandidatur versage.Strittige Neueintritte

Und so nahm die Aufarbeitung der vergangenen Wochen ihren Lauf. Wieder mit im Themenkarussell: der überraschende Mitgliederzuwachs vor der Versammlung im August. Brickwedde erinnert daran, dass es einen ähnlichen Vorgang vor etwa 15 Jahren bei der Beschlussfassung über den Bau des Unterirdischen Zoos schon einmal gegeben habe. Auch seinerzeit hätten sich viele Freunde des Zoos für eine Mitgliedschaft entschieden, um das Vorhaben durchzusetzen, das dann auch dank des Einsatzes des damaligen Präsidiumsmitglieds Reinhard Sliwka realisiert worden sei.

Vor allem aber legte Brickwedde Wert darauf festzustellen, dass die Zoomitarbeiter den Vorgang Neumitgliedschaften″ korrekt und nach der in vielen Jahren zuvor geübten Praxis abgewickelt hätten.

Sliwka stellte diese Aussage abermals infrage. Er sprach von einem durchschaubaren Masseneintritt″. Dann wurde Sliwka persönlich. Andreas, ich muss dir sagen, nach über 20 Jahren hätte ich so was persönlich und menschlich nicht für möglich gehalten″, wandte er sich Zoogeschäftsführer Andreas Busemann zu, um dann mit der Ankündigung zu schließen, dass er in dieser Zoogesellschaft für kein Amt mehr zur Verfügung″ stehe.

Busemann bedauerte die Verschlechterung des Klimas zwischen ihm und dem ehemaligen Zoo-Präsidenten. In den vergangenen zwei Jahren sei für ihn die Arbeit immer schwieriger geworden, auch weil gemeinsam gefundene Kompromisse nicht eingehalten worden seien. Busemann betonte noch einmal, dass er mit seinem Rücktrittsangebot drei Wochen vor dem 21. August eine Lösung herbeiführen und den Weg für eine Wiederwahl Sliwkas habe bereiten wollen. Dass das Präsidium auf dieses Angebot nicht reagiert habe, habe ihn tief enttäuscht.

Auch die Frage der Neumitgliedschaften ließ Busemann nicht aus. Meine Mitarbeiter haben korrekt gearbeitet.″ Deshalb habe er sich auch schützend vor eine Kollegin gestellt, als ihr mit der Staatsanwaltschaft gedroht worden sei.

Nach einer fast zweistündigen Aussprache stellte Brickwedde das Protokoll der Versammlung vom 21. August zur Abstimmung, das die Mitglieder mit großer Mehrheit verabschiedeten. Ob dieses Votum Bestand hat, wird sich zeigen müssen. Brickwedde zumindest zeigte sich überzeugt, dass alle Beschlüsse gerichtsfest sind.

Mit den anschließenden Wahlen endete eine Mitgliederversammlung der Zoogesellschaft, die in der nunmehr 83-jährigen Geschichte des Vereins einmalig sein dürfte. Dass Diana Coppenrath als Vizepräsidentin in das Präsidium gewählt wurde, sollte versöhnlich stimmen. Sie folgt ihrem 2017 verstorbenen Vater Reinhard Coppenrath nach. Der Konditormeister hatte die Zoogesellschaft lange Jahre als Präsident geleitet und war dem Verein nach seinem Ausscheiden aus dem Amt als Ehrenpräsident verbunden geblieben.

Bildtext:
Das neue Präsidium der Zoogesellschaft: Michael Wendt, Fritz Brickwedde, Diana Coppenrath, Marco Athen und John McGurk (von links).
Foto:
Dietmar Kröger

Kommentar
Klage zurückziehen

Der Zoff im Zoo hätte am Mittwoch ein Ende haben können. Mit dem jetzt kompletten Neupräsidium kann der Neuanfang gelingen. Aber nein: Es ist noch eine Klage auf dem Weg.

Wer auch immer sie eingereicht hat er oder sie mochte sich offensichtlich nicht dazu bekennen. Sollte die Klage tatsächlich aus den Reihen des ehemaligen Präsidiums kommen oder von diesem unterstützt werden was sehr wahrscheinlich ist –, ist dies ein Armutszeugnis.

Zu behaupten, nur das Beste für den Zoo zu wollen, im gleichen Atemzug aber per Klage diesen guten Willen ad absurdum zu führen, ist nicht mehr nachvollziehbar. Denn wie, bitte, soll denn eine juristische Auseinandersetzung zur Befriedung auf dem Schölerberg beitragen?

Löbliche Ausnahme ist hier das ehemalige Präsidiumsmitglied Wolfgang Schenk, der nach Ende der Versammlung auf Fritz Brickwedde zuging und ihm die Hand reichte. Alle anderen haben mit ihrem Verhalten den Mitgliedern der Zoogesellschaft die letzte Bestätigung dafür gegeben, dass ein Neuanfang mit einem neuen Präsidium der beste Weg ist. Schade ist nur, dass sich die Mitglieder des alten Präsidiums so um die eigentlich verdienten Früchte ihres jahrelangen ehrenamtlichen Einsatzes gebracht haben. Begrenzen können sie den Schaden für sich und den Zoo nur, wenn sie die Klage zurückziehen. d.kroeger@ noz.de
Autor:
Dietmar Kröger


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