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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Stadt lehnt Gratis-Schwimmkurse ab
Zwischenüberschrift:
Finanzausschuss: Bäder-Preissystem soll noch einmal überprüft werden
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Sieht so aus, als ginge die Osnabrücker FDP mit ihrer Forderung nach kostenlosem Anfängerschwimmen baden: Die Stadtverwaltung lehnt es ab, Kurse für Kinder im Alter von fünf bis etwa sieben Jahren mit Steuergeld zu bezahlen. Beim neuen Bäder-Preissystem der Stadtwerke scheint indes das letzte Wort noch nicht gesprochen.

In der Finanzausschuss-Sitzung am Dienstagabend räumten Ratsvertreter mit Sitz im Aufsichtsrat der Osnabrücker Stadtwerke ein, bei der Verabschiedung des neuen Bäder-Preissystems Fehler begangen zu haben. Zugleich kündigten sie Nachbesserungen an. Das bislang vorgesehene Modell wird von den Schwimmvereinen heftig kritisiert, weil es für sie teils immense Kostensteigerungen bedeute. Erste Mitglieder reagierten bereits mit Austritten.

Das war von uns so nicht gewollt″, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Frank Henning. Er habe dem neuen Bäderpreis-System im Stadtwerke-Aufsichtsrat zwar zugestimmt. Ihm sei jedoch nicht klar gewesen, welche Konsequenzen diese Entscheidung speziell für die Schwimmvereine habe. Auch Grünen-Fraktionschef Volker Bajus gab zu: Wir haben Fehler gemacht im Aufsichtsrat. Es kann nicht sein, dass wir den Vereinen Stöcke zwischen die Beine werfen.″ Die Sache lasse sich wieder gerade biegen″, versprach er.

Eva-Maria Westermann (CDU) stellte fest: Hier haben sich die Stadtwerke nicht mit Ruhm bekleckert.″ Ob vorab überhaupt Gespräche mit den Betroffenen geführt worden seien, wollte die Bürgermeisterin wissen nur eine von aus ihrer Sicht vielen offenen Fragen″.

Unklar bleibt zunächst auch, ob Kinder vom fünften Lebensjahr an bis Abschluss Klasse 2 künftig auf Kosten der Stadt Schwimmunterricht nehmen dürfen. Die FDP-Fraktion hatte dies in der Juni-Ratssitzung beantragt, wo das Thema zur weiteren Beratung in die Fachausschüsse verwiesen wurde. Zur Begründung des Antrags hieß es damals, immer häufiger könnten Kinder nicht schwimmen, und für viele Eltern seien die Kurse plus Eintrittskosten zu teuer. Nach Ansicht der Liberalen sollte aber jedes Kind in Osnabrück schwimmen können″.

Dieser Forderung mag auch die Verwaltung nicht widersprechen. Allerdings sieht sie keinen Grund, für die Verbesserung der Schwimmfähigkeit von Kindern öffentliche Mittel aufzuwenden. Stattdessen nimmt sie die Erziehungsberechtigten in die Pflicht. Wörtlich heißt es in der Beschlussvorlage: Wenn Eltern wünschen, dass ihre Kinder vor Schuleintritt schwimmen können sollen, müssen sie dieses aus eigenen Mitteln tragen.″

Für die Stadt Osnabrück liegen den Angaben zufolge keine Daten darüber vor, wer schwimmen kann und wer nicht. Entsprechend gebe es keine empirische Grundlage, um die Aussage zu belegen, dass immer weniger Kinder schwimmen können. Gleichwohl habe die Verwaltung gemeinsam mit den Stadtwerken und in Abstimmung mit der Landesschulbehörde die aktuelle Situation in Osnabrück aufgearbeitet. Dabei kommt sie zu folgenden Schlüssen:

Es gibt nur geringe Kapazitäten an freien Wasserflächen. Das Schulschwimmen findet in der Regel zwischen 8 und 16 Uhr statt, das Vereinsschwimmen von 16 bis 22 Uhr. Die Kursbecken im Nettebad und Schinkelbad sind durchgängig ausgebucht. Im Moskaubad sind anderthalb Tage nur durch Schul- und Vereinsbetrieb belegt.

Wollen Eltern ihren Kindern selbst das Schwimmen beibringen, ist ihnen das zu den Öffnungszeiten der Bäder möglich. Darüber hinaus haben sie die Möglichkeit, auf professionelle Angebote zurückzugreifen wenngleich zum Beispiel die Stadtwerke der Nachfrage nach Anfängerschwimmkursen (88 Kurse pro Jahr) nur bedingt gerecht werden können.

Es ist Aufgabe der Grundschule, ein Unterrichtsangebot vorzuhalten, sodass mit Abschluss Klasse 4 von den Kindern erwartet werden kann, mindestens fünf Minuten sicher in beliebiger Lage vorwärts oder rückwärts in tiefem Wasser schwimmen zu können. Aber selbst wenn die Schulen den Schwimmunterricht erlasskonform, differenzierend und auf der Grundlage der aktuellen Didaktik und Methodik ausbringen″, lässt sich daraus keine Garantie einer dauerhaften Schwimmfähigkeit ableiten.

Es gibt Probleme bei der Sicherstellung des Schülertransports zu den Bädern.

Es gehört nicht zu den gesetzlichen Aufgaben von Kindertagesstätten, Kindern das Schwimmen beizubringen.

Zu einer Beschlussempfehlung konnte sich der Finanzausschuss nicht durchringen. Auch der Jugendhilfeausschuss sowie der Schul- und Sportausschuss müssen sich erst noch eine Meinung bilden, bevor am 1. Oktober im Rat entschieden werden soll. FDP-Fraktionschef Thomas Thiele jedenfalls zeigte sich beharrlich: Wir haben da als Kommune einen Erziehungsauftrag, das müssen wir bringen!

Bildtext:
Soll die Stadt Osnabrück die Kosten für den Schwimmunterricht von Kindern im Vorschulalter tragen? Teile des Rates fordern das, aber die Verwaltung sagt Nein.
Foto:
dpa/ Franziska Kraufmann
Autor:
Sebastian Stricker


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