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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Jugend bekommt Sitz im Klimabeirat
 
Sie wollen den Klimabeirat radikaler machen
Zwischenüberschrift:
Osnabrücker Jugendliche erhalten einen Sitz im Masterplanbeirat 100 Prozent Klimaschutz
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Freitags demonstrieren sie vor dem Osnabrücker Theater für den Klimaschutz, im Klimabeirat dürfen die Jugendlichen nun auch formal Einfluss auf die Stadtpolitik nehmen. Dort bekommt die Jugend einen Sitz und will so dem Thema Klimaschutz mehr Schwung geben.

Der Klimabeirat tagt viermal im Jahr und soll die politischen Entscheidungsträger der Stadt unterstützen, damit der Masterplan 100 Prozent Klimaschutz auch aufgeht. Darin hat sich die Stadt selbst das Ziel gesetzt, bis 2050 den CO2-Ausstoß und den Energieverbrauch drastisch zu reduzieren.

Die Osnabrücker Fridays-for-Future″-Gruppe hatte kritisiert, dass im Klimabeirat überwiegend Menschen sitzen, die aufgrund ihres Alters die schlimmsten Klimaveränderungen nicht mehr selbst erleben werden.

Osnabrück Seit Ende 2018 demonstrieren die Osnabrücker Jugendlichen nach dem Vorbild der schwedischen Klimaaktivistin Greta Thunberg für mehr Klimaschutz. Parallel schauten sie sich auch einmal an, was der städtische Klimabeirat so macht.

Die Beobachtung des Osnabrücker Schülers Lars Biesenthal: Dort sitzen nur Leute, die mit den krassen Klimaveränderungen nichts mehr zu tun haben werden.″ Sprich: Die meisten Mitglieder sind zu alt. Seine Generation, also die, die weltweit für den Klimaschutz auf die Straßen geht, war dort bislang nicht vertreten, lediglich Hochschule und Universität haben einen Sitz. Biesenthal ist 16 Jahre alt und einer der Organisatoren von Fridays for Future″ in Osnabrück. Da die Jugendlichen nicht nur streiken, sondern etwas verändern wollen, baten sie von sich aus um eine aktive Mitgliedschaft im Klimabeirat der Stadt.

Viermal jährlich tagt der Klimabeirat, ein bunt gemischtes Gremium aus Vertretern diverser Osnabrücker Institutionen. Mit Fridays for Future″ werden es 24 sein, darunter beispielsweise die Kirchen, die Stadtwerke, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) und der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC).

Der Beirat hat die Aufgabe, die Ratspolitiker zu beraten. Denn die Stadt hat sich das Ziel gesetzt, bis 2050 ihren CO2-Ausstoß im Vergleich zu 1990 um 95 Prozent zu reduzieren und den Endenergieverbrauch um 50 Prozent. Dazu gibt es den sogenannten Masterplan 100 Prozent Klimaschutz, dessen Umsetzung mit Geld vom Bund gefördert wird.

Der Beirat hat eine gute beratende Funktion″, findet Biesenthal, ist aber aus sehr vielen Gruppen zusammengesetzt. Dadurch werden Sachen teilweise nicht so radikal besprochen, wie wir als Bewegung es für notwendig halten.″ Die Jugendlichen hätten auf vieles einen ganz anderen Blick. Biesenthal erinnert sich an eine Sitzung, in der es um die Stadtbusse ging. Dabei sei dann die Frage diskutiert worden sei, ob und wie Fensterscheiben beklebt werden sollen. Wir fordern, dass Fahrräder in den Bussen mitgenommen werden können, und stattdessen geht es um so etwas″, kritisiert der 16-Jährige.

Mit der Erreichung ihrer Klimschutzziele steht Osnabrück nicht sonderlich gut da, wie der Klimabeiratsvorsitzende Markus Große Ophoff Anfang des Jahres mahnte. Wenn es im aktuellen Tempo weitergehe, werde die Stadt ihr CO2-Reduktionsziel von 95 Prozent erst deutlich nach 2070 erreicht haben, berichtete er.

Die Osnabrücker Fridays for Future″-Gruppe hatte schon im Frühjahr vier konkrete Forderung an den Rat gerichtet: Erstens soll die Stadt mehr Geld für den Fahrradverkehr ausgeben, zweitens das Busnetz ausbauen, drittens den öffentlichen Nahverkehr deutlich günstiger oder kostenlos gestalten, und viertens sollen die Stadtwerke ihre Anteile am Kohlekraftwerk Lünen verkaufen.

Irgendwann wird es die Bewegung Fridays for Future″ vielleicht nicht mehr geben, sagt Biesenthal. Damit die Jugend weiterhin im Klimabeirat vertreten bleibt, soll der Platz dann an eine andere engagierte Jugendgruppe vergeben werden so ist es in der neuen Geschäftsordnung formuliert, die der Osnabrücker Rat in seiner Sitzung am morgigen Dienstag noch formal absegnen muss.

Drei Mitglieder werden derweil aus der Satzung gestrichen: Das IHK Netzwerk Nachhaltige Logistik″, die Volksbanken Raiffeisenbanken und das Umweltforum Osnabrücker Land. Das Umweltforum hatte den Beirat schon vor drei Jahren als Alibiveranstaltung″ kritisiert und die Einladung der Stadt zur Zusammenarbeit ausgeschlagen.

Bildtext:
Freitags streiken Osnabrücker Schüler fürs Klima im Klimabeirat der Stadt wollen sie mitgestalten.
Foto:
Archiv/ Swaantje Hehmann

Mitglieder des Klimabeirats

Bistum Osnabrück

Evangelisch- lutherischer Kirchenkreis Osnabrück

Aktionszentrum 3. Welt

Lokale Agenda 21

Nwerk eG Bürgerenergiegenossenschaft

Solarenergieverein Osnabrück

Stadtwerke Osnabrück

Osnabrücker Klimaallianz, O.K.

Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

Fridays for Future/ nach Ende der Bewegung eine andere engagierte Jugendgruppe

Hochschule Osnabrück

Universität Osnabrück

Verein Deutscher Ingenieure

Haus- und Grund Osnabrück

Mieterverein für Osnabrück und Umgebung

Architektenkammer Niedersachsen

Verbraucherzentrale Niedersachsen

IHK-Netzwerk Energie

Handwerkskammer Osnabrück-Emsland

Industrie und Handelskammer Osnabrück - Emsland - Grafschaft Bentheim

Verkehrsclub Deutschland (VCD) Kreisverband Osnabrück

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) Osnabrück

Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück (Planos)

Sparkasse Osnabrück

Kommentar
Jugend ernst nehmen

Es ist bemerkenswert, was die Jugendlichen der Fridays for Future″-Bewegung erreicht haben nicht nur in Osnabrück, sondern weltweit. Das Thema Klimaschutz ist in aller Munde. Vielleicht können die Schüler auch dem Osnabrücker Klimabeirat mehr Durchschlagskraft verleihen.

Denn das Gremium mahnt zwar hier und da, dass die Stadt ihre selbst gesteckten Ziele aus dem Masterplan 100 Prozent Klimaschutz verfehle, wenn sie ihre Bemühungen nicht verstärke. Doch wirklich nachhaltig ist der Beirat bislang nicht in Erscheinung getreten. Es blieb bei einem erhobenen Zeigefinger.

Die Jugendlichen aus der Fridays for Future″-Bewegung könnten das ändern vorausgesetzt, ihre Aufnahme in den Klimabeirat ist nicht nur Symbolpolitik, sondern sie werden auch ernst genommen, sowohl im Beirat als auch vom Osnabrücker Rat. Darin steckt eine einmalige Chance.

s.dorn@ noz.de
Autor:
Sandra Dorn


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