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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zoo: Geht der Streit in die nächste Runde?
 
Machtkämpfe im Zoo gehen weiter
Zwischenüberschrift:
Vorstand erklärt Rücktritt vom Rücktritt / Heute außerordentliche Versammlung
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Wenn sich heute Abend die Mitglieder der Zoogesellschaft zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung treffen, ist die Gefahr groß, dass die chaotisch verlaufene Jahreshauptversammlung am 21. August eine Fortsetzung findet. Der Streit zwischen altem Präsidium und Geschäftsführung scheint alles andere als ausgeräumt. Im Gegenteil: Juristische Gutachten und persönliche Stellungnahmen machen im Vorfeld des Treffens in den Räumen der Bundesstiftung Umwelt die Runde. Das alte Präsidium versucht, die Annullierung der Augustsitzung zu erreichen. Deeskalationsbemühungen des neuen Zoopräsidenten Fritz Brickwedde scheinen am Widerstand des alten Präsidiums gescheitert zu sein, das den Streit mittlerweile auch auf die Stadtverwaltung ausgedehnt haben soll.

Osnabrück Heute treffen sich die Mitglieder der Zoogesellschaft zu einer außerordentlichen Versammlung. Austragungsort ist diesmal das Zentrum für Umweltkommunikation (ZUK) in der Bundesstiftung Umwelt. Was die Teilnehmer erwartet? Wahrscheinlich ein verbissener Kampf um die juristische Wahrheit in einer vergifteten Atmosphäre.

Allein schon die Frage, wer denn auf dem Podium sitzen wird, ist spannend. Denn mittlerweile haben die in der letzten Mitgliederversammlung von ihren Präsidiumsämtern zurückgetretenen Mitglieder ihren Rücktritt vom Rücktritt erklärt. Werden sie also am Mittwochabend auf dem Podium Platz nehmen? Oder sitzen dort nur Fritz Brickwedde als in der Sitzung im August gewählter neuer Zoopräsident und Michael Wendt als ebenfalls neu gewählter Schatzmeister? Werden demnächst vielleicht sogar Gerichte über die Rechtmäßigkeit der von der Zoogesellschaft durchgeführten Mitgliederversammlungen entscheiden müssen?

Deutlich geworden ist jedenfalls in der Zeit nach der August-Versammlung, dass auf dem Schölerberg noch lange kein Frieden einkehren wird. Zu verhärtet scheinen die Fronten zwischen der Geschäftsführung und altem Präsidium, vertreten durch den nicht wiedergewählten Ex-Zoopräsidenten Reinhard Sliwka sowie die zurückgetretenen Präsidiumsmitglieder Vizepräsidentin Karin Bruchhausen, Ralf Haas und Claudia Haarmann zu sein. Bruchhausen hatte seinerzeit für die nach der gescheiterten Wiederwahl Sliwkas verbliebenen Präsidiumsmitglieder den Rücktritt erklärt. Daraufhin hatte das Präsidium die Bühne verlassen. Und Reinhard Sliwka erklärte im Gespräch mit unserer Redaktion, den Ausgang der Wahlen zu akzeptieren.

Jetzt, kurz vor der Fortsetzung der Mitgliederversammlung, sieht die Welt schon wieder anders aus. Per Rechtsgutachten von Lars Leuschner, Lehrstuhlinhaber an der Uni Osnabrück, sehen sich die Ex-Präsidiumsmitglieder nach wie vor in ihren alten Positionen. Auch Sliwka könnte sich nach wie vor auf dem Präsidentenstuhl sehen, da das Gutachten zu dem Schluss kommt, dass die überprüften Beschlüsse der Jahreshauptversammlung nichtig sind″. Den Grund dafür sieht Leuschner in erster Linie darin, dass Personen an der Abstimmung teilgenommen haben, die nicht Vereinsmitglieder und damit auch nicht stimmberechtigt waren″. Der Gutachter bezieht sich mit diesem Urteil auf die etwa 52 Neumitgliedschaften, die in den Wochen kurz vor der Versammlung erklärt worden waren.

Allerdings hatte das Präsidium am Abend der Versammlung die Neumitglieder noch selbst für stimmberechtigt erklärt und war damit den juristischen Erläuterungen des Rechtsanwalts Marco Athen gefolgt, der ebenfalls eine Stellungnahme in der Sache gefertigt hat. Athen hält die Ausführungen des Uni-Kollegen für unzutreffend″, weil sie auf falschen Annahmen beruhten.

Für die außerordentliche Mitgliederversammlung soll es nun eine veränderte Tagesordnung geben. Initiiert vom Ex-Präsidium, soll eine Aussprache über die Augustversammlung sowie eine Diskussion über die Rechtmäßigkeit der damals gefassten Beschlüsse stattfinden. Außerdem soll über die personelle Ausrichtung des Zoos nach dem Weggang von Zoodirektor Michael Böer entschieden werden.Annullierung beantragt

Auch in dieser Frage gibt es Differenzen zwischen Geschäftsführung und Ex-Präsidium. In einem Anschreiben an die Vereinsmitglieder fordern Sliwka, Bruchhausen, Schenk, Haarmann und Haas die Mitglieder zudem auf, für eine Annullierung der Versammlung vom 21. August zu stimmen.

Die Schriftstücke beider Seiten, alle von nicht unerheblichem Umfang, wurden und werden derzeit großzügig digital und analog unter den Mitgliedern der Zoogesellschaft (etwa 2000) verteilt begleitet von Stellungnahmen des Ex-Präsidiums, des Geschäftsführers und des Zoopräsidenten Fritz Brickwedde.

Was aber tatsächlich hinter den Querelen zwischen Geschäftsführung und Ex-Präsidium steckt, kann man nur erahnen. Blicken wir einmal zurück in die Jahresmitgliederversammlung der Zoogesellschaft im Sommer 2013. Seinerzeit wurde Sliwka als Nachfolger von Reinhard Coppenrath zum Präsidenten gewählt. War es ein Scherz, oder war es ernst gemeint? Beiläufig in einem Nebensatz mit einem Lächeln versprach″ Sliwka den Mitgliedern der Zoogesellschaft, dem Geschäftsführer Andreas Busemann, auf die Finger″ sehen zu wollen. Ein Satz, der damals in der Freude über die Ehrenpräsidentschaft für Coppenrath unterging, heute aber wohl neu bewertet werden muss.

Offensichtlich hatte es Sliwka seinerzeit ernst gemeint, denn mittlerweile sieht sich Busemann als Geschäftsführer der Zoo gGmbH zunehmend in seinen Kompetenzen beschnitten, vor allem dadurch, dass Sliwka und das Präsidium ihm das Vertrauen entzogen haben und seine Arbeit infrage stellen. Seit etwa zwei Jahren habe sich die Zusammenarbeit zwischen Präsidium und Geschäftsführer verschlechtert und ist im Endeffekt nun zerbrochen″, heißt es in Busemanns Stellungnahme.Partnerin bevorzugt?

Busemanns Lebenspartnerin könnte ein Auslöser für das Zerwürfnis sein. Sie ist seit Anfang 2018 als Beraterin für den Zoo tätig. Die Anstellung der 62-Jährigen war seinerzeit vom Präsidium kritisiert worden. Die private Beziehung habe sich nicht vor, sondern erst nach der Entscheidung, die 62-Jährige einzustellen, entwickelt, entgegnet Busemann auf entsprechende Vorwürfe des Präsidiums. Um seinerzeit den Streit beizulegen, hatte die Lebenspartnerin ihren festen Angestelltenvertrag zurückgegeben, was arbeitsrechtlich nicht notwendig gewesen wäre, und eine beratende Tätigkeit übernommen.

Seit dieser Episode ist die Zusammenarbeit zwischen Präsidium und Geschäftsführung offensichtlich nachhaltig gestört. So nachhaltig, dass Busemann bereits seinen Rücktritt angeboten hatte. Ein Angebot, das er in seiner Erklärung noch einmal wiederholt.

Und mittendrin im Streit steht Fritz Brickwedde. Der neu gewählte Zoopräsident muss versuchen zu retten, was noch zu retten ist. Brickwedde sieht sich mittlerweile mit der Androhung einstweiliger Verfügungen des Ex-Präsidenten konfrontiert. Seine Versuche, deeskalierend zu wirken, seien ihm von den ehemaligen Präsidiumsmitgliedern sehr schwer gemacht worden, teilt Brickwedde den Mitgliedern der Zoogesellschaft in einer persönlichen Erklärung mit.

Mittlerweile ist auch die Stadt Osnabrück als Partner in der Zoo gGmbH in den Streit eingebunden. Informieren muss ich Sie leider auch darüber, dass es zurzeit einen massiven Streit zwischen Herrn Sliwka und den Vertretern der Stadt im Aufsichtsrat (Oberbürgermeister und Finanzdezernent) über die Rechtmäßigkeit einer Aufsichtsratssitzung gibt, die er einberufen hat″, lässt Brickwedde die Zoomitglieder wissen.

Hintergrund: Sliwka hatte in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der gGmbH zu einer Aufsichtsratssitzung am 12. September eingeladen. An diesem Termin aber waren beide Vertreter der Stadt nicht verfügbar. Der Bitte, die Sitzung zu verlegen, ist Sliwka nach den Worten von Kämmerer Thomas Fillep nicht nachgekommen. Da das Gremium ohne OB und Kämmerer nicht beschlussfähig war, wollte Sliwka für den 23. September eine weitere Sitzung einberufen. An dem Einwand des Kämmerers, untermauert durch eine Prüfung des städtischen Rechtsamtes, mit dem neuen Termin werde die Ladungsfrist nicht eingehalten, entspann sich dann offensichtlich der Streit mit der Stadt.

Was also erwartet die Mitglieder der Zoogesellschaft am Mittwochabend? So viel dürfte sicher sein: Erbaulich wird die Veranstaltung kaum werden. Es bleibt auf jeden Fall spannend.

Bildtext:
Da schien die Welt am Schölerberg noch in Ordnung zu sein: Geschäftsführer Andreas Busemann (links) und Präsident Reinhard Sliwka im Februar 2016 bei der Vorstellung der Plakatkampagne zum 80-jährigen Bestehen des Tierparks.
Foto:
David Ebener

Kommentar
Arme Zoogesellschaft

Was für ein Trauerspiel! Wer denkt noch an die Erfolge des Zoos? Wer denkt an die Mitarbeiter und vor allem an die Tiere? Worauf es ankommt, ist schon lange in den Hintergrund gedrängt worden. Das ist bitter für all diejenigen Mitglieder der Zoogesellschaft, die sich instrumentalisiert fühlen.

Denn nicht sie sind schuld an der misslichen Lage auf dem Schölerberg, sondern nur einige wenige, die an ihren Posten kleben wie die Fliegen am Fliegenfänger. Wie sonst ist zu erklären, dass die Präsidiumsmitglieder erst in der Mitgliederversammlung demonstrativ ihren Rücktritt erklären, um nur kurze Zeit später darauf zu beharren, dass sie nach wie vor in Amt und Würden sind? Dazu ein Ex-Präsident, der zunächst seine Wahlniederlage einräumt und akzeptiert, um diese dann mit Rechtsgutachten anzufechten. Was bitte sollen die Mitglieder davon halten?

Worum geht es eigentlich? Wo ist der Kern der Auseinandersetzung? Hat Geschäftsführer Busemann in seiner Tätigkeit gravierende Fehler gemacht? Hat er die Zoo gGmbH oder den Verein betrogen, schlechtgeredet oder ihr einen anderen Schaden zugefügt? Nein, hat er nicht. Jedenfalls bleiben seine Kontrahenten bis heute jeden Nachweis für ein Fehlverhalten schuldig, das eine so massive Auseinandersetzung zwischen Präsidium und Geschäftsführung rechtfertigen würde.

Was also ist es dann? Doch wohl nicht die private Beziehung des Geschäftsführers zu einer Mitarbeiterin? Das kann nicht sein. Wir leben doch im Jahr 2019. Das wäre zu kleinkariert, um wahr zu sein.

Ist die Ursache für das ganze Elend also in den Charakteren der handelnden Personen zu finden? Sollten die Zoomitglieder zu diesem Schluss kommen, täten sie gut daran, dies deutlich zu artikulieren und mit einem neuen Präsidium einen Weg aus dem Elend zu suchen. Solange es den Verein gibt, haben die Mitglieder ein Recht darauf, dass ihr Engagement nicht in den Dreck gezogen wird. Dieses Recht sollten sie einfordern und sich nicht instrumentalisieren lassen. d.kroeger@ noz.de
Autor:
Dietmar Kröger


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