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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ferkelmarkt und Verkehrsknoten
Zwischenüberschrift:
Der Nikolaiort im Schnittpunkt von sechs Straßen war schon immer ein besonderer Ort
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Ob es Straßenmusikanten sind oder Weltverbesserer, ob Flash-Mobs oder politische Parteien, die im Wahlkampf Argumente und Kugelschreiberverteilen wenn die Osnabrücker ihre Urbanität ausleben wollen, wählen sie dazu gerne den Nikolaiort als Bühne.

Das war vor einem Jahrhundert nicht anders. Wo heute die Pflaster-Cafés zum Cappuccino-Plausch einladen, lustwandeln auf der historischen Ansichtskarte aus der Zeit um 1910 ganze Heerscharen von besseren Herrschaften″ im Sonntagsstaat. Wobei man auf der Suche nach der historischen Wahrheit vielleicht ein paar Abstriche machen muss. Denn geschönt wurde gern. Kleine Tricksereien bei der grafischen Umsetzung von Stadtansichten für Postkarten wurden gerade zur damaligen Zeit recht ungeniert unternommen, um die dargestellte Szene imposanter, verkehrsreicher und damit großstädtischer erscheinen zu lassen, als es der Realitätent sprach. Die Bürger sind in einer solchen Vielzahl auf den Platz gestellt worden, dass die Szene besser zum Kurkonzert auf der Promenade von Norderney passen würde als auf eine Innenstadtkreuzung mit herangebimmelt kommender Straßenbahn.
Weitere künstlerische Freiheiten hat sich der Grafiker bei der üppigen Nachkolorierung gegönnt. Auch beider Positionierung der Hausecken im Vordergrund? Man ist versucht, das anzunehmen. Denn heute kann man nicht gleichzeitig die Ecke des Einrichtungshauses Schäffer (vorn links auf der alten Aufnahme) und die des Hauses C. G. Gösling Söhne( vorn rechts, heute: McDonald′ s) auf ein Bild zusammen mit dem Haus Nikolaiort 5 (früher Bekleidungshaus Hettlage & Lampe, heute Peek & Cloppenburg) bannen. Die Baufluchten wurden nach dem Krieg so weit zurückgesetzt, dass man bei einem etwa gleichen Blick auf das heutige Bekleidungshaus so weit in die Herrenteichsstraße hineingehen muss, dass die Hirsch-Apotheke ins Bild rutscht (vorn links auf dem aktuellen Bild). Zur Ehrenrettung des Ansichtskartenverlags ist also festzuhalten: Die Beziehungen der Gebäudeecken zum Platz sind historisch korrekt.
Damals wurde der Platzarchitektonisch beherrscht vom wilhelminischen Prachtbau des Bekleidungshauses Hettlage & Lampe, das 1903 zunächst für das Haushalts- und Spielwarengeschäft A. Trepper errichtet worden war. Das Gebäude mit der Rundecke zwischen Krahnstraße und Domhof beherbergte das Geschäft ür Tabak- und Schreibwaren J.Kiefer. Im Gösling′ schen Haus ganz vorne rechts wartete zur damaligen Zeit das Kaiser-Café mit seinen Kaffee- und Kuchen-Spezialitäten auf.
Seinen Namen hat der Nikolaiort von der Nikolaikapelle. Sie stand bis zum Endedes 18. Jahrhunderts im Bereich des heutigen Grundstücks Domhof 9 („ Pizza-Hut″) und wurde dann niedergelegt, um den Kutschenein besseres Durchkommen zum Domhof und zur Hasestraße zu ermöglichen. Im 19. Jahrhundert fand auf dem Nikolaiort regelmäßig um Martini (11. November) ein großer Ferkelmarkt statt.Stall und Innenhof des Wirtshauses Zum Bremer Schlüssel″, Nikolaiort 7 (heute Teildes Kaufhauses Schäffer), war dann mit quiekenden Schweinchen überfüllt.
Ab 1906 rollte die Straßenbahn über den Nikolaiort. Neben den Fuhrwerken beanspruchten mehr und mehr Automobile den Platz als Verkehrsraum. Flaneure taten gut daran, sich auf die Bürgersteige zu beschränken. Mit sechs einmündenden Straßen (Große Straße, Kamp, Krahnstraße, Domhof, Schwedenstraße und Herrenteichsstraße) war der Nikolaiort der zentrale Verkehrsknoten mit einer Verteilerfunktion″ für die nördliche Altstadt geworden. Erst 1984 wurde es ruhiger. Der Nikolaiort wurde Teil der Fußgängerzone Innenstadt.

Bildtexte:
Flaneure auf dem Nikolaiort um 1910. Links vorne mündet die Große Straße ein, rechts der Domhof. Die Straßenbahn kommt aus der Krahnstraße.
Der zeitgenössische Blick auf den Nikolaiort aus der Herrenteichsstraße von März 2011 ist zwar nicht ganz auf der Höhe der Jahreszeit, dafür geben die noch unbelaubten Bäume aber den Blick auf die Gebäude frei.
Foto:
Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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