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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Besuch der „Riesen-Zigarre″
Zwischenüberschrift:
Vor 90 Jahren bejubelten die Osnabrücker das Luftschiff „Graf Zeppelin″
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Heute vor 90 Jahren, am 17. September 1929, jubelte ganz Osnabrück, als das Luftschiff Graf Zeppelin″ in niedriger Höhe eine Ehrenrunde über der Hasestadt flog. Ziel der Norddeutschlandfahrt war unter anderem ein Dankeschön an die Bevölkerung, die mit der Zeppelin-Eckener-Spende zur Finanzierung der Baukosten beigetragen hatte heute würde man von einem Crowdfunding″ sprechen.

Eigentlich sollte der LZ 127 Graf Zeppelin″ schon am 12. September 1929 kommen. Steigt auf die Dächer, Bürger, hisst die Freudenfahnen!″, lautete ein Aufruf im Osnabrücker Tageblatt″. Tausende pilgerten auf den Westerberg, auf den Gertrudenberg, auf die Schützenburg oder wenigstens auf die Dachterrassen ihrer Wohnhäuser.

Der Westerberg war besonders beliebt, weil er eine weite Rundumsicht bot. Bereits um 9 Uhr zogen Schulklassen mit ihren Lehrern, aber auch Erwachsene beiderlei Geschlechts″, wie die Zeitung tags darauf berichtet, den Kammweg hoch in Richtung Max und Moritz″. Die Kapelle des Ausbildungsbataillons Nr. 16 spielte, drei Flugmaschinen″ kreisten über der Stadt, um das Luftschiff als erste willkommen zu heißen.

Nach zwei Stunden vergeblichen Wartens kam die Kunde, dass die Glandorfer den Zeppelin, aus Richtung Münster kommend, am Horizont erblickt hätten, der dann aber in östlicher Richtung auf Herford und Minden zu abgedreht sei. Und so war es: Osnabrück wurde diesmal noch links liegen gelassen″. Später am Tag erhielt das städtische Verkehrsamt ein Telegramm von LZ-127-Kapitän Ernst Lehmann: Trotz gegebener Zusage konnte wegen Zeitmangels Osnabrück nicht überfliegen.″ Enttäuschte Reaktionen, das Tageblatt″ lästerte: Graf Zeppelin hat es nicht nötig.″

Aber noch am selben Tag kommt versöhnliche Kunde von der Luftschiff-Reederei aus Friedrichshafen. Ganz bestimmt″ werde der Osnabrück-Überflug am 17. September gegen 11 Uhr nachgeholt. Die Stadtverwaltung trifft umfangreiche Vorkehrungen, damit niemand das Großereignis verpasst. Zwei Flugzeuge werden von der Netterheide aufsteigen, wovon das eine dem Luftschiff in Richtung Rheine entgegenfliegen und das andere über der Stadt seine Kreise ziehen wird. Sobald das erste Flugzeug das Luftschiff sichtet, wird es ein Leuchtsignal abfeuern. Ein Beobachtungsposten auf dem Hochhaus der Krankenanstalten wird das Leuchtsignal erwidern. Sodann werden die Industriebetriebe mit ihren Werkssirenen den Signalalarm unterstützen.

Und dann kommt er um 12.37 Uhr tatsächlich in Sicht, der Weltumsegler und Künder deutscher Technik und deutscher Wissenschaft bei den Völkern des Erdballs″. Er lässt den 17. September zu einem Festtag für ungezählte Tausende″ werden. Wiederum ist der Westerberg das bevorzugt angesteuerte Aussichtsplateau zwischen Aktienbrauerei und Muesenburg und ebenso weiter westlich die von Max und Moritz″ gekrönte Kuppe. Mit Trommelwirbel trifft eine Schülerkapelle ein, die als erstes Deutschland, Deutschland über alles″ intoniert. Brieftauben flattern empor, die die Kunde von der Ankunft des Luftriesen irgendwohin bringen sollen. Vom Klushügel ist zum Gruß der Ballon Osnabrück II″ unter seinem Führer Bernhard Brickwedde aufgestiegen.Die Glocken läuten

Als der silberne Riesenfisch″ in voller Größe sichtbar wird, brandet ein unbeschreiblicher Jubel″ auf, berichtet das Osnabrücker Tageblatt″, der sich in das Surren und Brummen der Propeller gemischt habe. Der Zeitungsreporter beobachtet ein einziges Hüte- und Tücherschwenken von Höhe zu Höhe; von den Türmen der Stadt vernimmt man das Glockengeläute, und ganz deutlich liest man am Luftschiff die Aufschrift , Graf Zeppelin', der majestätisch, höchstens 250 bis 300 Meter hoch, über den Köpfen der jubelnden Menge dahinzieht, wobei er noch zwei mit bunter Dekoration versehene Postpäckchen abwirft.″

Ein Hobby-Poet besingt am nächsten Tag die Himmelserscheinung″: Dienstag früh Alarm der Beine / Sonnenglanz, Sirenenpfiff. / Menschenschwärme, große, kleine, / warten auf das Wunderschiff. / Flaggengala. Dächerleben. / Welcher Prüfstein der Geduld! / Die Gedankenwellen heben / Herz und Hand zum Heldenkult. / Irgendwo Kanonenschüsse. / Glockenläuten. Jubelschrei. / Spähen. Staunen. Freudenküsse. / Unser Graf zieht stolz vorbei.″

NOZ″-Leserin Inge Woltering hat eine besondere Beziehung zu dem Zeppelin-Überflug vor 90 Jahren. Ihrer Mutter Itty Strerath gelang vom Dach des Eckhauses Martinistraße/ Schlosswall ein Schnappschuss, der den Zeppelin so aussehen lässt, als würde er gerade von der Turmspitze der Katharinenkirche aufgespießt. Meine Mutter hat immer wieder begeistert davon erzählt, es war für die damals 18-Jährige ein bleibendes Erlebnis, das zu unserer Familiengeschichte gehört″, sagt Inge Woltering.

Bildtexte:
Von Sankt Katharinen aufgespießt scheint das Luftschiff LZ 127 " Graf Zepelin" zu sein, als es am 17. September 1929 Osnabrück überfliegt.
Zeppelinbesuch alle auf dem Dach″, lautet die Bildunterschrift in einem Osnabrücker Familienalbum. Jahr und genauer Ort sind nicht bekannt.
Fotos:
Privatarchiv Inge Wolterring/ itty Strerath, Sammlung Martin Frauenheim

LZ 127 Graf Zeppelin″

Graf Zeppelin″ gilt als das erfolgreichste Luftschiff aller Zeiten was die Anzahl der Fahrten, der unfallfrei zurückgelegten Kilometer und der beförderten Passagiere angeht.

Bei der Indienststellung am 18. September 1928 war es das größte Luftfahrzeug der Welt. Das 237 Meter lange Starr-Luftschiff hatte einen Durchmesser von 31 Metern und ein Traggasvolumen von 105 000 Kubikmetern.

Bis zu 25 Passagiere und 50 Besatzungsmitglieder fanden in den Gondeln Platz. Fünf Maybach-Motoren mit je 570 PS verliehen dem Luftschiff eine Reisegeschwindigkeit von 115 km/ h bei einer Reichweite von 12 000 Kilometern. Zu den spektakulärsten Unternehmungen gehörten eine Polarfahrt und die erste Erdumrundung.

Im Planverkehr verband der Zeppelin Ziele in Nord- und Südamerika mit Europa. Gegenüber den schnellsten Schiffen benötigte er für eine Atlantiküberquerung nur noch die halbe Zeit ein klarer Wettbewerbsvorteil.

Das Aus für die Passagierbeförderung kam 1937, als das Luftschiff Hindenburg″ in der Katastrophe von Lakehurst verbrannte. Die Befüllung mit dem brennbaren Traggas Wasserstoff galt fortan als zu gefährlich, die nicht brennbare Alternative Helium stand dem Deutschen Reich nicht in ausreichender Menge zur Verfügung.

Nach dem Krieg wurden die Passagierflugzeuge immer leistungsfähiger, sodass den Luftschiffen kein Comeback beschieden war.

Bildtext:
LZ 127 hebt im August 1929 in Lakehurst bei New York ab, um nach Friedrichshafen zurückzufliegen.
Foto:
dpa/ Archiv Luftschiffbau Zeppelin GmbH
Autor:
Joachim Dierks


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