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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Jeder dritte Bus in Osnabrück zu spät
 
So wird der Busverkehr flottgemacht
Zwischenüberschrift:
Jede dritte Fahrt zu spät: Stadt und Stadtwerke wollen Vorrang für den öffentlichen Nahverkehr
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Dass es um die Zuverlässigkeit des Busfahrplans in Osnabrück nicht zum Besten bestellt ist, wird Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs kaum überraschen. Möglicherweise aber das Ausmaß der Verspätungen und Ausfälle, welches Anfang September in der Ratssitzung offenbar wurde: Nach Angaben der Stadtwerke hat jede dritte Busfahrt in der Hauptverkehrszeit eine Verspätung von fünf Minuten und mehr. Knapp ein Prozent aller Fahrten falle sogar ganz aus, heißt es in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion. Tendenz steigend.

Unsere Redaktion hakte bei den Stadtwerken nach: Warum läuft es im Osnabrücker ÖPNV so schlecht? Und was kann man dagegen tun? Busbeschleunigung″ heißt in diesem Zusammenhang das Zauberwort.

Osnabrück In Osnabrück kommt jeder dritte Bus zu spät, in knapp einem von 100 Fällen überhaupt nicht. Ein 38-Punkte-Plan von Stadt und Stadtwerken soll den öffentlichen Nahverkehr jetzt flottmachen. Die Vorschläge reichen von kluger Ampelsteuerung bis zum Bau großer P+ R-Plätze. Doch manchmal hilft angeblich schon ein Eimer Farbe.

Seit der Ratssitzung Anfang September haben wir es schwarz auf weiß: Von 2044 Busfahrten, welche die Stadtwerke am Tag in Osnabrück anbieten, gelten nach offizieller Lesart durchschnittlich 735 als unpünktlich weichen also fünf Minuten oder mehr vom Fahrplan ab. 18 Busfahrten fallen ganz aus. Das sind fast fünfmal mehr als im Jahr zuvor.

Dabei ist das Problem in der Hauptverkehrszeit (6.30 bis 18.30 Uhr) am größten, wie aus einer Antwort der Stadtwerke auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion hervorgeht. Doch selbst frühmorgens und abends erreichen nur 82 Prozent der Busse ihre Haltestellen ohne nennenswerte Verzögerung. Großer Handlungsdruck

Die Zahlen verdeutlichen den Handlungsdruck für Osnabrück″, heißt es in der Mitteilungsvorlage. Fahrgast- und damit Einnahmerückgänge seien messbar. Die Unzufriedenheit der Kunden wachse rasant. Werner Linnenbrink, bei den Stadtwerken verantwortlich für das Mobilitätsangebot, berichtet auf Nachfrage unserer Redaktion von 500, manchmal 700 Beschwerden pro Monat″, die das Unternehmen allein über soziale Medien wie Facebook erreichen.

Aber warum läuft es mit den Bussen in Osnabrück so schlecht? Die Ursachen für Ausfälle und Verspätungen sind laut Stadtwerken vielfältig: Baustellen, überlastete Straßen, plötzliche Krankmeldungen im ohnehin unterbesetzten Fahrdienst gehören dazu. Außerdem ein fehlendes Park-and-ride-Angebot. Aber auch der Mangel an Möglichkeiten, dem Busverkehr an den entscheidenden Stellen Vorrang zu geben und ihn dadurch zu beschleunigen.

Beispiel Ampeln: Von den gut 200 Anlagen in Osnabrück befinden sich Linnenbrink zufolge 130, also etwa zwei Drittel, im Stadtbusnetz. Doch anstatt dem ÖPNV schneller und länger grünes Licht zu geben, bremse die Hälfte dieser Ampeln den Linienverkehr regelrecht aus. Das ist überflüssig!″, findet der Stadtwerke-Chef. Zumal der Aufwand, eine Ampelsteuerung durch den Bus hinzubekommen, gering sei technisch wie finanziell. Die an Bord benötigten Geräte würden nur wenige Hundert Euro pro Stück kosten und ließen sich im Handumdrehen einbauen.

Sei auch die Lichtsignalanlage passend ausgerüstet, erklärt Verkehrsbetriebsleiter André Kränzke im Gespräch mit unserer Redaktion, könne sich ein herannahender Bus an einem von den Stadtwerken festgelegten Punkt per Funk bei der Ampel anmelden, woraufhin diese der gesamten Warteschlange im nächsten Umlauf ein paar Sekunden extra gewährt bei Bedarf auch zweimal. Auf der anderen Seite der Kreuzung melde der Bus sich dann wieder bei der Ampel ab. Vorausgesetzt, er hat es in einem der beiden verlängerten Durchgänge bis dorthin geschafft. Denn eine dritte Ausnahme gibt es nicht.

Bei rund der Hälfte der 130 Ampeln funktioniere das so, sagt Kränzke, zwar nicht optimal, aber immerhin″. Ärgerlich seien aber jene 60 bis 70 Ampeln″, die zurzeit überhaupt nicht vom Bus zu beeinflussen seien, weil trotz entsprechender Vorrichtungen zwischen Fahrzeug und Anlage keine Kommunikation stattfinde. Hier wollen und müssen wir dringend Abhilfe schaffen!

Auch an Haltestellen kann es nach Ansicht der Stadtwerke durch bauliche Veränderungen gelingen, Zeitverluste enorm zu verringern. Den Planern schweben unter anderem Mittelinseln auf der Fahrbahn vor, die Autos am Überholen hindern und so dafür sorgen, dass Busse nach ihrem Zwischenstopp den Pulk anführen, anstatt einfädeln zu müssen. Jede Sekunde zählt

Darüber hinaus seien Busspuren ein wirksames Instrument, den öffentlichen Nahverkehr zu priorisieren. Die brauchen auch nicht lang sein″, betont Stadtwerke-Chef Linnenbrink. Am Berliner Platz etwa verfügten stadteinwärts fahrende Busse seit 2017 über eine kurze, eigene Fahrspur, die ihnen von der Wittekindstraße kommend eine ungehinderte Weiterfahrt Richtung Neumarkt ermöglicht. Früher hätten die Busse dort teilweise fünf bis sechs Minuten eingebüßt. Am Ende genügte ein Eimer Farbe, um das Problem zu lösen.″

Kollege Kränzke unterstreicht: Im ÖPNV zählt jede Sekunde! Habe ein Bus sich erst mal eine kleine Verspätung eingefangen, schaukele diese sich unter den heutigen Bedingungen viel zu oft zu einer großen auf. Was nicht nur die Kunden nerve, sondern auch zulasten der Busfahrer gehe. Die Verspätungen fressen ihre Pausen auf.″ Und mehr als viereinhalb Stunden Lenkzeit am Stück sind gesetzlich verboten. Können Fahrer in solchen Fällen nicht abgelöst werden, falle der Bus notgedrungen aus, erklärt Kränzke.

Zusammen mit der Stadt haben die Stadtwerke deshalb einen 38-Punkte-Plan entworfen, der die Qualität des Busverkehrs in Osnabrück spürbar verbessern soll. Ihre schriftliche Empfehlung an die Politik lautet, erste Maßnahmen auf den Metrobus-Linien M2 (Landwehrviertel) und M4 (Ikea) schnellstmöglich umzusetzen″. Oder um es mit Linnenbrink zu sagen: Am 5. Februar 2020 kommt das neue Liniennetz. Aber ohne Busbeschleunigung ist es nur halb so gut.″

Bildtexte:
Problem mit einem Eimer Farbe gelöst″: An der Kreuzung Berliner Platz verfügen Busse seit zwei Jahren über eine eigene Spur, die ihnen das Geradeausfahren auf den Neumarkt ohne Zeitverlust ermöglicht.
Verkehrsbetriebsleiter André Kränzke erklärt anhand einer Zeichnung, wie ein herannahender Bus eine Ampelsteuerung beeinflussen kann.
Werner Linnenbrink, Leiter Mobilitätsangebot bei den Stadtwerken Osnabrück, zeigt ein Gerät, mit dem sich ein Bus bei einer Ampel an- und abmelden kann.
Fotos:
Sebastian Stricker

Kommentar
Prioritäten setzen

Die Stadtwerke Osnabrück haben in der Vergangenheit schon vieles von dem, was in ihrer Macht steht, unternommen, um die Busse schneller und damit pünktlicher zu machen. Stichwort Handyticket: Der papierlose Fahrschein wurde 2017 ja vor allem deshalb eingeführt, damit es beim Einstieg weniger zeitraubende Vorgänge gibt. Bestellen, bezahlen, drucken: Alles das kostet wertvolle Sekunden Zeit, die ein Busfahrer im heutigen Taktverkehr nicht übrig hat.

Die jetzt vorgelegten Zahlen zu Verspätungen und Fahrtausfällen müssen deshalb alarmieren. Denn der Trend ist besorgniserregend: Statt immer mehr Menschen durch einen attraktiven ÖPNV zum Umstieg vom eigenen Auto auf den Bus zu bewegen, dadurch Straßen zu entlasten und das Stadtklima zu verbessern, passiert gerade das Gegenteil, sind Fahrgastrückgänge und Einnahmeverluste bittere Realität.

Um diese Entwicklung umzukehren, bedarf es einiger Anstrengung nicht zuletzt finanziell. Aber wer weniger Individual- und mehr öffentlichen Verkehr will, muss Prioritäten setzen. Im Klartext: den Bus beschleunigen, ihm punktuell Vorrang geben vor dem motorisierten Rest an Ampeln, Haltestellen und unterwegs. Denn ebenso wie die 60 Sekunden einer Minute im Fahrplan nicht beliebig verteilbar sind, ist auch der Verkehrsraum in Osnabrück begrenzt.

s.stricker@ noz.de
Autor:
Sebastian Stricker


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